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Der Wandertipp : Eiskalter Vulkan

  • -Aktualisiert am

Berg Dornburg: Die Region ist reich an Basalt und anderen Bodenschätzen. Bild: Initiative Geopark

Selbst im Sommer herrschen hier ­Minusgrade: Der Berg Dornburg im Westerwald besitzt ein thermisches Phänomen. Ihn prägen Basaltwände und Keltenwälle.

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          Abkühlung tut not in heißen Zeiten. Bevor man sich vor den Kühlschrank setzt, bietet der Westerwald eine natürliche Alternative: ewiges Eis. Das hat, anders, als populäre Marschlieder nahelegen, freilich nichts mit den kalten Winden zu tun, die angeblich über die Westerwald-Höhen pfeifen. Vielmehr begünstiget eine besondere Zirkulation in dem zerklüfteten Berg Dornburg Minustemperaturen, tief genug, damit Gestein vergletschert. Selbst im Hochsommer entströmt zwei ebenerdigen Öffnungen ein eiskalter Luftzug.

          Entdeckt wurde das in Mittelgebirgen einzigartige Phänomen 1839, doch schon früher fiel auf, dass Schnee an der 400 Meter hohen Dornburg selten liegen bleibt. Im Winter dreht sich das Ganze nämlich um, nun dringt wärmere Luft nach oben. An einem Kamin saßen die Menschen deshalb nicht, die schon in keltischer Zeit seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert den Berg besiedelt hatten. Damals entstand jener 400 Jahre später stark ausgebaute Ringwall, dessen Befestigungen teilweise an der Plateaukante verlaufen und sich vor der gefährdeten Westseite zu einem zehn Meter hohen Abschnittswall türmen.

          Stille, friedliche Stimmung

          Material, offen anstehender Basalt, war auf dem vulkanisch geformten Berg im Übermaß vorhanden. Noch heute ergießen sich große Blockmeere über die Hänge, insbesondere an der Südflanke. Der Nordostteil wurde ohne Rücksicht auf die Keltenmauer seit dem späten 19. Jahrhundert bis zum endgültigen Verbot 1989 vollständig abgeräumt. Schautafeln im Gelände rechnen vor, dass nur noch die Hälfte der Gipfelfläche von ursprünglich 37 Hektar besteht.

          Und doch: Beim Gang durch Buchenhochwald ist von Zerstörungen wenig zu spüren. Die vom Abbau geschlagenen Wunden deckt die Natur nicht nur hier inzwischen gnädig zu. Wo einst fast jede Westerwald-Gemeinde einen kleinen Basaltbruch besaß, aus denen sich vielerorts seit dem rasant gestiegenen Bedarf für den Bahn-, Straßen- oder Deichbau gewerbliche Großanlagen entwickelten, herrscht heute eine stille, friedliche Stimmung. Die meisten wurden stillgelegt und stehen unter Naturschutz, manche sind sogar touristisch erschlossen. So auch die nordwestlich der Dornburg am Bergrücken Watzenhahn liegende.

          Den seit seinem Ende 1945 in Vergessenheit geratenen Betrieb erweckte jetzt wieder der großräumig agierende „Nationale Geopark Westerwald-Lahn-Taunus“. Für die Zugänglichkeit des Geländes hat er die zyklopartigen Basaltwände, nun „Riesen“ genannt, von Bewuchs befreit und die Relikte einer damals hochmodernen Lorenseilbahn gesichert.

          Wegbeschreibung

          Dank des früheren Güterverkehrs besitzt der Westerwald noch eine Nord-Süd-Bahnstrecke, die auch den Hauptort der Kunstgemeinde Dornburg, Frickhofen, berührt. Die Station liegt inmitten eines Supermarktes, dessen Parkplatz sonntags genutzt werden darf. Außerdem wurden einige Stellflächen für den dort startenden „Blasius­steig“ reserviert.

          Vor den ebenerdigen Löchern des „Eisstollens“ der Dornburg bei Frickhofen im Westerwald spürt man ein einzigartiges Phänomen – ihnen entströmt bitterkalte Luft. Besondere Zirkulationsbedingungen begünstigen in dem zerklüfteten Berg vulkanischen Ursprungs Minustemperaturen, tief genug, damit Gestein vergletschert. Im Winter dreht sich das Ganze um. Dann dringt wärmere Luft nach oben, so mild, dass Schnee nicht liegen bleibt.
          Vor den ebenerdigen Löchern des „Eisstollens“ der Dornburg bei Frickhofen im Westerwald spürt man ein einzigartiges Phänomen – ihnen entströmt bitterkalte Luft. Besondere Zirkulationsbedingungen begünstigen in dem zerklüfteten Berg vulkanischen Ursprungs Minustemperaturen, tief genug, damit Gestein vergletschert. Im Winter dreht sich das Ganze um. Dann dringt wärmere Luft nach oben, so mild, dass Schnee nicht liegen bleibt. : Bild: Thomas Klein

          Folgt man seiner Markierung B auf orangefarbenem Grund, bleibt rechts (Bahnhofstraße) rasch die Bebauung zurück. Es geht kurz an der Landstraße entlang und ein Stück neben den Gleisen, bevor links nach knapper Baumpartie – bei Queren einer Straße – die Dornburg anvisiert wird. Kaum im Wald, kann das Durchgangsverbot an dem Jugendheim ignoriert werden. Das B zieht linksseitig vorbei und erreicht, begleitet von ausgedehnten Blockhalden, 300 Meter weiter den „Eisstollen“.

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