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Wandertipp : Am nordöstlichen Ende des Imperium Romanum

  • -Aktualisiert am

Attraktion am Wegesrand: Der Limesturm am nördlichsten Punkt des römischen Imperiums bei Pohlheim-Grüningen. Bild: Thomas Klein

Immer am Wall entlang: Unübersehbar markiert durch Limes, Wachtturm und Kastell führt der Wandertipp durchs Unesco-Welterbe an den Rand der Wetterau.

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          Die Anerkennung des Limes als Unesco-Welterbe vor 15 Jahren gab vielerorts den Anstoß zu konservatorischen und touristischen Aktivitäten, das größte Bodendenkmal Deutschlands angemessen zu würdigen. Vor allem die am besten erhaltenen Abschnitte im Hochtaunus sind seither durch Erlebnispfade erschlossen und Kastellruinen wie die Kapersburg oder am Kleinen Feldberg in regelrechte Landschaftsparks verwandelt.

          Diese Anstrengungen endeten allerdings mit Übergang zur Wetterau, was fälschlich den Eindruck erwecken konnte, in dem offeneren Gelände sei der römische Grenzwall eingeebnet. Gewiss sind dort Pflug und Unvernunft stärker gewesen als im unzugänglichen Mittelgebirge. Sehr gut ist der Limes beispielsweise aber noch in den Wäldern bei Pohlheim sichtbar; bereichert um Rekonstruktionen eines Wachtturms sowie den Grundmauern des Kleinkastells im Holzheimer Unterwald.

          Für beide Nachbildungen musste nicht erst der Unesco-Ehrentitel herhalten. Der Turm wurde schon 1967 an beziehungsreicher Stelle errichtet, dem nordöstlichsten Punkt am 550 Kilometer langen Limes; damals allerdings nicht ganz korrekt. Bewusst belässt man jedoch das dunkel dräuende Basaltmauerwerk der zwei Stockwerke – anstatt der vorherrschenden drei mit aufgemalter Scheinmauerung – als „wichtiges Zeugnis aus der Frühzeit archäologischer Rekonstruktion“, wie es heißt.

          Wuchtiges Mauerwerk

          Der per Leiter ersteigbare hölzerne Umgang ist hoch genug, um nachzuempfinden, warum die Römer dort den Limes entlangführten. Von diesem Abschnitt hatten sie nicht nur das Gießener Becken und die anfangs aufrührerischen Chatten im Blick, vor allem sicherten sie die „Kornkammer“ der Wetterau, für die das Imperium eigens einen aufwändigen, mit großen Militärlagern geschützten Bogen schlug. Noch heute prägt der landschaftliche Bruch das Bild. Waldreich und bergig nördlich davon, während sich nach Süden die so fruchtbare Region öffnet.

          Entsprechend blieb sie begehrt, für die hier stellvertretend die in Sichtweite liegende Burg Münzenberg und die quadratische Tiefburg von Grüningen genannt seien. Jetzt inmitten der Bebauung, ist diese weniger augenfällig wie die doppeltürmige Münzenberg, gleichwohl beeindruckt auch ihr wuchtiges Mauerwerk seit der jahrzehntelangen, ehrenamtlich geleisteten Restaurierung.

          Wegbeschreibung

          Als Ausgangspunkt für einen Gang gewissermaßen ans Ende des römischen Imperiums eignet sich gut das sehenswerte Grüningen. „Grenznah“ hält dort der Bus und zudem gibt es Parkmöglichkeiten; entweder an der Taunus- und der anschließenden Steinberger Straße oder auf der Stellfläche neben der Mehrzweckhalle in der Schulstraße - benachbart ein bemerkenswert großes Schulgebäude im Jugendstil.

          Leicht hinan wird der Steinberger Straße zum Ortsausgang gefolgt. Für den direkten Weiterweg lässt sich der Fuß-/Radstreifen neben der Landstraße nutzen. Um dem Geräuschpegel zu entgehen können wir auch etwas ausholen. Dann rechts vor dem Sportplatz in den Paul-Hutten-Ring und nach 300 Metern links (Langgasse) ins freie Feld.

          Mit Sicht zum markanten Dünsberg geht es etwa 600 Meter geradeaus zwischen Wiesen und Feldern voran, bis man kurz nach dem halb verfallenen Schuppen links einbiegt und über vergrastem Weg auf das Gehöft in der Senke zusteuert; davor rechts und dahinter gleich links. Das groß angeschriebene „Limeshof“ verweist auf die Nähe zum römischen Grenzwall, wenn er auch mehr zu erahnen denn zu erkennen ist.

          Nach Queren der Landstraße deutet ein Grünzug den Verlauf an, außerdem tritt nun das schwarze Türmchen des Limes-Wanderwegs in Aktion. Über holpriges Geläuf begleitet es den Anstieg zum rekonstruierten Römerturm. Überraschen mag der Standort. Ein Hang verhindert den freien Blick gen Norden. Wichtiger war wohl die Scharnierfunktion für den östlich abknickenden Limes.

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