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Wenn das Mehl ausgeht : Mahlen gegen die Panik

  • -Aktualisiert am

Mehl ist in den Regalen der deutschen Supermärkten derzeit rare Ware. Dabei läuft die Produktion auf Hochdruck. Bild: dpa

In vielen Supermärkten fehlt Mehl. Dabei tun etwa die Mühlen aus der Rhein-Main-Region schon, was sie können.

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          So manches Osterlamm wird in diesem Jahr nicht gebacken, weil in den Supermärkten einfach kein Mehl zu bekommen ist. Seit Wochen sind die Regale regelmäßig leer. „Dabei liefern wir wie verrückt und mahlen täglich einhundert Tonnen mehr“, sagt Nico Weiß, Disponent der Hildebrandmühlen im Frankfurter Osthafen, die zum Verbund der Goodmills Deutschland GmbH gehören.

          Der Großbetrieb, der jährlich bis zu 130 000 Tonnen Weizen und Roggen zu Mehl, Grieß und Schroten verarbeitet, liefert üblicherweise direkt an die Betriebe der Lebensmittelindustrie, Mehlsäcke oder gar kleine Tüten werden in Frankfurt nicht befüllt. Das übernehmen die Schwestermühlen, erklärt Weiß, denen man aber nach Kräften unter die Arme greife. Die Frankfurter Mühle arbeite derzeit im Dreischichtbetrieb, das Mehl werde dann in anderen Betrieben abgefüllt und direkt an die Supermärkte geliefert. Wo aktuell keine Tüte lange im Regal bleibt.

          „Das ist förmlich eine Panik“, sagt Volker Philippi von der Philippi-Mühle in Schöneck in der Wetterau. Mehl und Hefe gingen in diesen Tagen genauso schnell weg wie Toilettenpapier. „Ich weiß nicht, warum nun alle glauben, ihr Brot selbst backen zu müssen. Die Bäcker öffnen doch noch.“ Philippi ist Müller in sechster Generation, sein Betrieb geht auf das Jahr seine Kunden sind Bäcker, Konditoren und Pizzerien. Auch sie haben sich die Lager noch einmal kräftig auffüllen lassen.

          „Als sich die Beschränkungen wegen der Pandemie ankündigten, ging bei uns die Nachfrage richtig hoch“, erzählt Philippi. Inzwischen sei weniger los, es sei zu spüren, dass mancher vom angehäuften Vorrat eine Weile leben könne und die meisten Bäckereien und Pizzerien deutlich weniger Backwaren absetzten. Für die Privatleute, die auch noch jeden Tag anriefen und nach Mehl fragten, war anfangs keine Zeit. Und eigentlich hat der kleine Familienbetrieb auch keine für normale Küchen geeigneten Gebinde: 25 Kilogramm wiegen die leichtesten Säcke. Aber selbst die hätte mancher abgeholt und dann unter Freunden aufgeteilt. Inzwischen füllen die Philippis von Hand auch ein paar zweieinhalb Kilogramm schwere Mehltüten ab, um doch mal aushelfen zu können, wenn jemand extra zur Mühle kommt.

          Umsatz in den Bäckereien eingebrochen

          Dass bei den Bäckern der Umsatz eingebrochen ist, obwohl sie ihre Geschäfte weiter öffnen dürfen, das spürt auch Heinrich Matthes, Seniorchef der Schlossmühle in Ober-Ramstadt in Südhessen. Auch er ist ein Lieferant des Bäckerhandwerks und sieht mit Sorge, wie sich die Absätze der gut einhundert Betriebe entwickeln, die er in der Region versorgt. Wenn etwa eine Bäckerei plötzlich keine Brötchen für das Fußballstadion mehr backe, dann schlage das deutlich auf die Bestellmenge bei der Mühle durch.

          Einig sind sich die Müller darin, dass die leeren Supermarktregale ein falsches Bild vermitteln: Knapp sei das Mehl in Deutschland überhaupt nicht, der Einzelhandel komme einfach nicht hinterher, wenn die Nachfrage so sprunghaft in die Höhe gehe.

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