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Wandertipp : Das Böse überwinden

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Wie die verheißene Stadt auf dem Berge thront Kloster Engelberg über dem Main bei Großheubach Bild: Thomas Klein

Wie die verheißene Stadt auf dem Berge thront Kloster Engelberg über dem Main. Einerlei ob man mit oder ohne Bußabsicht zur Wallfahrtsstätte kommt – immer eine Versuchung wert sind das süffige Dunkelbier oder der hauseigene Wein.

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          Das Aushängeschild des fränkischen Weinbaus nach Westen ist der bayerische Untermain. Herrscht auf dem Glimmerschiefer bei Alzenau eher Weißwein vor, macht der Buntsandstein den Kreis Miltenberg zur führenden Rotweinregion Frankens. Im Zusammenspiel von milden Mainklima und Mauerterrassen mit horizontalen Rebzeilen gedeihen hier seit Jahrhunderten vielgerühmte Burgunder und Portugieser.

          Vorwiegend bewirtschaften rund 400 Nebenerwerbswinzer die insgesamt 180 Hektar große Fläche. Fast jeder gastronomische Betrieb der Region, so scheint es, baut seinen eigenen Wein aus. Die Atmosphäre ist familiär, Interieur und Speisenangebot sind bodenständig, nicht nur bei den zahlreichen, reihum durch Winzer betriebenen Häckerwirtschaften. In und um Großheubach bestehen ungewöhnlich viele Einkehrmöglichkeiten, von gehobeneren Häusern wie der „Krone“ bis gemütlich-zünftigen wie der „Bretzel“ mit eigener Brennerei.

          Und dann ist da noch das über allem thronende Franziskaner-Kloster Engelberg. Ob man nun mit oder ohne Bußabsicht auf die Wallfahrtsstätte kommt, immer eine Versuchung wert ist das süffige Dunkelbier und natürlich der hauseigene Wein aus der mit 0,8 Hektar kleinsten Lage Frankens. Allerdings sahen sich die letzten vier hochbetagten Brüder gezwungen, die hinter hohen Steinmauern wachsenden Trauben zu verpachten. Weniger aus Altersgründen als hinsichtlich der Entscheidung der Ordensleitung, den Engelberg neben vielen anderen Niederlassungen aufzugeben. Seit 1828 betreuen Franziskaner die Pilger und Besucher geistig wie gastronomisch.

          Die Pforte zum Himmel

          Auch wer nicht zur Verehrung des Gnadenbildnis Mariens heraufkommt, gewinnt nach Lage und Bildprogramm Einblick in das katholische Glaubensverständnis. Der Vorstellung, dass man über den Leidensweg Christi zur Erlösung und in Gottes Reich findet, entsprechen die 612 steilen Stufen des Kreuzweges von Großheubach, die genau an der „Pforte zum Himmel“ enden, wie am Kirchenportal geschrieben steht. Blickt man vom untersten Absatz nach oben, scheinen die „Engelsstaffeln“ tatsächlich in höhere Sphären zu leiten, dorthin, wo die schneeweißen Abteigebäude gleichsam die verheißene Stadt auf dem Berge symbolisieren.

          Hierbei will das „Böse“ überwunden sein. Deshalb beschützt Erzengel Michael im Giebel über dem Eingang die darunter als „Königin der Engel“ dargestellte Mutter Gottes. Der Erzengel wurde ursprünglich ins Feld geführt, eine heidnische Kultstätte auf der Höhe zu gewinnen, materialisiert dann durch die um 1310 aufgestellte, bald als wundertätig beschriebene Marienstatue. Der Zuspruch erforderte den Bau eines Kirchleins und unter gegenreformatorischen Vorzeichen 1630 das damals von Kapuzinern besetzte Kloster. Sein Ausgangsort, ein horizontal aufliegender Felsblock mit Vertiefungen, genannt Hunnenstein, ist unverändert in den prachtvollen Wäldern oberhalb davon erhalten.

          Wegbeschreibung

          Großheubach verfügt über große Stellflächen am Mainufer, so man nicht am Kloster Engelberg beginnt (geringe Tagesgebühr). Unten sichtet man an der Parkplatzzufahrt die Starttafeln von gleich zwei Spessart-Kulturwegen. Hier soll es „Route 2“ sein, wie stets mit gelbem Schiffchen über blauem Grund markiert. Beide berühren zunächst ein früheres Trafohäuschen, an dem eine Häckerwirtschaft aufgemalt ist, sowie ein kleines Denkmal, das an die vielen Auswanderer seit dem 19. Jahrhundert erinnert.

          Vor allem der Reblausbefall hat viele Weinbauern verarmen lassen. Dass es schon bessere Zeiten gab, davon zeugt das frühere, fein herausgeputzte Fachwerk-Rathaus von 1612 an der Einmündung in die Hauptstraße. Dort geht es nach rechts bis zur Langgasse und ausgangs der Eigenheim-Siedlung ins Freie, wobei die später relevante Kombination G1 auftritt.

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