https://www.faz.net/-gzl-a7r8t

Wandertipp : Was Frankfurt zusammenhält

  • -Aktualisiert am

„Struwwelpeter“

Pünktlich steht dort das stilisierte G (weiß) für den Grüngürtelweg bereit. Zunächst eben, nimmt es Schwung zum Entern der Kelsterbacher Terrasse. Oben weist es rechts ein. Die einstige Ausdehnung lassen die noch in bemerkenswerter Höhe erhaltenen Grabhügel der Bronze- und Eisenzeit erkennen. Erst wenn wir die Unterschweinstiegschneise passiert haben, über die sich vom Waldfriedhof auch verkürzend einsteigen lässt, stürzt die Flanke rechts steil ab.

Ihre Gleichförmigkeit verrät unschwer menschliche Eingriffe, und tatsächlich fehlt es nicht an einer Erläuterung, dass der 1888 eröffnete Frankfurter Hauptbahnhof auf Schwanheimer Kies gründete. Über einen Kilometer wurde das nördliche Plateau abgetragen. Die tiefsten Narben umgeht der Weg später mit Linksbogen, wobei vermehrt Kiefern auftreten. Dominierend sind freilich Buchen und Eichen, so auch nach Kreuzen einer Straße.

Etwa 500 Meter dahinter knickt das Zeichen an einem der vielen Wasserwerke scharf rechts ab und durchmisst die von Abbau unberührte Terrasse auf ganzer Breite. Voraus erkennen wir bald die Schwanheimer Wiesen, knapp davor links und 200 Meter weiter rechts die einst gemeinschaftlich genutzte Viehweide gequert. Kaum zu übersehen ist an einer Kreuzung „Struwwelpeter“, dessen Haare eine Kopfweide bilden. Dieses von F. K. Waechter gestaltete Opus gehört ins Umfeld der Neuen Frankfurter Schule, deren Protagonisten den Grüngürtel künstlerisch aufwerteten und ihm auch sein phantasievolles, von Robert Gernhardt geschaffenes Symboltier schenkten.

Prinzenberg

Drüben, wieder im Forst, biegen wir in den ersten Weg rechts ab. Jetzt bleibt das G zurück, was wenig am aufgelockerten Waldbild ändert. Mit Blick zur Wiese ist in zehn Minuten ein Spielpark erreicht; dort links neben der Straße hinüber zur Endstation der Linie 12 vor dem ältesten Stationsgebäude Frankfurts von 1888. (Das benachbarte Verkehrsmuseum und der Kobelt Zoo sind aktuell geschlossen.)

Also gleich weiter links davon in der Rheinlandstraße bis zum frühestmöglichen rot-weiß beschrankten Übergang und jenseits links in den Wald. Nicht lange, und die „tausendjährigen“ Eichen recken ihr bizarr ausgewachsenes Geäst in den Himmel; nach einigen hundert Metern entdeckt man auch die übergroße Replik von Fritz Wucherers Gemälde.

Am nahen Querweg biegen wir rechts ein und bald im ausholenden Linksbogen durch weitere der gut 30 Eichenveteranen. Wo sie erhöht stehen, ist der Prinzenberg angezeigt. Früher, als das Gelände dahinter noch unbebaut war, feierten die Schwanheimer gerne an der eiszeitlichen Flugsanddüne. Kurz danach begleitet man den Gleiskörper zum Ausgangspunkt.

Daten

Länge: 10 (12) km
Höhenmeter: gering
Karte: Grüngürtel-Freizeitkarte
Maßstab 1:20 000, Frankfurter Umweltamt

Anfahrt

Bei Anreise über die A 5 aus nördlicher Richtung ist zu beachten, dass die Anschlussstelle Niederrad keine Ausfahrt hat. Innerstädtisch empfiehlt sich die Anfahrt über die Bürostadt Niederrad, weiter Straßburger Straße bis Zum Heidebuckel, übergehend links Zum Eiskeller. Öffentliche Verkehrsmittel mit Straßenbahn 12 bis Goldstein, Waldfriedhof.

Sehenswert

Das 1928 eingemeindete Schwanheim besitzt nach Brand- und Kriegskatastrophen kaum historische Bausubstanz. Das auffallendste Gebäude, die Mauritiuskirche von 1901 mit ihrem 75 Meter hohen Turm. Als seit der Steinzeit genutzter Siedlungsplatz besitzt Schwanheim dafür die bedeutendsten prähistorische Zeugnisse der Stadt. Hauptfundort ist die aus Schwemmgut des urzeitlichen Mains gebildete Kelsterbacher Terrasse. Die Artefakte reichen 60 000 Jahre zurück. Erhalten sind zahlreiche Hügelgräber der Bronze- und Eisenzeit. Von großer kultur- und naturkundlicher Bedeutung sind außer der acht Kilometer langen Terrasse eiszeitliche Flugsandsanddünen, mehrere Biotope sowie die Schwanheimer Wiesen und rund 500 Jahre alte Eichen als Relikte früherer Viehwirtschaft. Im benachbarten Goldstein schuf Heinrich Siesmayer 1840 an einer früheren Wasserburg einen seiner ersten Landschaftsparks. Das 1860 entstandene Herrenhaus hat hierzu keinen Bezug.

unter: www.faz.net/wandertipp Das 1928 eingemeindete Schwanheim besitzt nach Brand- und Kriegskatastrophen kaum historische Bausubstanz. Das auffallendste Gebäude: die Mauritiuskirche von 1901 mit ihrem 75 Meter hohen Turm. Als seit der Steinzeit genutzter Siedlungsplatz besitzt Schwanheim dafür die bedeutendsten prähistorischen Zeugnisse der Stadt. Hauptfundort ist die aus Schwemmgut des urzeitlichen Mains gebildete Kelsterbacher Terrasse. Die Artefakte reichen 60.000 Jahre zurück. Erhalten sind zahlreiche Hügelgräber der Bronze- und Eisenzeit. Von großer kultur- und naturkundlicher Bedeutung sind außer der acht Kilometer langen Terrasse eiszeitliche Flugsanddünen, mehrere Biotope sowie die Schwanheimer Wiesen und rund 500 Jahre alte Eichen als Relikte früherer Viehwirtschaft. Im benachbarten Goldstein schuf Heinrich Siesmayer 1840 an einer früheren Wasserburg einen seiner ersten Landschaftsparks. Das 1860 entstandene Herrenhaus hat hierzu keinen Bezug.

Weitere Themen

In die Moschee trotz Ausgangssperre

Beginn des Ramadan : In die Moschee trotz Ausgangssperre

Zum zweiten Mal müssen Muslime den Fasten-Monat unter Corona-Auflagen beginnen. Auch in Orten mit hoher Inzidenz dürfen Gläubige abends zum Beten das Haus verlassen. Das Grundgesetz schützt die Religion besonders.

Topmeldungen

Marco Buschmann (FDP) spricht Ende März im Bundestag.

Bundesweite Notbremse : Ein Entwurf mit Sprengkraft

Die Regierung will eine einheitliche Notbremse durchsetzen, indem sie das Infektionsschutzgesetz reformiert. Dagegen regt sich Widerstand. Die FDP hat nicht nur mit dem Inhalt des Entwurfs Probleme.
Der Herzog von Edinburgh trifft um 1960 mit seinem Sohn Charles zum Verwandtenbesuch in Deutschland ein.

Erinnerung an ein Treffen : „Ich bin der Philip!“

Unser Autor war noch Praktikant, als er einen Tipp bekam: Prinz Philip würde zum Verwandtenbesuch nach Deutschland reisen. Also fuhr er zum Flughafen – und plauderte mit dem Royal und seinem Sohn Charles im Shuttlebus.
Protestaktion: Fans von Eintracht Frankfurt werfen Tennisbälle auf den Rasen beim Spiel gegen Leipzig

Montagsspiele in Bundesliga : Das Ende des Irrwegs

Die Montagsspiele machten die Doppelmoral der Bundesliga sichtbarer als je zuvor. Ihre Abschaffung gilt als einer der größten Erfolge von Fan-Protesten. Besonders groß ist das Zugeständnis aber nicht.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.