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Der Wandertipp für Rhein-Main : Vom Nest ins Netz

  • -Aktualisiert am

„Wohlfühlort“ für Vögel: Storche im Gersprenztal. Bild: Thomas Klein

Die weite Au zwischen Münster und Hergershausen bietet für Wanderfreunde ein „naturnahes“ Erlebnis. Ein lohnenswertes Ergebnis menschlicher Wiedergutmachung.

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          Vor 20 Jahren kehrten nach jahrzehntelanger Abwesenheit erstmals wieder Störche ins Gersprenztal zurück. Wie in der Wetterau und im Hessischen Ried honorierten Meister Adebar und andere bestandsgefährdete Vogelarten die Renaturierung von Feuchtgebieten. Denn was in der weiten Au zwischen Münster und Hergershausen so „naturnah“ wirkt, musste der Mensch erst in tätiger Wiedergutmachung schaffen.

          Auf 400 Hektar, von denen 50 streng geschützt sind, wurden landwirtschaftliche Flächen in Biotope verwandelt und das seelenlose Prokrustesbett der Gersprenz aufgebrochen. Selbst der Biber fand nach mehr als 150 Jahren zurück und trägt nun seinen Teil zur Umgestaltung des Baches bei. Damit die Dinge im Fluss bleiben, beließ man zum Regulieren das Wehr einer früheren Mühle, erbaute aber zur Umgehung eine rondellartige Fischtreppe.

          Zuletzt kamen aufwendige Beobachtungsposten hinzu. Am Südrand blickt man auf eine für die seltene Uferschwalbe hergerichtete Sandwand, und um besser ein Schilfareal zu übersehen, wurde andernorts eine Hütte mit Sichtblenden errichtet. Von den aufgebauten Nisthilfen haben sich die Störche längst emanzipiert. An der Gersprenz setzen die Störche ihre Nester so dicht und niedrig in (halb abgesägte) Bäume, dass man bis auf wenige Meter herankommt. Noch besser beobachten lässt sich ein Paar, dessen Nest auf dem Gelände der Kläranlage liegt, im Internet. Das Nahrungsangebot ist unterdessen derart üppig, dass sich mehrere der rund 15 Storchenpaare den winterlichen Zug gen Süden ersparen.

          Nur im sehenswerten Altheim mit seinen Fachwerkhäusern sieht man keine Störche: zumindest an der romanisch-spätgotischen Kirche mit ihren Satteldächern und dem steilen Turmaufsatz, der dem Dorf früher den Zusatz Spitz-Altheim eintrug.

          Wegbeschreibung:

          Das Storchenparadies im Gersprenztal ist dank der Nähe zu einer Bahnstrecke gut zu erreichen. Vor der Station von Münster-Altheim liegt zudem ein großer, frei nutzbarer Parkplatz. Soll ein Abstecher in den Ort vorangestellt werden, gelangt man jenseits der ampelgeregelten Bundesstraße in wenigen Minuten hinüber.

          Ansonsten läuft man entgegengesetzt los und schwenkt nach 200 Metern nach rechts auf den befestigten Wirtschaftsweg. Er hält auf zwei Aussiedlerhöfe zwischen Obstkulturen und Spargelfeldern zu. Der erste wird umgangen und vor dem zweiten Richtung Hergershausen abgebogen. Am rechtsseitigen Wäldchen sichtet man gleich ein Storchenpaar; die Kopfweiden links leiten zur nahen Sandwand der Uferschwalben über.

          Wie hier begleiten in loser Folge Erläuterungstafeln zu Flora und Fauna beim weiteren Gang um einige „Ecken“ der südlichen Au, wo es auch Agrarflächen und vor allem große Reiterhöfe gibt. Wenn man eine auffallende Kreuzung erreicht – gegenüber steht eine Schutzhütte –, biegt man scharf rechts ab und passiert zwei derartige Höfe, so man nicht etwas verkürzend geradeaus direkt zur Gersprenzbrücke nahe der Fischtreppe läuft.

          Der Hauptweg zielt auf Hergershausen, biegt aber noch vor den Häusern mit der Landstraße nach links ab und begleitet diese über den Fußweg. Während im Hintergrund die kompakte Barockkirche vorbeizieht, wird das Flüsschen Semme und anschließend die historische Langfeldsmühle passiert (in normalen Zeiten ein beliebtes Ausflugslokal mit Freisitz im Fachwerkhof).

          Das Wasser – und heute daraus erzeugter Strom – bezieht das Anwesen aus der Gersprenz. Auch sie ist zu queren, um noch etwa 200 Meter der Straße bis zum Abzweig gen Münster zu folgen. Dort geht es nach links und an den hohen Pappeln wieder nach links zur Gersprenz nahe der Fischtreppe.

          Sind die Abkürzenden über die hölzerne Brücke hinzugetreten, geht es gegen die Fließrichtung am rechten Ufer weiter. Die jetzt auf einer Bildtafel verheißenen Biber halten sich jedoch meist bedeckt. Ungleich größer ist die Wahrscheinlichkeit, Graureiher, Schwäne oder Bekassine zu erleben, wenn man nach den Angelteichen eine ausgedehnte Flachwasserzone umrundet (es lässt sich auch geradeaus verbleiben).

          Und ganz gewiss sieht man Störche: Entweder auf Nahrungssuche oder in den Baumnestern auf der anderen Flussseite. Noch tiefer liegt das kameraüberwachte Nest an der Kläranlage, die nach einigen hundert Metern durch offene Flur drüben auftaucht. Kurz dahinter wechselt man via Holzsteg über die Gersprenz. Mit einem 250-Meter-Abstecher kommt man nah an den nestbekrönten Gittermast. Allein in diesem Horst gab es in den vergangenen 20 Jahren rund 60 Mal Nachwuchs.

          Zurück läuft man 400 Meter zwischen Wiesen zu einem Querweg, dort geht es nach links und an der Kreuzung nach 500 Metern rechts. Hierbei erregen Storchenkolonien am Boden und in der Luft die Aufmerksamkeit. Nur die brackige Zone ausgangs des Naturschutzgebietes „Auf dem Sand“ behagt den eleganten Fliegern weniger. Hinter dem kleinen Urwald hält man sich links und am nächsten Weg rechts, um die erhöht stehende Beobachtungshütte anzusteuern. Der Altheimer Bahnstation nähert man sich nach kurzem Gang parallel zur Landstraße.

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