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Der Wandertipp : Heilsame Folgen auch für die Natur

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Mit dem bis 1833 errichteten „Kursaal“ veredelte der bayerische König Ludwig I. sein favorisiertes Bad, das heutige Staatsbad Brückenau in der Rhön. Der an der italienischen Renaissance angelehnte Bau – genau 60 Meter lang, 40 breit und 20 hoch – von Johann Gutensohn wird bis heute für Veranstaltungen genutzt. Bild: Thomas Klein

Die Weitsicht von Fürstbischöfen und Königen ließ seit 1747 ein stilvolles Bad in der südwestlichen Rhön entstehen. Selbst Biber fühlen sich dort wohl.

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          Keine zwei Jahre dauerte es, da benannte eine „Kurtze Beschreibung“ die Vorzüge einer im Sinntal entdeckten Quelle als „Gesundheits Brunnen“, attestiert vom Leibarzt des Fürstabtes von Kloster Fulda, Amand von Buseck. Die beiden hatten gleich erkannt, dass in dem Wässerchen, auf dessen eigenartigen Geschmack ein Hirte aufmerksam gemacht hatte, ein besonderes Potenzial steckte – für Heilwesen und Gesundung der klösterlichen Finanzen.

          Die Entdeckung der bis heute genutzten Stahlquelle am Sommersitz der Äbte vor 275 Jahren gilt als Geburtsstunde des Staatsbades Brückenau im Südwesten der Rhön. Trotz baldiger Erhebung zum Fürstbistum zielten Werbeschriften und der rasch in Angriff genommene Ausbau als Kurort auf eine betuchte Klientel. Anfangs verabreichte man in Privatunterkünften die Anwendungen, ehe unter Busecks Nachfolger Fürstbischof Heinrich von Bibra Badehäuser entstanden, eingebunden in eine von Andrea Gallasini geplante Parkanlage.

          Parkachsen und spiegelbildlich angeordnete Gebäude

          Die gedeihliche Entwicklung beendeten die Wirren seit dem späten 18. Jahrhundert, in denen dann auch das Kloster Fulda nach gut 1050 Jahren seines Bestehens unterging. Dank eines der Erben, dem zum Königreich aufgestiegenen Bayern, erfuhr Brückenau eine unvermutete Renaissance. Das gewiss auch buchstäblich, da sich der nachmalige Regent Ludwig I. geradezu in das Kleinod im fernsten Winkel seiner Herrschaft verliebte.

          Ganz selbstlos mag die Huld von insgesamt 26 Aufenthalten freilich nicht gewesen sein. Wie bei anderen erst nach 1815 an Bayern gefallenen Sprengeln ließ er durch Anwesenheit und Bautätigkeit signalisieren, wer nun Hausherr war, ohne gebieterisch aufzutreten. Unter Berücksichtigung der von den Fürstbischöfen geschaffenen Parkachsen und der spiegelbildlich angeordneten Gebäude fügte Ludwig insbesondere mit dem klassizistischen Kursaal – angelehnt an die italienische Renaissance – eine stilvolle Note hinzu.

          Selbst beim Landschaftsbild respektierte der feinsinnige Monarch die Gegebenheiten, indem er Laubgehölze nicht einem modischen Zug gehorchend durch Nadelbäume ersetzte. Stattdessen verfügte er ein „Fällverbot“ und ließ die Wälder mit „naturnahen“ Wegen erschließen.

          Seither ist der 660 Meter hohe, von einem Aussichtsturm gekrönte Dreistelzkopf zugänglich, heute als „Kernzone“ des Biosphärenreservats Rhön streng geschützt. Außerdem wurde die Sinn über weite Strecken renaturiert, wonach auch jenes Tier zurückfand, das Fürstbischof Heinrich von Bibra im Namen führte – der Biber.

          Wegbeschreibung

          Seit Bad Brückenau vom Schienennetz abgehängt wurde, ist es mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen. Parknöte gibt es in dem weitläufigen Kurviertel dagegen keine. Kostenfreie Stellflächen am Kursaal oder unterhalb des Fürstenhofs stehen auch Tagesgästen offen. Hier, an der nördlichen Seite, kann die Tour beginnen; sie wurde so angelegt, dass man zum Finale durch das historische Quartier wandelt.

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