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Der Wandertipp : Wo einst die Römer badeten

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Würzberg im Odenwald: Das wiedererstandene Bad des römischen Kastells. Bild: Thomas Klein

Selbst in den einsamen Tiefen des Odenwalds statteten die Römer ihre Kastelle mit Thermen aus. Sehr gut ist jene in Würzberger in 500 Meter Höhe erhalten.

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          Wohl dem, der in diesen Tagen erfrischendes Nass in seiner Nähe weiß. Nicht überall gibt es Schwimmbäder und noch seltener Seen. Da hatten es die Römer besser. Selbst am äußersten Rand ihres Imperiums mussten sie nur selten der gewohnten Badekultur entsagen. Jeder Garnisonsort und auch das kleinste Kastell verfügte über eine Therme. Schwimmhallen waren das natürlich nicht, und es stand auch eher der gesundheitsfördernde Aspekt wechselwarmer Bäder im Vordergrund. Doch kaum zu unterschätzen war die gesellschaftliche Funktion der Thermen. Vor allem hoben die teils riesigen städtischen Anlagen Standesunterschiede und Herkunft wenigstens zeitweilig auf. So war es nur folgerichtig, die Militärlager für den Zusammenhalt der heterogenen Truppen entsprechend auszustatten.

          Sicherlich wollte man mit solch Errungenschaften der römischen Zivilisation auch den „Barbaren“ jenseits der Grenzen imponieren. Zumindest im Odenwald dürfte das von nachrangiger Bedeutung gewesen sein. Als der Limes vom Main bei Obernburg in das Landesinnere gezogen wurde, war niemand in den menschenleeren Urwäldern zu beeindrucken. Die Gefahr eines Angriffs galt als derart gering, dass man auf palisadenbewehrte Gräben zwischen den Kastellen und Türmen verzichten konnte.

          Doch nicht auf die Bäder. Auf der noch heute dünn besiedelten Hochebene östlich von Erbach und Michelstadt hat sich die Anlage des Kastells für etwa 150 Mann nahe dem Michelstädter Stadtteil Würzberg nachgerade exemplarisch erhalten, genauer, sie wurde dank des antikenbegeisterten Franz I. Graf zu Erbach-Erbach (1754 bis 1823) schon früh untersucht und geschützt. Allerdings wurden dem romantischen Zeitgeist folgend bei der Ausstattung des durch Friedrich Ludwig von Sckell angelegten Englischen Parks Eulbach unter anderen Kastellsteine in die obligatorische Burgruine und einen Obelisken eingefügt.

          Der unverändert (öffentlich) bestehende, später um exotische Bäume und Wildgehege ergänzte Park an der B 47, bildete damals gewissermaßen das Herzstück beim Ergraben des durch das Areal führenden Limes. Der Badebetrieb des Würzberger Lagers mit seiner typischen Abfolge von Kalt- und Warmwasserbecken wurde später noch mehrfach untersucht und querschnittartig aufgemauert. Eine Frage ließ sich allerdings nicht klären: Woher kam das Wasser auf dem flachen Sandsteinsockel?

          Wegbeschreibung

          Würzberg ist nur eingeschränkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Deshalb wird am besten als Zugang in die römische Welt ein Wanderparkplatz südlich der langgestreckten Gemeinde gewählt. Zum Auftakt für die Runde über die einsamen Höhen im zentralen Odenwald stehen die Markierungen gelbe 6 und Wü 4 (grün) bereit.

          Nach wenigen Metern auf dem Sträßchen führen die beiden im Wald nach rechts auf ein holpriges Pfädchen, das über 500 Meter die Verbindung zu einem breiten Forstweg herstellt. Mit ihm geht es nach rechts zum nahen Kastell und der vorgelagerten Badeanlage, die unterdessen durch artenreichen Baumbestand selbst zu einem Landschaftspark geworden ist.

          Anschließend läuft man schnurgerade quasi am Limes entlang, der jedoch etwas östlicher lag, wie der „Haken“ zu einem Turmfundament anzeigt. So man nicht ohnehin geradeaus verbleibt, führen die Zeichen zurück und weiter zum vormaligen Jägertor neben einer Kreuzung. Am Zugang der ausgedehnten, noch heute im Besitz der Erbacher Grafen befindlichen Wälder wechselt man nach links zum Zeichen rotes X. Es führt gleich darauf an einem früheren Forsthaus vorbei und begleitet dann eine große Wiese.

          Ungewöhnlich für den von tiefen Tälern geprägten Odenwald erlaubt die Hochebene großflächige Agrarnutzung, soweit gerodet werden durfte. Mithin lässt Wald nicht lange auf sich warten, was wenig an der fast ebenen Topographie bis zum Bullauer Bild ändert. Nach zwei Häusern und rechts mit dem Zeichen Bu 1 leicht abweichend erkennt man einen achteckigen Aufbau aus luftigen Hölzern. Er ummantelt seit 2014 einen ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammenden Bildstock, der, in einer morschen Buche eingewachsen, 2013 zerbrach und von einer Replik ersetzt wurde.

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