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Wandertipp : Im fröhlichen Weinberg

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Kronengleich erhebt sich die barocke Pfarrkirche St. Gereon über dem rheinhessischen Nackenheim. Das Langhaus wurde 1731 errichtet, ihre himmelstrebende Gestalt erhielt sie aber erst unter neobarocken Vorzeichen zu Beginn des 20. Jahrhunderts: die Erweiterung nach Westen – abzulesen an den volutengeschmückten Giebeln - schloss 1911 der Turmbau ab. Bild: Thomas Klein

Ortsjubiläum und Carl Zuckmayers Geburtstag werden in Rheinhessen gefeiert. Ein „Fest“ für sich sind die aussichtsreichen Weinbergsterrassen.

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          Eine Schule, ein Platz, eine Halle, eine Straße und nicht zu vergessen ein Wein – sie alle tragen im rheinhessischen Nackenheim den Namen Carl Zuckmayers. Fehlte noch die offizielle Benennung der Gemeinde nach dem dort 1896 geborenen Dramatiker. Doch da führt man lieber „Im fröhlichen Weinberg“ als Zusatz. Das kommt der Eigenwahrnehmung und Lokalität im größten Anbaugebiet Deutschlands näher. Auch 45 Jahre nach seinem Tod gehört er zu den meistgespielten Autoren, und der Würdigungen konnten es dann gar nicht genug sein – von Nackenheim, das ihm die Ehrenbürgerschaft antrug (1952), bis zum Land Rheinland-Pfalz, das seinen Literaturpreis im Namen Zuckmayers vergibt.

          Natürlich erinnert Nackenheim zu jedem „runden“ Geburtstag mit Sonderveranstaltungen an seinen großen Sohn. Nur der 125. musste coronabedingt ausfallen. Da traf es sich gut, das Gedenken mit den diesjährigen Feiern zum 1250. Gründungstag der Gemeinde nachholen zu können. Mit der traditionellen „Kerb“ bei „Weck, Woi und Worscht“ auf dem Carl-Zuckmayer-Platz endet an diesem Wochenende der Festreigen – und das unter den Augen des Dichters. Am dortigen Fachwerk-Rathaus fand 1982 eine ihm gewidmete Büste Aufstellung.

          Das Gebäude von 1751 ist eines der älteren. Die Lage am Rhein war Segen und Fluch zugleich. Die Wohlhabenheit durch Wein und Handel weckte Begehrlichkeiten. Mehrfach wurde Nackenheim bis auf die Grundmauern zerstört. Sinnfällig steht dafür die Pfarrkirche St. Gereon. Wie zum Triumph thront sie weithin sichtbar über dem Ort. Schon im siebten Jahrhundert errichtete das damals hier begüterte Bistum Köln eine dem heiligen Gereon geweihte Kirche. Am Kölner Stadtpatron hielt später das Erzbistum Mainz fest, das den heutigen Barockbau initiierte und reich ausstattete. Den Schlusspunkt setzte die Gemeinde: Die Giebel der Westseite und der Turm kamen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinzu.

          Wegbeschreibung

          Dank des Rheinterrassenwegs zwischen Worms und Mainz können durch sein verästeltes Zubringersystem weiter führende Schleifen geknüpft werden. So von Nackenheim in das offene Agrarland, das den rheinseitigen Aussichtskranz in westliche Richtung schließt. Durch die vorgegebene Nutzung von Wirtschaftswegen sind längere Asphaltabschnitte allerdings nicht zu vermeiden. Schon am Bahnhof steht ein Zubringer des Terrassenwegs bereit. Zur Unterscheidung seines Symbols in Grün und Blau ist dieser gelb. Er weist über den Parkplatz und dann durch Mainzer Straße und Langgasse (hier eine weitere Stellfläche) in den älteren Teil zum Anschluss an den Hauptweg. Hinter dem rot gestrichenen Museumsgebäude erklimmt er die Treppe zur Gereonskirche.

          Vorbei am Friedhof, findet die Markierung links und vor dem Weingut 400 Meter weiter rechts in die Wingerte. Autofahrer können auch dort, einige Schritte unterhalb an der Carl-Zuckmayer-Halle, parken. Trotz dreifachen Abbiegens führt die Route gut durch die üppig mit Trauben behängten Rebzeilen. Hat sich der Terrassenweg über 700 Meter geradeaus eingependelt, wird nicht mehr seiner Rechtswendung gen Bodenheim gefolgt, sondern links dem jetzt auftretenden Eichelsbachtalweg. Man nutzt ihn für die Passage über den Weiler Teuerborn jenseits der Landstraße hinaus leicht fallend zum Namensgeber. Unten, vom Linksknick nach Nackenheim, ist seine Aufgabe erfüllt. Fortan darf man sich wieder dem Rheinterrassenweg in der gelben Ausfertigung anvertrauen.

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