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Nasser Spätwinter : Regenphase als Zeit für Freudentänze

Wolkenverhangen: Frankfurt im März 2020 Bild: dpa

Regenreiche Wochen wie zuletzt sind nach den langen, trockenen und heißen Sommern bitter nötig gewesen. Nur unter diesen Umständen können wir uns auf die nächsten Monate freuen.

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          Ein attraktiver Monat ist der Februar schon lange nicht mehr. Früher, als er zusammen mit dem Januar zu den richtigen Wintermonaten zählte, als es Schnee und Minusgrade gab, die Seen zumindest noch gelegentlich zugefroren waren, war dem Februar etwas abzugewinnen. Doch mit seinen milden Temperaturen ist er mittlerweile weder Winter noch Frühjahr. Wenn er zudem, wie in den vergangenen Wochen, regnerisch und grau ist, möchte man ihn am liebsten aus dem Kalender streichen.

          Meteorologen und Hydrologen sehen das ganz anders und können gerade diesem Dauerregen viel abgewinnen. Mit ihren Messdaten belegen sie, dass wir genau so einen Februar nach den zwei langen, trockenen und heißen Sommern bitter nötig hatten. Ginge es nach ihnen, würde der März genauso ausfallen. Ja, sogar mit einem verregneten Sommer könnten sie gut leben. Denn, so die Fachleute, rein statistisch gesehen seien zwei aufeinanderfolgende trockene Sommer eher die Ausnahme. Klimawandel hin oder her, es werde auch in Zukunft noch nasse Sommer geben.

          Tropennächte in der Stadt

          Hoffentlich. Natürlich kann jeder warmen, fast mediterranen Sommern etwas abgewinnen. Wer sich jedoch in den vergangenen beiden Jahren während richtig heißer Sommertage in einer der Städte des Rhein-Main-Gebiets aufgehalten hat, der ahnt, was es heißt, mit Tropennächten zu leben, in denen die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad sinken. Und wer im Wald oder in einem Park spazieren war und gesehen hat, wie Bäume, manche hundert Jahre alt und älter, absterben und beim ersten Sturm umfallen, weil sie schlichtweg vertrocknet sind, der spürt, dass sich da draußen in der Natur etwas grundlegend verändert.

          Die Bäume in der Stadt, die wesentlich dazu beitragen, dass die Temperaturen in der Nacht überhaupt sinken, brauchen eines: Regen. Man kann, aber muss vielleicht nicht Freudentänze vollführen, wenn es regnet. Aber wir müssen lernen, uns auf die Zunge zu beißen, wenn wir im Begriff sind, einen Regentag zu verfluchen. Es gibt ausreichend Outdoorbekleidung. Wir sollten uns freuen, wenn der Boden feucht ist, die Grundwasserstände gefüllt sind.

          Nur unter diesen Umständen können wir uns auf den nächsten Sommer freuen. Ansonsten wird es spätestens im Frühsommer bitter: mit steppenartigen Rasenflächen, mickrigen Ernten und mit einer schwindenden Zahl schattenspendender Bäume. Das will hoffentlich niemand. Also lieber einmal einen Regentanz aufführen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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