https://www.faz.net/-gzg-a8t96

Über den Rhein : Warten auf die Brücke

  • -Aktualisiert am

Auch auf eine Brücke im Mittelrheintal muss wohl noch Jahre gewartet werden. (Archivbild) Bild: dpa

Wer den Rhein überqueren möchte, merkt schnell, wie begrenzt die Möglichkeiten dafür sind. Im Mittelrheintal ist man sich immerhin einig, dass eine Brücke notwendig ist. Doch gute Worte allein reichen nicht.

          1 Min.

          Flüsse trennen, Brücken verbinden. Das ist eine simple Feststellung. Doch schon beim Unterhalt bestehender Brücken tut sich dieses Land schwer, wie die Vielzahl der Brückenbaustellen in der Rhein-Main-Region und wie es die Havarien der Schiersteiner und der Salzbachtalbrücke belegen. Noch schwerer, als rechtzeitig zu sanieren, tun sich Politiker damit, neue Brücken zu schlagen. Das hat weniger mit den hohen Kosten solcher Projekte zu tun als mit der Sorge um die Natur und mit der Furcht vor nicht beherrschbaren Verkehrsströmen. Die Mainzer wollen deshalb keine weitere Autobrücke über den Rhein, und der Kreis Mainz-Bingen torpedierte jahrelang einen neuen Anlauf für eine aus Naturschutzgründen schon einmal verworfene Verbindung zwischen Rüdesheim und Bingen. Auch im Rheingau gibt es bei Brücken-Skeptikern die Furcht vor noch mehr Verkehr auf der Rheinuferstraße.

          Doch knapp 90 Kilometer Rheinlauf zwischen Wiesbaden und Koblenz ohne jede Brücke sind eine Zumutung. Wie gefährdet die Funktionsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur ist, wenn nur eine der bestehenden Brücken nicht mehr zur Verfügung steht, haben die Bürger in den vergangenen Jahren mehrfach leidvoll erfahren, auch am Beispiel Theodor-Heuss-Brücke. Weitere Brücken sind dringend notwendig, auch im Mittelrheintal. Dort war es der skurril anmutende Streit darüber, ob ein Neubau als Kreis- oder Landesstraße zu klassifizieren wäre, der das Vorhaben fast zu Fall gebracht hätte. Zum Glück war es ein Streit unter Brückenbefürwortern, und am Ende wurde ein Kompromiss gefunden. Nun kann es mit den in Deutschland quälend langen Diskussions-, Vorbereitungs-, Planungs- und Genehmigungsprozessen immerhin weitergehen. Mit dieser halbwegs guten Nachricht muss sich zufriedengeben, wer in einem Rechtsmittelstaat voller Bedenkenträger lebt.

          Nur Träumer haben gehofft, eine Brücke im Mittelrheintal werde womöglich schon die Bundesgartenschau 2029 bereichern. Bis dahin sieht sich die Landesbehörde Hessen Mobil noch nicht einmal in der Lage, in Rüdesheim eine Bahnunterführung für die Rheinuferstraße zu bauen. Selbst die Kanzlerin beklagte noch kurz vor Ausbruch der Pandemie „elend langsame“ Planungs- und Genehmigungsprozesse in Deutschland. Der traurige Zustand bestehender und die Zahl bislang nicht gebauter Brücken sind ein guter Beleg für Merkels Forderung: „Wir müssen schneller werden“. Doch gute Worte allein bauen keine Brücken.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ein kleines Corona-Quiz

          Heute in Rhein-Main : Ein kleines Corona-Quiz

          Die Corona-Regeln werden immer komplizierter, fast bräuchte man ein Handbuch, um noch durchzublicken. Der Buchhandel gehört von Montag an zum Einzelhandel täglichen Bedarfs. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Für immer durch die Narbe gezeichnet

          Prozess um Messerattacke : Für immer durch die Narbe gezeichnet

          Eine Zweiundfünfzigjährige ist laut Staatsanwaltschaft Opfer eines heimtückischen Mordversuchs geworden. Ihr Ehemann attackierte sie mit einem Küchenmesser. Vor dem Landgericht zeigte sie am Donnerstag Selbstbewusstsein.

          Topmeldungen

          Angela Merkel im Bundestag bei der Debatte „Epidemische Lage von nationaler Tragweite“, einen Tag nach dem Bund-Länder-Gipfel

          Deutschlands Corona-Wette : Angela Merkel hisst die weiße Fahne

          Die gesamte Konstruktion, mit der Bund und Länder die Pandemie bewältigen wollten, hat Risse bekommen. Deutschland erlebt eine neue Form von politischem Kontrollverlust.
          Ein besonderes Tänzchen: Kneissl mit Putin auf ihrer Hochzeit in der Südsteiermark

          Kneissl geht zu Rosneft : Wer mit Putin tanzt

          Einst sorgte Österreichs frühere Außenministerin für Aufsehen, weil sie den russischen Präsidenten zu ihrer Hochzeit einlud. Nun zieht Karin Kneissl in den Aufsichtsrat von Rosneft ein – einem besonderen Unternehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.