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Der Wandertipp : Burgherr ist der Bürgermeister

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Vollständig begehbare Romanisch-gotische Ruine: Nach fünfjähriger Restaurierung leuchtet wieder das Sandsteinrot der Henneburg über dem Main bei Stadtprozelten. Bild: Thomas Klein

Zum Abschluss der umfassenden Restaurierung der Mainburgen erstrahlt auch die doppeltürmige Henneburg. Ihre Besichtigung krönt den Gang durch eine abwechslungsreiche Spessart-Landschaft.

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          Burgen gehören zum Rhein, aber ebenso zum Main. Nur fanden und finden sie dort, weil nicht in romantisierende Traumschlösser verwandelt, oftmals viel weniger Beachtung. Dabei sind Funktion und Formen der hochmittelalterlichen Herrschaftssitze namentlich am Flussviereck um den Spessart weitaus authentischer zu erleben. Gegen ihre Kraft und Behauptungswillen ausstrahlenden Mauern wirken die überformten Rheinburgen verspielt und ahistorisch.

          Dank umfassender Restaurierungs- und Freilegungsarbeiten in den vergangenen Jahren könnten die Gemäuer jetzt mehr Aufmerksamkeit erhalten. Wo etwa die Burgruinen von Collenberg und Freudenberg hinter dichtem Bewuchs verschwanden, leuchtet ihr Sandsteinrot heute einladend über den Ufern. Gleichsam zur Krönung der von Wertheim und Miltenberg ausgehenden Erneuerung dominiert nach fünfjähriger Sanierung nun auch wieder die Henneburg bei Stadtprozelten das Maintal.

          Der Efeuvorhang abgehängt, sämtliche Wände gesichert und gestrahlt, sind die Hauptausbaustufen bestens nachzuvollziehen. Die Kernburg reicht bis ins frühe 12. Jahrhundert, als man für den Standort klug einen durch tiefe Geländeeinschnitte geschützten Vorsprung nutzte – überragt vom Bergfried mit dem außergewöhnlichen Grundmaß von zehn Metern im Quadrat. Jetzt noch erhöht um eine Aussichtsplattform, kann er über enge Stufe erklommen werden.

          Nach häufigen Besitzerwechseln, doch niemals zerstört, kam die Burg auf dem Kauf- und Geschenkweg im Jahr 1320 an den Deutschen Orden, der sie dank der Einnahmen des 32 Dörfer zählenden Amtes Stadtprozelten zur mächtigen Festung mit 260 Meter langer Bastion ausbaute. Außerdem errichteten die Gottesmänner einen zweiten Turm. Dieser ist nun ebenso gut zu begehen wie der Wehrgang an der gefährdeten Nordseite. Statt Taschenlampe oder Feuerzeug erhellt jetzt elektrisches Licht den im Mauerwerk eingelassenen Gang.

          Dass dies so bleibt, der Unterhalt und die Pflege gewährleistet sind, dafür sorgt die Gemeinde Stadtprozelten. Sie mietete vom Freistaat Bayern, der auch die Generalüberholung stemmte, die Anlage. Burgherr ist demnach jetzt der Bürgermeister, der sich in Gestalt des aktuellen auf Nachfrage mit Rat und Tat – seine telefonische Durchwahl findet sich am Tor – für sein prachtvolles Gemäuer einsetzt.

          Wegbeschreibung

          Bei Start an der Bahnstation von Stadtprozelten erreicht man durch die Unterführung den Uferstreifen und läuft 300 Meter zum frei nutzbaren Parkplatz vor der Mainfähre. Weiter geht es auf pappelgesäumtem Rad- und Fußweg nach Faulbach, wobei kurz davor dichte Auen überraschen.

          An der Bebauung rückt der mehrfach untertunnelte Gleisdamm heran. Wird die Ortsmitte ausgelassen, wählt man den Durchgang mit der Markierung roter Diagonalstrich zur Bahnhofstraße. Für einen Abstecher in den Kernteil Faulbachs verbleibt man am Ufer bis zum Wechsel auf die Kirchgasse. Sie verbindet mit zwei Gotteshäusern, die ein gleichartiges Gnadenbildnis beherbergen. Das spätgotische Original steht in der Alten Pfarrkirche, während die moderne Kirche Mariä Verkündigung gegenüber eine goldgefasste Replik erhielt.

          Zurück auf der Hauptstraße, unter dem Torbogen des früheren Rathauses hindurch, findet man alsbald Anschluss an den mit dem Diagonalstrich gekennzeichneten Weg in Höhe der Bahnhofstraße. Auf ihm, zwischen zahlreichen Eigenheimen, geht es ins Freie. Statt direkt die nächste Station Breitenbrunn anzusteuern – was jedoch abkürzend möglich ist –, bietet das Zeichen rechts hinauf eine Schleife über den naturgeschützten Grohberg an. Ihn charakterisieren für Spessartverhältnisse außergewöhnliche Sandtrockenrasen, die insbesondere seltene Schmetterlingsarten anziehen.

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