https://www.faz.net/-gzl-9x7hc

Der Wandertipp für Rhein-Main : Pilger auf dem Bildungsweg

  • -Aktualisiert am

Felsplatten weisen den Weg Bild: Thomas Klein

Der Spessart von seiner aussichtsreichsten Seite: Über eine spektakuläre Steintreppe führt die Tour auf die 520 Meter hohe Geishöhe. Der Wandertipp für Rhein-Main.

          3 Min.

          Der Spessart besitzt eine dichte Abfolge an Bergen, aber kaum einer ermöglicht Rundum-Panoramen – zu unauffällig sind die Kuppen im endlosen Waldesgrün, zu gleichmäßig wurde der vorherrschende Buntsandstein abgeschliffen. Mit einer Ausnahme. Die gut 500 Meter hohe Geishöhe über den Tälern von Elsava und Dammbach, einem Ort der Verwaltungsgemeinschaft Mespelbrunn, bietet, was die meisten im zentralen Spessart nicht haben – beste Aussichten. Um in ihren Genuss zu kommen, reichte der Bau eines gerade 13 Meter hohen Türmchens 1937. Doch auch die weite Hochfläche lässt tief blicken. Fast glaubt man sich in eine andere Zeit versetzt, so wenig zivilisatorische Einrichtungen – Bauwerke, Straßen oder Strommasten – treten ins Bild, selbst Windräder sind eine periphere Erscheinung. Nur der Berg weist einige Gebäude auf.

          Wie der Name nahelegt, nutzte man die Geishöhe mindestens seit 1714 zur Viehhaltung. Mögen auch kaum noch 100 Bauern und Holzarbeiter wie noch im 19. Jahrhundert den schwierigen Bedingungen trotzen, blieb das Plateau die höchstgelegene Spessart-Siedlung, angeführt von einem der Umgebung gemäßen Gasthof.

          Über 300 Höhenmeter ins Tal

          Die Weltabgeschiedenheit entband allerdings nicht von der Schulpflicht. Tag für Tag, rund 2000 Mal in einem Volksschulleben, mussten die Kinder über 300 Höhenmeter ins Tal ab- und wieder aufsteigen. Selbst das ist längst Geschichte, aber als „Erlebnispfad Alter Schulweg“ nicht vergessen. Er wurde, versehen mit Erläuterungen zu Flora und Fauna, natürlich lehrreich gestaltet, vor allem jedoch dem felsigen Terrain mittels Sandsteinplatten und -stufen wunderbar angepasst.

          Unterdessen hat der beschwerliche Bildungsweg als „Passionsweg“ eine weitere Sinnstiftung erhalten. Ergänzend zu den nur alle fünf Jahre stattfindenden Passionsspielen in Dammbach erinnern Kreuzwegstationen mit fotografischen Szenen der Aufführungen an den Leidensweg Christi.

          Start am „Neuhammer“

          Wanderstart ist an der Bushaltestelle „Neuhammer“ zwischen dem Eschauer Ortsteil Hobbach und dem zu Dammbach zählenden Wintersbach; dahinter auch ein großer Wanderparkplatz mit entsprechender Übersichtstafel. Davon pickt man den stilisierten Specht (grünblau) des Spessartfernwegs 2 heraus.

          Zuerst weist das Wappentier der Region ins Dammbachtal, um auf erhöhter Warte durch Streuobstwiesen zu geleiten. Noch vor den Häuserzeilen von Wintersbach setzt der Specht zum Rechtsflug über einen breit aufgewölbten Hang an. Damit beginnt das Steigen, dessen Dramaturgie freilich jede Anstrengung vergessen lässt. Sind wir am obersten Absatz der Viehweiden links in den Wald geschwenkt, wird keine 300 Meter später die Zufahrtsstraße der Geishöhe gequert.

          Drüben zeigt ein Schild den Beginn des vielstufigen „Alten Schulwegs“ an. Allerdings neigen seine unbefestigten Passagen nach längeren Nässeperioden zum Aufweichen. Ersatzweise lässt sich dem Sträßchen folgen und weiter oben in den wieder festeren Pfad einfädeln, wenn er in Höhe einer Schutzhütte abermals die Fahrbahn kreuzt. Der Felsgarten findet auch hier seine Fortsetzung, nur unterbrochen von einer kleinen Freifläche für das Golgatha-Kreuz mit Bildern der Dammbacher Passionsspiele.

          Die Kletterpartie endet erst an der Geishöhe, wo das Zeichen praktischerweise am gemütlichen, mit guter Karte aufwartenden Gasthof eintrifft. Ob vor oder nach der Einkehr, zu dem etwas entfernt stehenden Aussichtsturm unternimmt man über das baumlose Plateau einen kurzen Abstecher (bei schlechtem Wetter geschlossen).

          Ansonsten fliegt der „Wanderspecht“ nun ohne uns weiter, da der Abstieg dem roten Strich obliegt: einige Meter unterhalb der Gaststätte ist er links ab aufzunehmen. Sogleich sind wir von Buchen und Eichen umfangen beim zunächst ebenen Gang etwas im Schatten der langgestreckten Geishöhe. Erst nach gut einem Kilometer beginnt es zu Fallen, forciert vor und durch zwei Serpentinen.

          Jenseits der Linkskehre geht es gefälliger voran, bis der Wald aufreißt für eine offene Talung, in deren Mitte das von einem großen Rotwildgehege umgebene Wasser-Schlösschen Oberaulenbach steht. Die neugierigen Hirsche kommen so dicht an den Zaun, dass 20 und mehr Geweihspitzen zu zählen sind.

          Schwungvolle Kurven

          Das lange Bergab endet an den wenigen Häuser Unteraulenbachs, das mit dem Asphaltweg über zwei schwungvolle Kurven rechts hinaus zurückbleibt – und damit auch der rote Strich. Ihn ersetzt ein Spessart-Kulturpfad (gelbes Schiffchen auf blauem Grund). Der Hangweg am Rande der Elsava bringt rasch Hobbach näher. Nach einem Stück durch neuere Bebauung biegen wir vor der barocken Pfarrkirche mit Altarbildern des bekannten Genremalers Johann Heinrich Seekatz – ohne den Kulturweg – links und gleich rechts auf den breiten Damm ab. Seine schnurgerade Linienführung verrät die einstige Trasse der bis 1978 verkehrenden Elsavatalbahn.

          Zum Ausklang kommt man am Landschulheim der Stadt Aschaffenburg vorbei, dem einstigen Herrenhaus der Betreiber eisenverarbeitender Hütten wie dem Neuhammer, unserem Start- und Endpunkt.

          Der Weg zum Ziel und das leibliche Wohl

          Anfahrt:

          Über die A 3 bis Anschlussstelle Weibersbrunn, Richtung Heimbuchenthal oder AS Rohrbrunn, Richtung Dammbach; von Westen über Aschaffenburg die B 469 bis Obernburg, weiter Richtung Eschau. Busverbindung ab Aschaffenburg mit Linie 40.

          Sehenswertes:

          Die Geschichte des Schullandheims in Eschau-Hobbach an der Bayernstraße ist durchaus bemerkenswert. Denn das dreistöckiges Herrenhaus wurde von der Unternehmerfamilie Rexroth erbaut. Sie hatten 1795 den Höllenhamer, eine wasserbetriebene Hammerschmiede gekauft. Sie wurde zu Keimzelle des heute zu Bosch gehörenden Unternehmens.

          Einkehren:

          Der Gasthof „Geishöhe“, Geishöhe 5 in Dammbach, ist bis Ende März freitags bis sonntags geöffnet, danach ist bis Ende November nur montags Ruhetag. Das Gasthaus bietet deftige Küche und Hausmacher Wurst und Schinken vom Schwein und vom Rind.

           

          Weitere Themen

          Beuth setzt Sonderermittler nach Drohschreiben ein

          Fall Wissler : Beuth setzt Sonderermittler nach Drohschreiben ein

          Drohschreiben mit der Unterschrift „NSU 2.0“, wie sie die Linken-Politikerin Janine Wissler erhalten hat, haben Konsequenzen. Innenminister Peter Beuth (CDU) will einen Sonderermittler einsetzen. Und rügt die Polizei.

          Topmeldungen

          Joe Kaeser bei der virtuellen Siemens-Hauptversammlung am 9. Juli

          Abspaltung von Siemens Energy : „Joe Kaeser hat nichts gelernt“

          Die größte Transformation der Siemens-Geschichte ist fast einmütig abgesegnet worden. Der Börsengang der Energiesparte dürfte das Ereignis des Jahres am deutschen Aktienmarkt werden. Fridays for Future sieht ein „fossiles Geschäftsmodell“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.