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Wandertipp : Die größte Burg will gesehen sein

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Burg Herzberg: Dem Machtanspruch der hessischen Landgrafen entsprach die Kraft der Mauern. Bild: Thomas Klein

Burg Herzberg ist Hessens bedeutendste Höhenfestung. Die Attraktion im nördlichen Vogelsberg entzieht sich den Blicken, bietet aber selbst beste Aussichten.

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          Burgen gibt es viele in Hessen, eine freilich überragt sie alle nach Lage und in ihrer Bedeutung für den Festungsbau. Dennoch dürfte Burg Herzberg zu den unbekannteren gehören. Trotz ihrer Höhe auf dem „Berg der Hirzen“, dem Hirschberg, entzieht sie sich in den dichten Wäldern zwischen Knüll und Vogelsberg den Blicken. Wogegen sie umgekehrt, fast in der Landesmitte thronend, ein großartiges Panorama vom Hohen Meißner über Rhön und Thüringer Wald bis zum Taunus ermöglicht.

          Die flache Bauweise tut ein Übriges, die Feste zu übersehen. Der Vorposten der hessischen Landgrafen an der strategisch wichtigen Ost-West-Straße „Durch die kurzen Hessen“ zeichnet sich durch mächtige, vorspringende Geschütztürme aus, auf die man trifft, nachdem man in die trapezförmige Anlage hineingefunden hat. Vom Festungsbaumeister Hans Jacob von Ettlingen errichtet, überdauerte von ihrer minarettartigen Silhouette nichts; die fotogen den Rundbastionen aufsitzenden hölzernen Bauten sind jüngeren Datums. Aus dem 13. Jahrhundert blieben der Stumpf des Bergfrieds und die romanische, später mehrfach veränderte Kapelle als kunsthistorisch bedeutsamstes Gebäude. Sie birgt unter anderem 140 Wappen von 42 Familien, allen voran den Freiherren von Dörnberg. Seit der Belehnung 1477 gehört diesem Geschlecht, das über Jahrhunderte als Berater und hohe Militärs den hessischen Landgrafen diente, Burg Herzberg. Heute in Gestalt einer Stiftung, trägt es auch den Löwenanteil der sukzessiven Restaurierungen, aktuell der Eingangspforte.

          Wegbeschreibung

          Autofahrer können durch eine prächtige Linden- und Kastanienallee direkt an Burg Herzberg heranfahren. Das Innere betritt man über eine steinerne Brücke.

          Natürlich berühren zahlreiche Wanderrouten die Burg. Jüngst kam der Lutherweg hinzu. Dem grünen Fraktur-L des Fernweges folgt man bis Grebenau und ignoriert die übrigen Zeichen, abgesehen vom weißen Dreieck, das später wegweisend wird. Beide Markierungen begleiten zunächst die Zufahrt abwärts und verlassen sie hinter der Rechtskurve nach links ins Unterholz. Im weiteren Verlauf durch den dichten Forst beschreibt das Duo mehrere Kurven und Richtungsänderungen, wobei eher ein L zu viel als zu wenig angebracht wurde.

          Nach Queren des Biebenbachs weicht das L von den anderen Zeichen ab, um deren kurzes Stück neben der Landstraße zu vermeiden. Es führt im Bogen vor Mast- und Lackierbetrieben – da ist die Fahrbahn vielleicht die bessere Variante. Vor Grebenau laufen die Markierungen wieder zusammen und führen am Friedhof entlang in den sehenswerten Ort.

          Neben Fachwerkhäusern und der sechseckigen Barockkirche sind auch Gebäude einer Johanniter-Komturei erhalten, in denen heute die Gemeindeverwaltung sitzt. Ein Schlenker von der Straße Marktplatz weist hinüber, so man nicht gleich an der Bahnhofstraße weitergeht. Vom früheren Kloster erreicht man diese durch die Jahnstraße. Fortan gilt allein das weiße Dreieck mit dem Zusatz 38, genauer betrachtet ist es ein diagonal geteiltes Quadrat. Im Gefolge eines regulären Dreiecks besteht die Möglichkeit zum Verkürzen, indem man vom Langwiesenweg – immer nahe einer zugewachsenen früheren Bahntrasse – durch das Jossatal bis vor Hatterode läuft. Ansonsten lässt man Grebenau an der Schlitzer Straße zurück, geht außerhalb nach links, vorbei am Sportgelände und weiter zu einem Teich im Schwarzenbacher Grund. Auf eigene Verantwortung darf in dem Gewässer geschwommen werden.

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