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On-Demand-Systeme des RMV : Schub für die Verkehrswende

  • -Aktualisiert am

Der Anfang: Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hatte Ende Juli den Startschuss für eines der größten On-Demand-Verkehrsprojekte Europas gegeben, Bild: Helmut Fricke

Die bereits laufenden On-Demand-Systeme des Rhein-Main-Verkehrsverbundes in Taunusstein, Darmstadt und Offenbach haben viele Vorteile. Noch stecken die Systeme in den Kinderschuhen, aber sie werden mit Sicherheit ausgebaut.

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          Der On-Demand-Shuttleservice in Taunusstein ist ein kluger Schritt nach vorne, weil er das Mobilitätsverhalten intelligent verändern kann. Private Autos stehen im Schnitt etwa 90 Prozent des Tages ungenutzt herum. Das ist nicht nur ineffizient und teuer, es sorgt auch dafür, dass endlos scheinende Blechkarawanen an den Straßenrändern in Frankfurt, Wiesbaden und anderen Städten des Rhein-Main-Gebietes stehen. Gleichwohl verkaufen die meisten Menschen ihre Autos nicht, denn wenn sie ein Ziel haben, möchten sie es bequem und schnell erreichen.

          Dafür ist das Auto trotz aller Staus und Restriktionen noch immer das geeignetste Fortbewegungsmittel in Deutschland. Der öffentliche Personennahverkehr ist entweder nicht ausreichend ausgebaut, im Berufsverkehr überlastet, oder es dauert einfach zu lange, ein Ziel zu erreichen, weil mehrere Verkehrssysteme genutzt werden müssen, die nicht nahtlos ineinander übergehen. Kaum kommt die Bahn an, ist der Bus auch schon weg. Lastenräder sind in urbanen Milieus derzeit angesagt, aber auf längeren Strecken über Land wohl kaum alltagstauglich.

          Effizient, zügig und billiger als ein Taxi

          All diese Nachteile haben die bereits laufenden On-Demand-Systeme des Rhein-Main-Verkehrsverbundes in Taunusstein, Darmstadt und Offenbach nicht. Der E-Bus ist zügig da und fährt seinen Fahrgast bequem und schnell ans Ziel. Er ist effizient, weil er im Optimalfall fast nie steht, und die Fahrt ist viel billiger als mit einem Taxi. Steigen mehrere Fahrgäste ein, ermittelt ein Algorithmus die optimale Fahrtroute.

          Bis Ende des Jahres sollen die Shuttles in zehn hessischen Kreisen und Städten fahren. Noch stecken die Systeme in den Kinderschuhen, aber sie werden mit Sicherheit ausgebaut. Sollte das Angebot flächendeckend und in ausreichendem Umfang vorhanden sein, könnte es bei vielen Menschen zum Umdenken führen. Wer sucht freiwillig jeden Abend im Wiesbadener Westend stundenlang einen Parkplatz, wenn er mit dem Handy innerhalb von Minuten seinen persönlichen Bus rufen kann? Hinzu kommt, dass der Kauf eines Autos oft zu den teuersten Anschaffungen privater Haushalte gehört.

          Diese Zwänge werden funktionierende On-Demand-Systeme beenden. Mit jeder weiteren Stadt, die die On-Demand-Busse anbietet, steigen die Akzeptanz und auch die Bekanntheit des neuen Systems. Das könnte der Verkehrswende einen entscheidenden Schub geben.

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