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Der Wandertipp : Als Grenzgänger unterwegs

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Über das gesamte „Freigericht“ reicht die Aussicht bis Vogelsberg und Taunus. Bild: Thomas Klein

Ein Aussichtsturm oberhalb des Freigerichter Ortsteils Neuses bietet im Vorspessart den besten Blick über das Grenzgebiet von Hessen und Bayern.

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          Der Spessart besitzt viel, was den Wanderer erfreut: geschlossene Wälder, stille Täler, naturnahe Gewässer. Nur eines fehlt – markante, freie Sicht ermöglichende Gipfel. Selbst Kennern des Mittelgebirges dürften drei der höchsten Erhebungen, Hermannskoppe, Lärchhöhe oder Querberg, wenig bedeuten, zu unauffällig sind selbst ihre mehr als 550 Meter hohen Kuppen im endlosen Baumgewoge, zu gleichmäßig wurde der vorherrschende Sandstein abgeschliffen.

          Lediglich an der nordwestlichen Peripherie, wo sich das Panorama zur Rhein-Main-Ebene weitet, sieht es besser aus, und noch besser, wenn eine Sehhilfe in Gestalt von Türmen den Überblick steigert. Neben dem 1880 errichteten Ludwigsturm am Hahnenkamm bei Alzenau gibt es da mit dem Leichtmetallgerüst am Rodfeld oberhalb des Freigerichter Ortsteils Neuses seit dem Jahr 2000 einen weiteren aussichtsreichen Kandidaten.

          Deckt der Ludwigsturm den Südwesten vom Untermain über Odenwald und Taunus ab, schließt der „Fernblick Freigerichter Bucht“, wie er offiziell heißt, den Halbbogen bis Wetterau und Vogelsberg. Der Turm sollte die doppelte Millenniumfeier – parallel zur kalendarischen beging Neuses sein tausendjähriges Bestehen – symbolträchtig überhöhen. Dass die Region auch selbst besser wahrgenommen würde, war durchaus mit bedacht. Noch immer liegt das „Freigericht“ etwas abseits der allgemeinen Aufmerksamkeit, da nicht im Kerngebiet des Spessarts angesiedelt oder aus der Mainebene erkennbar.

          Katholische Gemeinden im protestantischen Umfeld

          Dazu ist der Raum verwaltungstechnisch geteilt. Jene Gemeinden, die ursprünglich eine Markgenossenschaft „Freigericht Willmundsheim vor der Hart“ bildeten, wurden 1748 entlang der historischen Birkenhainer Straße – der heute ein Wanderweg folgt – durch einen Vertrag zwischen Kurmainz und der Landgrafschaft Hessen-Kassel auseinandergerissen. Das Centgericht Somborn – Altenmittlau, Bernbach, Horbach, Neuses und Somborn – kam zu Hessen, während das Erzbistum und damit 1816 Bayern die Centgerichte Alzenau, Hörstein und Mömbris erhielt.

          Dichte Wälder sind typisch für den Spessart.
          Dichte Wälder sind typisch für den Spessart. : Bild: dpa

          Nur konfessionell ist man ungeteilt. Die langen Verhandlungen endeten damals mit dem Kompromiss, die kirchliche Jurisdiktion durch Mainz beizubehalten. So blieben die 1970 unter dem Namen Freigericht vereinten fünf hessischen Gemeinden in einem rein protestantischen Umfeld katholisch. Zu ersehen ist das nicht nur an Bildstöcken und Kreuzen oder der Mariengrotte im Näßlichsgrund bei Horbach. Hier setzten nach Lage und Größe auch die Kirchen unübersehbare Glaubenszeichen.

          Keine der Ortschaften, die nicht die reichsweite Welle der Kirchenneubauten um 1900 mit bemerkenswerten Gotteshäusern bereicherten. Als sollte den großen Stilpochen Anschauung verliehen werden, entschied sich Bernbach für die Romanik, Somborn, Altenmittlau und Neuses favorisierten die Gotik und Horbach wählte das Barock. Das Langhaus von St. Michael geriet zwar etwas schlicht, die Ausstattung und der Turm mit seiner Zwiebelhaube könnten hingegen einen Originalbau zieren.

          Wegbeschreibung

          Anders als in den übrigen Ortsteilen Freigerichts steht in Horbach noch der Vorgängerbau der neobarocken Kirche St. Michael, eine bis ins 13. Jahrhundert reichende Kapelle. Dort in der Dorfstraße liegt auch ein kleiner Parkplatz und wenige Schritte entfernt die Bushaltestelle. An dem jüngst restaurierten Kirchlein führt die Auftaktmarkierung, ein Spessart-Kulturweg, vorbei.

          Dessen blaues Emblem biegt mit dem Alten Weg rechts ab und steigt an der nahen Gabelung in der Straße Am Nordhang rechts durch zwei Serpentinen eine Etage höher, dann links Am Junkernberg und schließlich rechts (Haselweg) hinaus. Nach kurzer Partie zwischen Feld- und Baumrand geht es im Wald ebenen Weges zur Mariengrotte. Wie zahlreiche Votivtafeln bezeugen, wandelte sich die aus Dankbarkeit für das Überleben nach 1945 unter großen Entbehrungen geschaffene Andachtsstätte in einen kleinen Wallfahrtsort. 

          Über den Treppenabgang verlassen wir den Sakralbereich und wenden uns links mit dem roten Doppelstrich in den Wiesengrund des Näßlichbaches. Der erstaunt mit einer wildromantischen Szenerie gurgelnder Mäander zwischen Erlen und Eschen, die nun auch nach dem Umstürzen liegenbleiben. Fürs Abkürzen wechselt man in Obhut der Zeichen X und Schmetterling (beide rot) über das 700 Meter später auftauchende Holzbrückchen und läuft am Rande eines bewaldeten Einschnitts direkt nach Geiselbach hinauf; oben kurz neben der Straße bis zum schwarzen B, und damit rechts.

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