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Geldbündel von Oberursel : Was macht man mit 10.500 Euro zwischen Buchseiten?

Schätzchen: In diesem Buch befand sich das Geld Bild: Bernhard Biener

Ein unscheinbares Taschenbuch hat sich in Oberursel als wahres Schätzchen entpuppt. Denn es barg 10.500 Euro. Nun gibt es einige Ideen, wie das Geld investiert werden kann.

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          Das vor kurzem wertvollste Buch der Stadtbücherei Oberursel ist kein frühneuzeitlicher Foliant oder eine Goldschnitt-Ausgabe Goethes gesammelter Werke, sondern ein unscheinbares Taschenbuch. Es lag im Februar auf einem Stapel weiterer Bücher, die als Spende abgegeben wurden. Edith Schäfer vom Vorstand des Fördervereins kann sich an den Freitagmorgen noch gut erinnern. „Zufällig blätterte eine Helferin interessehalber durch das Buch und entdeckte einen 500-Euro-Schein.“ Es war nicht der einzige: Zwischen den Seiten steckten 20 weitere, insgesamt 10.500 Euro.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die „Freunde der Stadtbücherei Oberursel“ sammeln und sichten regelmäßig Bücher, um sie auf ihren Flohmärkten zu verkaufen. Das so eingenommene Geld bekommt die Bücherei, die damit vor allem Kinderveranstaltungen zur Leseförderung finanziert. Schäfer nahm einen Schein und ließ als erstes von einer Bank die Echtheit prüfen. Dann brachte sie das Geld in Absprache mit Büchereileiterin Claudia Hannes aufs Fundbüro. Denn für die beiden war offensichtlich, dass da niemand das Wort Bücherspende großzügig ausgelegt und das Geld freiwillig abgegeben hatte. „Die Scheine waren so zwischen den Seiten versteckt, dass sie von außen nicht zu sehen waren.“

          325 Euro Finderlohn

          Die Stadtverwaltung veröffentlichte eine Mitteilung, um den Eigentümer zu suchen. Denn auch der Buchtitel führte nicht auf dessen Spur: „Unter deutschen Betten. Eine polnische Putzfrau packt aus“ heißt das Werk. In der Meldung waren natürlich weder Summe, genauer Zeitpunkt der Abgabe noch Buchtitel genannt. Eine Nachrichtenagentur griff den Fall auf, und die Geschichte fand ein bundesweites Echo. Daraufhin meldeten sich zahlreiche Anrufer, die Geld vermissten.

          Manche waren sich nach einer Haushaltsauflösung nicht sicher, ob das Buch vielleicht in einer Kiste dabei gewesen sein könnte. Eine Oberurselerin hörte in der Kur davon. Sie hatte heimlich Geld in einem Buch gesammelt, um davon ihrem Mann ein Geschenk zu kaufen. Als der ihr am Telefon erzählte, er habe den Keller aufgeräumt, fuhr ihr der Schreck in die Glieder. Doch auch hier passten die Angaben nicht mit dem Fund zusammen.

          Am eindrücklichsten sind Schäfer zwei Männer in Tarnanzügen in Erinnerung, die mit einem Geländewagen an der Bücherei vorfuhren. „Die hatten einen Lederkoffer dabei“, erzählt sie. „Ich glaube, sie murmelten irgendetwas von der amerikanischen Armee.“ Doch auch ihr martialisches Auftreten brachte den beiden das Geld nicht ein. Inzwischen ist ein halbes Jahr vorbei und die gesetzliche Aufbewahrungsfrist abgelaufen. Eigentlich fiele das Geld jetzt der Stadt zu, und die Freunde der Stadtbücherei müssten sich mit 325 Euro Finderlohn zufriedengeben. Weil der Fundort in der Stadtbücherei und damit einer öffentlichen Einrichtung lag, ist er nämlich nur halb so hoch wie üblich.

          Neue Medien auf dem Einkaufszettel

          „Wir wollten aber nicht, dass das Geld einfach so in den Haushalt fließt“, sagt Erster Stadtrat Christof Fink (Die Grünen). „Schließlich kümmert sich der Förderverein intensiv um die Bücherei.“ Deshalb überreichte er Schäfer eine Spende über die gesamte Summe des Funds. Darüber freute sich auch die Büchereileiterin. „Wegen Corona mussten die Flohmärkte ausfallen, und die Unterstützung für die Leseförderung fehlt uns“, sagte Hannes. Auch neue Medien wolle die Bücherei von dem Geld kaufen. Im November wolle der Förderverein die Tradition der Flohmärkte wiederaufnehmen, kündigte Schäfer an. „Das heißt, wir brauchen wieder Bücherspenden.“

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