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Wandertipp : Ein Meer aus Felsen

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Weniger bekannt, aber nicht minder beeindruckend wie das berühmte Granit-Felsenmeer ist sein Pendant aus Sandstein bei Erbach im Odenwald. Bild: Thomas Klein

Es gibt nicht nur ein Felsenmeer im Odenwald – dem berühmten aus Granit steht bei Erbach ein kaum weniger beeindruckendes aus Sandstein gegenüber.

          4 Min.

          Quer durch den Odenwald verläuft eine Grenze – erdgeschichtlich betrachtet. Was einheitlich wirkt und von Main, Neckar und Rhein topographisch begrenzt ist, stellt sich dem Geologen als außergewöhnliche Zweiteilung dar. Während im Westen vor allem eiszeitliche Erosionsprozesse die bis zu 500 Millionen Jahre alten Granite oder Diorite freilegten und, wie am berühmten Felsenmeer nahe Reichenbach, aufsprengten, blieb die jüngere Buntsandsteindecke im östlichen Teil des Mittelgebirges weitgehend geschlossen. Mit einer schönen Ausnahme.

          Eine gleichfalls „Felsenmeer“ getaufte Ansammlung des farbenfrohen Gesteins liegt etwas versteckt oberhalb der kleinen Gemeinde Ebersberg südlich von Erbach. Bei 17 Hektar erreicht dieses Geotop nicht die Ausdehnung seines berühmten Namensvetters, besitzt aber durch die Hanglage einen kaum weniger dramatischen Aufbau. Mit jedem Schritt hinan scheinen auch die Felsen in die Höhe zu wachsen, bis sie oben zu mächtigen Blöcken zusammenrücken. Ihre waben- und gitterartigen Strukturen, wie man sie von den Burgen und Felsen der Pfalz kennt, lassen mehr an das Werk eines Bildhauers denken als an natürliche Prozesse.

          Was dem Sandstein auf lange Sicht schadet, macht ihn zu einem begehrten Werkstoff. Vom Aschaffenburger Schloss bis zu den Domen von Frankfurt und Mainz verleiht das gut zu bearbeitende Gestein aus Odenwald und Spessart einen warmen, einladenden Ton. Und selbst technische Bauten veredeln die vor 250 Millionen Jahren verpressten Sedimente. Rund 16400 Kubikmeter Buntsandstein fanden für die bedeutendste Bogenbrücke Hessens, das 1881 errichtete Himbächel-Viadukt, Verwendung.

          Zehn bis 43 Meter hohe Bögen überspannen den kleinen Nebenfluss der Mümling auf 250 Meter Länge. Die unberechenbaren Gewässer erzwangen eine Streckenführung über Hangtrassen und Brücken und erforderten Bergdurchstiche wie unter dem Krähberg bei Hetzbach, dem mit drei Kilometer längsten eingleisigen Tunnel Deutschlands.

          Schon 1860 geplant, dauerte es mehr als zwei Jahrzehnte, ehe auch der letzte Abschnitt in dem schwierigen Terrain beendet war. Ergänzt um den späteren Marbach-Stausee konnte kein Hochwasser je die Bahnstrecke gefährden, und ein Unterspülen des Viadukts dürfte durch Gründung der Bruchsteinpfeiler auf Granit auszuschließen sein. Im Stil der Zeit kam die Ästhetik freilich nicht zu kurz. Dank der hellen Sandstein-Verblendung ist es auch optisch ein Gewinn.

          Wegbeschreibung

          Der Bahnhof von Hetzbach liegt auf erhöhter Warte über dem Ort, davor viel Parkraum. Mit einem Zubringer des Nibelungensteigs, grünes N, läuft man das wenig befahrene Sträßchen hinab zum Mündungsbereich des Himbächels in die Mümling – respektheischend durch das mächtige Viadukt markiert. Vom kleinen Parkplatz unterhalb lässt sich ebenfalls starten. Vor der Brücke übergibt der Zubringer an das rote N des Nibelungen-Hauptweges. Nach wenigen Metern unterquert er die Brücke und gewinnt am Rand der weit ausschwingenden Talung an Höhe, ehe er in den Wald abschwenkt, der uns nicht mehr so schnell freigibt. Auch die Aufwärtsbewegung wird lange fortgesetzt, ohne dass es bis zum Felsenmeer, ungeachtet von zwei kurzen Strecken, zu steil würde.

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