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Für Tiere gefährliche Seuche : Wappnen gegen die Schweinepest

Erlegt: Wildschweine Bild: ZB

Die Afrikanische Schweinepest hat sich bis auf wenige hundert Kilometer genähert. Bauern, Jäger und Behörden treibt die Frage um, wie der Ausbruch der gefährlichen Seuche zu verhindern ist.

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          Das hessische Umweltministerium will vorbereitet sein. Die Abteilung für Tierseuchen, die erst im vergangenen Winter wegen der Vogelgrippe gefordert war, arbeitet deshalb intensiv: Verhindert werden soll, dass die Afrikanische Schweinepest nach Hessen gelangt. Aber auch für den Fall, dass die Viruserkrankung in einem der etwa 10.000 hessischen Betriebe ausbricht, die gut eine halbe Million Schweine halten, will das Ministerium rasch handeln können. Schließlich war es bei der Vogelgrippe durch strenge Schutzmaßnahmen gelungen, eine Ausbreitung der Infektion in Hessen zu verhindern, obwohl mehr als 60 Wildvögel an der Viruserkrankung verendet waren.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Afrikanische Schweinepest breitet sich seit einigen Jahren vom Schwarzen Meer in Richtung Westen aus. Während nahezu alle erkrankten Tiere verenden, ist das Virus für den Menschen ungefährlich. Im vergangenen Sommer erreichte die Pest Tschechien, verbreitete sich dort aber ausschließlich unter Wildschweinen. Fachleute erwarten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das erste kranke Wildschwein auch in Deutschland entdeckt wird. Wobei die Überträger der Seuche vermutlich nicht die Wildschweine selbst sind, sondern Menschen, die unbemerkt kontaminierte Wurst- und Fleischwaren aus betroffenen Gebieten mitbringen und sie etwa an einer Autobahn-Raststätte achtlos wegwerfen. Da kann ein Salamizipfel oder ein angebissenes Brötchen mit rohem Schinken reichen: In nicht erhitzten Wurst- und Fleischwaren überdauern die robusten Viren lange.

          „Wildschweine sind Allesfresser“

          „Ein roher Schinken kann noch ein Dreivierteljahr später ansteckend sein“, sagt Alexander Michel, Geschäftsführer des hessischen Jagdverbands. Ein Wildschwein, das die verseuchte Wurst frisst, hat das Virus in sich. „Und Wildschweine sind Allesfresser.“ Michel sieht auch die Gefahr, dass der widerstandsfähige Erreger in Reifenprofilen osteuropäischer Fahrzeuge eingeführt wird und im schlimmsten Fall so bis in einen landwirtschaftlichen Betrieb gelangt. Fachleute raten deshalb zu absoluter Sauberkeit und strenger Hygiene rund um den Schweinestall sowie in allen Betrieben, die Fleisch transportieren und verarbeiten. „Das Wildschwein ist jedenfalls nicht schuld, wenn die Schweinepest nach Hessen kommt“, sagt Michel. Wäre erst einmal ein hessisches Tier infiziert, würde sich das Virus schnell verteilen. In anderen Ländern gibt es die Erfahrung, dass das Virus, hat es sich einmal ausgebreitet, kaum wieder loszuwerden ist. Trotz jahrelanger Forschung gibt es weder eine Behandlung noch einen Impfstoff.

          Auf die Gefahr, dass über achtlos weggeworfene Speisereste die Schweinepest nach Deutschland gelangen könnte, weist mittlerweile auch die Bundesregierung hin. Sie hat an Raststätten der Bundesautobahnen entsprechende Hinweisschilder anbringen lassen.

          Der Deutsche Bauernverband geht weiter: Er fordert den rigorosen Abschuss von Wildschweinen. Von einer 70-Prozent-Quote ist die Rede. So weit will das Land nicht gehen. Doch Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) hat im Anschluss an eine Sondersitzung der Agrarminister in Berlin in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass, „soweit regional erforderlich“, die Schwarzwildbestände intensiver reguliert werden müssten. Es soll also mehr gejagt werden. Dann, so lautet die allgemeine Ansicht, könnte die Pest bei einem Ausbruch besser eingegrenzt werden.

          Die erste Hürde für eine verstärkte Jagd ist die Schonzeit für Keiler und Bachen, die am 1. Februar beginnt und am 15. Juni endet. Frischlinge und bis zu 24 Monate alte Jungtiere hingegen dürfen das ganze Jahr über geschossen werden. Während in anderen Bundesländern die Schonzeit schon aufgehoben wurde, kann Michel sich die Jagd von Muttertieren nicht vorstellen. „Der Muttertierschutz ist nicht diskutabel“, sagt er, über den Abschuss von Keilern „kann man reden“.

          Hohe Dichte von Schwarzwild

          Wenn aber mehr Abschüsse gewünscht sind, muss dafür nach Ansicht des Jagdverbands eine Aufwandsentschädigung gezahlt werden. „Das Land muss Anreize schaffen“, sagt Michel, schließlich machten die Jäger bisher schon „ordentlich Strecke“, wie es in der Jägersprache heißt. Sie leisteten damit ohnehin einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Würden nun noch mehr Abschüsse gewünscht, könne nicht allein der Jäger die Kosten tragen, indem er etwa für die erforderliche Trichinenuntersuchung des Fleisches aufkommen müsse – zumal der Preis für Wildschweinfleisch rapide verfalle, seitdem so viel gejagt werde.

          „Und dass wir seit einigen Jahren hessenweit mit einer hohen Dichte von Schwarzwild gesegnet sind“, auch daran trügen die Jäger keine Schuld, sagt Michel. Ursache ist vielmehr der Klimawandel, der frostfreie Winter bringt, sowie die Tatsache, dass „der Tisch durch die vielen Maisfelder und sehr fruchtreiche Jahre in den Wäldern stets reichlich gedeckt ist“, wie die Frankfurter Stadtförsterin Tina Baumann die Lage beschreibt.

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