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Der Wandertipp : Franziskus predigt den Tieren

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Kaum in den Weinbergen, zieht die neuromanische Abtei St. Hildegard die Blicke auf sich. Bild: Thomas Klein

Vor 800 Jahren erreichte die franziskanische Bewegung den deutschsprachigen Raum. Verblieben sind nur wenige Konvente wie jener, der mit Marienthal im Rheingau einen der frühesten Wallfahrtsorte betreut.

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          Als Zeichen an Kirche und Gläubige, sich des christlichen Auftrags der Hingabe für die Benachteiligten, der Armen und Kranken zu erinnern, wählte Papst Franziskus den Ordensheiligen Franz von Assisi als Pontifikatsnamen. Auch diese Geste kann aber nicht die Entwicklung verbergen, die selbst jene erfasste, denen das franziskanische Credo Lebensauftrag ist: Der Nachwuchsmangel hat existenziell gefährdende Formen angenommen.

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          Die Franziskaner sind aus dem öffentlichen Leben verschwunden, selbst das Gedenken an den 800. Jahrestag der ersten „deutschen“ Niederlassung der Minderbrüder, wie sie sich nennen, Mitte Oktober 1221 in Augsburg fand wenig Aufmerksamkeit. Kloster um Kloster musste aufgegeben werden, übrig blieben in Hessen kaum fünf, am wirkkräftigsten und augenfälligsten noch an einem Wallfahrtsort wie Marienthal bei Geisenheim. Dort sind es zehn ältere Brüder, die den Dienst am Nächsten durch Gottesdienste, Beichte, Exerzitien, aber auch der temporären Aufnahme zur kontemplativen Einkehr („Kloster zum Mitleben“) verrichten.

          Darstellung der Sieben Schmerzen Mariens

          Seit ihrer Berufung 1873 hat dieser Marienthaler Konvent mit anrührender Frömmigkeit alles getan, eine der frühesten mittelalterlichen Wallfahrtsstätten durch liturgisch-kultische Einrichtungen auf Grundlage der franziskanischen Tradition aufzuwerten. Es begann mit Bildnissen von Ordensheiligen in den 1890 eingefügten Kirchenfenstern im Chor, führte über eine hierher übertragene, qualitätsvolle Kreuzigungsgruppe der Spätgotik am Außenaltar und schließlich zur ausgedehnten Wallfahrtsanlage mit farbig gefassten Kreuzwegstationen (1906 erweitert) und plastischen Darstellungen der Sieben Schmerzen Mariens, denen seit 2007 die Sieben Freuden gegenüberstehen.

          Als Himmelskönigin findet Maria zudem in Stelenform einen gesonderten Platz, und am Hang dahinter überlebensgroß Franz im braunen Habit. Die bekannteste Legende seines Wirkens, das Predigen den Tieren, nimmt ein 1915 angelegtes Franziskusgärtchen auf.

          Vorausgegangen war der Sanierung Marienthals die Bereitschaft Fürst von Metternichs als damaligen Besitzer und des preußischen Diplomaten Baron von Maltitz, aus ihren Mitteln die ruinös darniederliegende gotische Kirche zu erneuern. Das war Voraussetzung, die unterdessen in Geisenheim aufbewahrte Pièta zurückzuholen – was 1858 geschah.

          Ob sich seither Wunder ereigneten, wie nach der ersten „Heilung“ eines Erblindeten 1309 vielfach bezeugt und Votivtafeln nahelegen, darf offenbleiben. Wundersam ist zweifellos, dass ein solcher Ort überdauerte und die Sakrallandschaft Rheingau bewahren hilft. Vielleicht nicht zufällig erstand im benachbarten Kloster Nothgottes wieder ein kleiner Konvent. Wo vom frühen 17. Jahrhundert bis zur Aufhebung 1813 gleichfalls Franziskaner, genauer die abgespaltenen Kapuziner wirkten, ist es nun eine Zisterzienser-Gemeinschaft aus Vietnam.

          Wegbeschreibung

          Am Geisenheimer Bahnhof wird man von einem Zubringer des Rheinsteigs empfangen. Das gelbe Emblem spart freilich das historische Zentrum mit der (neu-)gotischen Kirche Heilig Kreuz (Rheingauer Dom) und der fünfhundertjährigen Linde aus. Hierzu ist nach der Passage neben den Gleisen in Höhe des Übergangs links mit der Prälat-Werthmann-Straße abzuweichen.

          Beiderseits der Schranken sind Parkplätze angelegt. Viel Raum bietet zudem die großzügige Eigenheim-Siedlung, die das Zeichen durchmisst, nachdem der Bahndamm gequert, links in der Hospitalstraße einige Institute der Hochschule für Weinbau berührt und von der Nothgottesstraße gegenüber vom Friedhof links in den Kreuzweg eingebogen wurde.

          Durch ihn gelangen wir übergangslos in die Wingerte, verbleiben aber noch, nach leichtem Rechtsknick, eine Weile am Häusersaum, während voraus die Doppeltürme der neuromanischen Kirche von Kloster St. Hildegard majestätisch aufragen. Dem direkten Weg stehen die vielen Querzeilen der Weinbergswege entgegen, so ist mehrmals mit Richtungswechseln beim sanften Bergauf zu rechnen.

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