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Was Mainz gegen Stickoxide tut : Schlechte Luft und leckere Burger

Eher rot als gelb: An der Parcusstraße in Mainz werden immer noch zu hohe Stickoxidwerte gemessen Bild: Frank Röth

Weiterhin zu hohe Stickstoffdioxid-Werte werden an der Messstelle Parcusstraße in Mainz ermittelt. Die Stadt will gegensteuern und schafft neue Busse an. Und dann ist da noch die Lage der Messstelle.

          Auch im vergangenen Jahr sind die an der stark befahrenen Mainzer Parcusstraße gemessenen Stickstoffdioxid-Werte deutlich zu hoch gewesen. Mit einem Durchschnittswert von 47 Mikrogramm je Kubikmeter Luft wurde das von der Europäischen Union vorgegebene Maximum von 40 Mikrogramm nach Angaben des Umweltbundesamts 2018 abermals klar überschritten. Falls die europaweit geltende Vorgabe an der in Bahnhofsnähe stehenden Messstelle bis zum Sommer immer noch nicht erfüllt werden kann, muss die Stadt von Herbst an eventuell Diesel-Fahrverbote für einzelne Straßen oder Viertel in der City aussprechen. Das zumindest sieht der inzwischen modifizierte Luftreinhalteplan vor, der wiederum als Reaktion auf ein im Oktober ergangenes Urteil des Verwaltungsgerichts entsprechend geändert und verschärft wurde. Die Kommune ist, wie auch andere Städte, von der Deutschen Umwelthilfe wegen fortwährender Überschreitung der gesetzlich vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte verklagt worden.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Dass alle 26 ortsfesten Messstationen in Rheinland-Pfalz, also auch jene an der Kreuzung Parcus- und Bahnhofstraße, sinnvoll sowie vorschriftsmäßig ausgewählt seien und „richtlinienkonform betrieben werden“, hat Umweltministerin Ulrike Höfken (Die Grünen) gerade noch einmal „klargestellt“ – und damit auf die neu aufgeflammte Diskussion über die Festlegung der Grenzwerte reagiert, die auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation zurückgingen.

          Laien schwer zu vermitteln

          Diese Organisation habe bei ihrer Bewertung nicht zuletzt den Schutz etwa von empfindlichen Menschen und Kindern im Blick. Trotz allem sei es dem Laien schwer zu vermitteln, dass zum Beispiel in Mainz unmittelbar neben der strittigen Messstation ein „Burger-Laden“ betrieben werden dürfe, sagte Christian Baldauf, der Vorsitzende der rheinland-pfälzischen CDU-Fraktion, jetzt im Landtag. Er forderte eine „Versachlichung der Debatte“ und verwies darauf, dass es „bei den Maßnahmen für saubere Luft auf die Verhältnismäßigkeit“ ankomme. Grundsätzlich setzen Stadt und Land, die der Automobilindustrie die Hauptschuld an der vertrackten Lage geben, auf eine Modernisierung der im Nahverkehr zum Einsatz kommenden Diesel-Busse, auf die Anschaffung von Elektro-Fahrzeugen und den Ausbau des Radverkehrs.

          So hat Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) in Mainz gemeinsam mit Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) bei einem Pressetermin am Fußballstadion gleich 23 neu angeschaffte Euro-6-Diesel-Busse für den Linienbetrieb präsentiert, die nicht zuletzt dafür sorgen sollen, dass die Stickstoffdioxid-Werte dann auch an der Parcusstraße messbar sinken.

          Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilte, lag der Anteil der Dieselautos bei den Neuzulassungen im vergangenen Jahr insgesamt nurmehr bei knapp einem Drittel der landesweit angemeldeten 134.000 Fahrzeuge. Im Vergleich dazu seien es 2017 noch gut 35 Prozent und in den Jahren zuvor gar mehr als 40 Prozent gewesen. Andere Antriebstechnologien, ob Hybrid oder Elektro, werden laut Statistik dagegen offenbar beliebter – und waren im vergangenen Jahr schon bei fünf Prozent der neuzugelassenen Fahrzeuge eingebaut.

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