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Anhänger protestieren : Gegen Windräder am Bahai-Tempel

Runde Sache: Der Kuppelbau bei Langenhain ist das religiöse Zentrum der Bahai-Gemeinde in Europa. Bild: Luftaufnahmen Riegler

Die Glaubensgemeinschaft der Bahai fühlt sich durch den Bau der Rotoren an ihrem Tempel in ihrer Religionsfreiheit beschnitten fühlen. Unterstützung bekommt sie dabei von den Hofheimer Kommunalpolitikern.

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          In Hofheim regt sich Protest gegen Pläne, in der Nähe des Gotteshauses der Bahai-Religion im Stadtteil Langenhain Windräder zu errichten. Die Glaubensgemeinschaft protestiert seit Wochen gegen ein Baugebiet für Windkraftanlagen in der Nähe ihres „Hauses der Andacht“ und beruft sich auf die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit. Nach ihrer Ansicht würde ein Windrad die Glaubenspraxis stören. Der Andacht dienten nicht nur das Gotteshaus selbst, sondern auch die Gärten drumherum. Der markante Kuppelbau, der sich mit Fenstern nach allen Seiten öffnet, liegt am Waldrand und bildet das religiöse Zentrum des Bahai-Glaubens für ganz Europa. Nun haben die Hofheimer Kommunalpolitiker sich mit großer Mehrheit auf die Seite der Glaubensgemeinschaft gestellt und sich ihrer Argumentation angeschlossen.

          Jan Schiefenhövel
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          In einer Sitzung des Sonderausschusses, der während der Corona-Krise stellvertretend für die Stadtverordnetenversammlung entscheidet, sprachen sich die Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Freien Wählern in einem gemeinsamen Antrag gegen den Windkraftstandort aus. Gegen das Anliegen stimmten nur die Grünen und Linke. Das Haus der Andacht der Bahai sei eine „Religionsstätte von herausragender Bedeutung“, heißt es in dem Antrag.

          Als einziges Zentrum der Glaubensgemeinschaft in Europa spiele es eine besondere Rolle und gehöre in eine Reihe mit ähnlich bedeutsamen Tempeln der Bahai in den Vereinigten Staaten und Australien. Nach den bisherigen Plänen sei der Abstand der Windkraftanlagen zu dem Gotteshaus geringer als der Abstand der Windräder zum Stadtzentrum von Eppstein und dem Kaisertempel.

          Kritikern geht es nicht darum, Windräder an sich zu verhindern

          Der Vorsteher der Stadtverordneten, Andreas Hegeler (CDU), sagte, offenbar sei bei der Planung der Vorranggebiete für Windräder übersehen worden, dass am Rand von Langenhain ein religiöses Gebäude stehe. Den Kritikern der Pläne gehe es nicht darum, Windräder an sich zu verhindern, sondern darum, auf dieses Gotteshaus Rücksicht zu nehmen. Vom innen biete sich ein Blick durch die Fenster in alle Richtungen, so falle ein blinkendes Windrad in der Umgebung ins Auge und störe die Gottesdienste.

          Mario Kleber von der Wählergemeinschaft Wallau nannte es ein „Unding“, Windanlagen ausgerechnet nahe dem religiösen Zentrum vorzusehen. Die Energiewende stehe oder falle nicht mit Windrädern an diesem Standort.

          Dagegen sagte Daniel Philipp (Die Grünen), die Religion und das Gotteshaus seien keine Argumente gegen Windräder im Wald bei Langenhain. Die dort vorgesehene Vorrangfläche für Windkraft sei schon verkleinert worden und der Abstand zu Gebäuden sei angemessen. Barbara Grassel (Die Linke) hielt es für „abwegig“, dass die Religionsfreiheit durch die Windräder beeinträchtigt würde. In Flörsheim müsse der Pfarrer schließlich auch seine Predigt unterbrechen, wenn ein Flugzeug über die Kirche fliege. Tobias Gottschalk von den Bürgern für Hofheim sagte, wer sich gegen Windräder bei Langenhain einsetze, müsse auch einen Ersatzstandort vorschlagen, und zwar auf dem Hofheimer Stadtgebiet.

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