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Hasskriminalität im Internet : Nicht mehr davonkommen lassen

  • -Aktualisiert am

Auch in anderen deutschen Städten, wie hier in Stuttgart, gedenken Menschen an die Opfer des Attentats von Hanau. Die Botschaft dabei ist deutlich. Bild: dpa

So wahnsinnig das Weltbild des Attentäters von Hanau auch gewesen ist, es ist nicht fernab von Raum und Zeit nur in seinem Hirn entstanden. Der Mann suchte Bestätigung – und fand sie im Netz.

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          Der mutmaßliche Massenmörder von Hanau war ein Psychopath. Aber: So wahnsinnig sein Weltbild auch war, es entstand nicht fernab von Raum und Zeit nur in seinem Hirn. Er suchte Bestätigung, und jedes Mal, wenn von einem angeblich bedrohten „Volkskörper“, wenn von einer „versifften Gesellschaft“ die Rede war, die gereinigt werden müsse, und von „Mainstream-Medien“, deren Journalisten man aufknüpfen werde, fand er sie.

          Deswegen dürfen diejenigen, die auch diesmal mit treuherzigem Augenaufschlag sagen, damit hätten sie nichts zu tun, mit ihrer Heuchelei nicht mehr davonkommen. Man muss sie nicht in Thüringen suchen, man findet sie auch in Hessen. Sie wissen, was sie sagen, und sie kennen die Wirkung des Giftes namens Hass, das sie verabreichen. Dass das Internet Wahnsinnige in dem Gefühl bestärkt, sie seien nicht allein, kommt dazu, aber es ist nicht die Ursache. Dennoch ist es höchste Zeit, dass die Absicht, Hasskriminalität im Netz mit allen Mitteln des Rechts zu bekämpfen, nicht immer wieder als angebliche Zensur tituliert wird.

          Findet der fremdenfeindliche mörderische Hass in Hessen einen besonderen Nährboden? Wird er durch politisch motiviertes Wegschauen der Sicherheitsbehörden begünstigt? Nach dem Lübcke-Mord, nach den Schüssen in Wächtersbach und nach den Morden in Hanau ist man geneigt, daran zu glauben und auch die rechtsradikalen Zellen in der Frankfurter Polizei nicht für einen Zufall zu halten. Allerdings hält der schlimme Verdacht einer Prüfung nicht stand. Es hat Versäumnisse gegeben, aus ihnen wurden Konsequenzen gezogen. Es stimmt, Demokratie und Rechtsstaat müssen Zähne zeigen – aber dann bitte morgen nicht gleich wieder über einen „Polizeistaat“ schwadronieren.

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