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Wasserqualität von Badeseen : Für das richtige Sommergefühl

Drei Sterne von der EU, „keine Beanstandung“, sagt das hessische Ministerium, Wassertemperatur über 20 Grad: Der Langener Waldsee. Bild: dpa

Den Traum, in der Natur ins kühle Nass zu tauchen, kann man sich in Hessen vielerorts erfüllen. Nur für einen See gilt Badeverbot – und mit dem Main wird es wohl auch nichts.

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          Der Perfstausee im Kreis Marburg-Biedenkopf ist ein Sorgenkind. Vor Jahrzehnten als Hochwasserrückhaltebecken angelegt, weist das Wasser derzeit so hohe Werte an Coli-Bakterien und Enterokokken auf, dass aus hygienischen Gründen das Schwimmen verboten wurde. Ob sich die Wasserqualität noch einmal verbessert, ist ungewiss. Im hessischen Umweltministerium befürchtet man, dass der See künftig nicht mehr der EU als Badegewässer gemeldet werden kann.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist nicht tragisch, es gibt weitere 60 Seen mit insgesamt 64 Badestellen in Hessen, die man in diesem Sommer wieder nach Belieben nutzen kann. Die Hälfte liegt im Rhein-Main-Gebiet, vom Kärcher Surfsee bei Lampertheim bis zum Gederner See in der Wetterau. Den meisten attestiert die EU eine „exzellente“ Wasserqualität, nur bei vieren wurde das Wasser lediglich als „gut“ eingestuft.

          Gänse und Enten verschlechtern Wasserqualität

          Der Große Pfordter See im Vogelsbergkreis soll sogar nur über eine ausreichende Wasserqualität verfügen, heißt es von der Europäischen Umwelt Agentur in Kopenhagen. Im Wiesbadener Umweltministerium winkt man ab: Auch da könne man inzwischen wieder prima baden, heißt es. 2011 habe es dort erhöhte Werte gegeben, und die EU fasse die Daten von vier Jahren zusammen. Die Mitteilungen der EU sagten wenig über die aktuelle Wassergüte aus. Insgesamt habe sich in Hessen in den vergangenen Jahren die Qualität der Seen verbessert, einige seien heute sauberer – als Folge von „Manipulationen“. Bei dem einen See würden die Wasserpflanzen regelmäßig gemäht, damit sich im Wasser nicht zu viele Nährstoffe bildeten, am Kinzigsee trenne man seit Jahren einen Teil zum Baden mit einer Folie ab, die sechs Meter in Tiefe reiche und an der Dosiergeräte befestigt seien, um auch dort mit sogenannten Fällsalzen die im See enthaltenen Nährstoffe zu reduzieren. Am Gederner See wurden Fische, die im Sediment wühlen, abgefangen und durch andere Sorten ersetzt. Und am Schultheis-Weiher in Offenbach, der in den vergangenen Jahren immer wieder wegen zu vieler Blaualgen geschlossen werden musste und grundlegend saniert wurde, wird derzeit Gänsekot am Ufer von Hand eingesammelt, damit die Fäkalien nicht ins Wasser gelangen.

          Die Gänse sind nach Angaben der Fachleute ohnehin meist schuld daran, dass in Badeseen immer wieder schlechte Werte gemessen werden. Dabei verrichteten die Tiere ihr Geschäft gar nicht im Wasser, aber liebend gern am Rand. Am Großen Pfordter See ist deshalb sogar ein Steg abgebaut worden, damit sich Gänse und Enten dort nicht mehr niederlassen. Gelangen sie ins Wasser, sorgen ihre Fäkalien mitunter dafür, dass die Grenzwerte für Enterokokken überschritten werden, Säugetiere steuern mit ihren Ausscheidungen die Coli-Bakterien bei. Die Gesundheitsämter müssen regelmäßig die Gewässer auf diese Bakterien hin untersuchen, da sie in gewissen Konzentrationen Infektionen oder Durchfall auslösen können und daher als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Unglücklicherweise fütterten manche Besucher der Badeseen auch noch die Wasservögel, statt sie fernzuhalten, beklagen Fachleute.

          In Frankfurt fehle ein Baggersee

          Seit 2008 meldet Hessen die Badeseen und ihre Wasserqualität der EU. In diesen Jahren sind drei Gewässer „abgemeldet“ worden. Doch in keinem Fall, so heißt es, sei die Wasserqualität schuld an dieser Entwicklung gewesen. Im Fall eines Badesees in Biblis sei deutlich geworden, dass sich am Rand des Sees früher eine Mülldeponie befunden habe. Dafür sind zwei Seen hinzugekommen: der Naturbadesee Beiseförth im Schwalm-Eder-Kreis und der Kärcher-Surfsee bei Lampertheim, der früher nur von Surfern genutzt wurde, nun aber einen Ausgleich für den geschlossenen See in Biblis bieten soll. Es gebe praktisch keinen See, bei dem es nicht auch Konflikte um die Nutzung gebe. Mal verhindere der Naturschutz das Baden, andernorts seien es die Angler, dann wieder reiche die Landwirtschaft zu dicht an das Gewässer heran. In Fall der Grube Prinz von Hessen bei Darmstadt kamen an heißen Tagen nachts die Wildschweine zum Abkühlen vorbei – und machten alle Messergebnisse für die EU obsolet. „Eigentlich ist die Versorgung mit Badeseen insbesondere in den Ballungsräumen ganz gut“, heißt es aus dem Umweltministerium.

          Natürlich entstanden ist allerdings keiner der hessischen Seen, sie sind alle aufgestaut oder ehemalige Kiesgruben. In einer Stadt wie Frankfurt, so heißt es in Wiesbaden, fehle eigentlich ein solcher Baggersee. Der Langener Waldsee sei doch weit weg und seine Liegewiesen im Sommer schnell überfüllt. Doch es sei nicht damit zu rechnen, dass Frankfurt ein solches Projekt in Betracht ziehe, dort meine man, mit dem Main habe man das Wasser doch vor der Haustür.

          Doch vom Baden in Bundeswasserstraßen, wie Main und Rhein es sind, hält man im hessischen Umweltministerium entgegen immer mal wieder aufkeimenden Ideen nichts. Am Ufer des Mains stünden viele Kläranlagen, das Wasser sei daher voller Keime, „richtig dreckig“. „Wir raten aus hygienischen Gründen dringend vom Baden im Main ab“, so die offizielle Stellungnahme des Ministeriums. Damit kann wohl auch endgültig ein alter Wunsch des Veranstalters des Frankfurter Ironmans ad acta gelegt werden. Thomas Dieckhoff hatte diese Woche noch einmal wissen lassen, dass der Ironman „mit den Schwimmern im Main perfekt wäre“. Im Ministerium verweist man dazu auf die Erfahrungen der Stadt Wiesbaden, wo 2010 bei einem Triathlon im Schiersteiner Hafenbecken und damit im Rhein geschwommen wurde. Damals erkrankten 31 Teilnehmer an Durchfall. Ob das Wasser allerdings wirklich schuld war, konnte nie geklärt werden. Der Triathlon führt heute durch den Raunheimer Waldsee. Für die Fachleute steht fest: „Flüsse sind eben keine Badeseen.“

          Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie gibt auf www.badeseen.hlug.de einen Überblick über die Gewässer, ihre Qualität und Temperatur.

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