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Wandertipp für Rhein-Main : Canossagang und Lutherweg

  • -Aktualisiert am

Auf den Fundamenten einer bedeutenden Königspfalz steht die 1750 zu einem Saalbau umgestaltete Laurentiuskirche von Trebur. Von hier nahm 1076 der „Gang nach Canossa“ seinen Ausgang Bild: Thomas Klein

Ein kleiner Ort und zwei große Namen: Wo der „Gang nach Canossa“ von Kaiser Heinrich IV. seinen Ausgang nahm, kam Luther auf dem Weg nach Worms vielleicht vorbei.

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          Lang und ungewiss war der Weg, den Martin Luther im April 1521 von Wittenberg nach Worms ging, um vor Kaiser und Reich zu bestehen. Der genaue Weg ließ sich nur näherungsweise ermitteln, was unter wirkungsgeschichtlichen und touristischen Vorzeichen von Nutzen war, als mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 Tausende Kilometer „Lutherwege“ entstanden.

          Dazu gehört der Abschnitt zum Wormser Reichstag. Dass der Pfad das hessische Ried und damit die Gemeinde Trebur berührt, dürfte weniger historische, als kulturhistorische Gründe haben. Dort nämlich steht Luther in Lebensgröße, freilich nicht wie üblich in Bronze gegossen oder in Stein gemeißelt, sondern aus Holz geschlagen vom Frankfurter Bilderhauer Johann Daniel Schnorr 1752.

          Tatsächlich ist dieser Luther von Material, Zeitpunkt, Standort und Sujet her einzigartig. Visionär zeigt er auf einem Podest in der Laurentiuskirche in die Ferne, doch das Gesicht erinnert an Barockengel – pausbäckig, Stirnlocken und mit einem Anflug von Lächeln. Auch dass ihm erst- und einmalig bei einer vollplastischen Darstellung sein Attribut, der Schwan, mitgegeben wurde, entspringt dem damals beliebten Tiersujet.

          Generalüberholung zum Lutherjahr

          Wohl nicht zufällig entstand die Arbeit zum Abschluss des Umbaus der Kirche durch den Darmstädter Pfarrer und Architekten Johannes Conrad Lichtenberg zu einem Saalbau, keinem Geringeren als dem Vater von Georg Christoph Lichtenberg. In ihrer barocken Substanz blieb die Kirche vollständig erhalten; seit der Generalüberholung zum Lutherjahr 2017 authentischer und schöner denn je.

          Fein wurde auch das Mauerwerk der bis in die Karolingerzeit reichenden Vorgängerkirche herausgeputzt und nach außen sichtbar gemacht. An ihren ursprünglichen Standort inmitten einer der wichtigsten Königspfalzen des Früh- und Hochmittelalters erinnert nurmehr eine Bronzetafel am vorgelagerten Mauertor. Zentral thront da Kaiser Heinrich IV., der wie kaum ein anderer schicksalhaft mit „Tribur“ verbunden ist. Am Ort seiner Heirat machte er die demütigste Erfahrung eines „deutschen“ Regenten, als ihn, den Gebannten, die abtrünnige Fürstenpartei im Oktober 1076 zum Kotau vor dem Papst auf der oberitalienischen Burg Canossa zwang.

          Ob Heinrichs Los in den Sternen stand, wird auch nicht der in einer „Astronomie Stiftung“ engagierte Kreis professioneller und privater Himmelsbeobachter beantworten können. Ein gewisser aufklärerischer Impetus treibt sie zweifellos, mit Führungen und Vorträgen das Universum naturwissenschaftlich und weniger metaphysisch zu betrachten. Dennoch dürfte man sich schwerlich einem Gefühl der Überwältigung erwehren, darf bei öffentlichen Terminen durch das hauseigene, äußerst lichtstarke 1-Meter-Teleskop geblickt werden (aktuell geschlossen).

          Plastisch ergänzt die Treburer Astrowelt ein Planetenweg vor den Toren der Riedgemeinde. Entsprechend 3,1Milliarden Kilometern führt er gut zwei Kilometer durch die offene Landschaft.

          Hier geht es lang

          Wahlweise lässt sich von der Laurentiuskirche oder dem Planetenweg starten. An beiden liegen Parkplätze. Bei Beginn am Gotteshaus kommt man durch die teils von Hofreiten und giebelständigen Häusern gesäumte Straße Obere Pforte, Wilhelm-Leuschner-Platz, Astheimer und Rüsselsheimer Straße.

          Dort, ausgangs der Bebauung, wird für den Sternenpfad eine Stellfläche vor dem Supermarkt freigehalten (Busnutzer entsteigen an der Station Astheimer Straße). Hier reihen sich die vier inneren Gesteinsplaneten zwischen Mars und Merkur, bevor es jenseits des Verkehrskreisels mit der „Sonne“ obenauf ins All hinausgeht. Links der Landstraße stehen die etwas in die Jahre gekommenen Erläuterungstafeln. Erste Station ist nach exakt 237 Metern der von den lokalen Astronomen 2002 entdeckte Asteroid „Trebur“.

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