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Der Wandertipp : Die Gunst der Geologie

  • -Aktualisiert am

Burg Schweinberg: Der enge Raum verlangte, in Höhe zu bauen und die Gebäude mit mächtigen Fundamenten abzustützen. Bild: Thomas Klein

Steinreich war man im Vogelsberg schon immer. Doch erst jüngst erkannte man auch den ideellen Wert und bereitete Basalt, Felsen und Bodenschätze als „Vulkanregion“ auf.

          4 Min.

          Stein-reich das Land, arm die Menschen. Dieser Ruf begleitete den Vogelsberg bis in die jüngere Vergangenheit. Karge Basaltböden erlaubten wenig mehr als Viehwirtschaft, und gewerblich fehlte es an Anschluss, da keine der Hauptverkehrsadern ihren Weg durch die Region nahm, in der nach einem alten Spott die Zwetschgen zwei Jahre zum Reifen brauchen. Im zweiten werden sie umgedreht. Der Nachteil hat sich längst in sein Gegenteil gewendet. Gerade sechzig Kilometer von Frankfurt entfernt, findet der Erholungssuchende eine kaum zersiedelte Region, zudem seit 65 Jahren durch den Anspruch des Naturparks Vogelsberg geschützt, Natur und gewachsene Kulturlandschaft zu bewahren.

          Seit dem Wissen, auf Europas größten Vulkanfeld zu sitzen, verschob sich manche Priorität. Rund 200 Geotope sind erfasst und großteils zugänglich gemacht. Der Naturpark firmiert jetzt unter „Vulkanregion“, zuletzt geadelt als „Nationaler Geopark“ – einem von 17 in Deutschland. Mit diesem Prädikat findet auch Anerkennung, dass der Vogelsberg seine Hausaufgaben für die öffentlichkeitswirksame Vermittlung des steinernen Reiches gemacht hat, und das weit über das Kerngebiet hinaus bis an die Peripherie wie etwa bei Homberg (Ohm) im äußersten Nordwesten. Dort bündelt eine „GeoTour Felsenmeer“ alles Relevante in Sachen Gestein. Beginnend in dem auf hohem Basaltkegel thronenden Fachwerkstädtchen, geht es vorbei an Erdfällen und früheren Gruben zum größten Basaltbruch Europas und schließlich zur Besonderheit eines „Sandstein-Felsenmeeres“.

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          Nicht am Wegesrand liegt das Schweinsberger Moor. Das 1977 als Hessens 100. Naturschutzgebiet ausgewiesene Biotop gilt mit seinen weiten Schilfflächen als wichtigstes Rückzugsgebiet für Wasservögel im oberhessischen Raum. Dahinter versteckt sich das gleichfalls äußerst sehenswerte Schweinsberg. Wo aus hohen Bäumen nur ein Staffelgiebel herausschaut, überraschen beim Nähertreten mächtige Festungsmauern um einen Schlosskomplex sowie die spätgotische Stephanskirche mit Grabmälern.

          Wegbeschreibung

          Praktischerweise wurde für die „GeoTour Felsenmeer“ an einen Parkplatz gedacht. Die Zufahrt ist ab dem zentralen Verkehrskreisel ausgeschildert: Berliner Straße – auch dort freie Stellstreifen – und nach 300 Meter links bis Ende der Straße Zum Hohen Berg. Bei Anreise per Bus entsteigt man am Rathaus und kommt mit der Frankfurter Straße herüber. Vor dem Parkplatz weisen eine große Tafel und die Markierung stilisierter Vulkankegel in die Runde ein. Statt Felsen erfreuen zunächst unterschiedliche Naturszenarien. Die anfängliche Streuobstwiese geht in Wald über, der öffnet sich für eine lange, durch Schafe bevölkerte Kirschenallee, gefolgt von einer Phalanx mächtiger Buchen und Linden, vor denen der Weg um ein Sonnenblumenfeld rechts in Offenland steuert.

          Die ausgedehnten Kuhlen, weiß einer der vielen Infotexte, sind Relikte mehrerer bis 1571 überlieferter Erdfälle. Vermutlich gaben unterspülte Tonschichten nach. Nicht überall ist die Basaltdecke so geschlossen, wie zu sehen, wenn wir per Abstecher zum Aussichtspunkt am Basaltbruch geführt werden.

          Unmittelbar am wogenden Schilfmeer

          Zurück, heißt es zwischen Wiesen weiter, und bei einsetzendem Gefälle schlägt die Geotour einige Haken bis zu einem asphaltierten Querweg. Hier empfiehlt sich, die Hauptstrecke nach rechts kurz zu verlassen, um von oben in das Felsenmeer einzusteigen: 200 Meter zu der Hochspannungsleitung und links quasi gegenläufig mit der Geotour in den Wald. Möchte man nur diese nutzen, dann an dem Querweg links, vorbei an Schafstränke und der Formation Dicke Steine, und von unten in die Geröllhalde.

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