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Der Wandertipp für Rhein-Main : Vom Kloster zum Hofgut

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Dem legendären „bauwurmb“ der Grafen von Schönborn verdankt Heusenstamm die Dreieinheit von Schloss, Kirche und Torbau. Dieser wurde zur Erinnerung an den Aufenthalt von Kaiser Franz I. 1764 errichtet. Bild: Thomas Klein

Die legendäre Bauwut der Grafen von Schönborn zeitigte für die Ortschaft im Dreieichforst die schönsten Folgen. Mittelbar verdankt sich ihm auch der Erhalt des vormaligen Klosters Patershausen.

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          Als der Papst vor 900 Jahren mit der Carta Caritatis der Zisterzienser erstmals im kanonischen Sinn einen Orden anerkannte, war von Frauenklöstern noch keine Rede. Umso erstaunlicher dann die weitere Entwicklung, seitdem gegen mancherlei Widerstand der weibliche Zweig zugelassen wurde. Die Ausbreitung der Abteien für Nonnen stand der männlichen über halb Europa kaum nach, mochten es auch in der Praxis einige Unterschiede geben. Vielleicht waren gerade sie ausschlaggebend, die Niederlassungen von Zisterzienserinnen großzügig zu bedenken. Eine wie Patershausen bei Heusenstamm.

          Durch die häufige Übernahme schon bestehender Häuser galten diese schon räumlich als weniger weltabgeschieden und entsagungsvoll organisiert. So kam es selbst für höhere Stände und städtisches Bürgertum in Betracht, ihre Töchter zur Entlastung von Seele und Erbdruck in die Hände der frommen Schwestern zu geben. Güterordnungen listeten für das 1252 begründete, bald in gutem Ruf stehende Patershausen keine hundert Jahre später Renten und Gefälle aus 50 Höfen und rund 200 Ortschaften auf, Grundbesitz ist in 70 Gemeinden zwischen Vogelsberg und Odenwald verzeichnet. Allerdings gingen ähnlich vieler auf Wirtschaftlichkeit basierenden Abteien im 15. Jahrhundert Stiftungen und Einnahmen stark zurück und man musste Schulden machen. Zur Reformation gab es nur noch wenige Nonnen. Zerstört wurde die Anlage schließlich durch Schweden im Dreißigjährigen Krieg.

          Großzügig bemessenes Hofgut

          Nichts würde mehr daran erinnern, hätte sich nicht Gräfin Maria Theresia von Schönborn 1741 der Gebäude angenommen und in ein großzügig bemessenes Hofgut verwandelt. Dabei blieb es bis heute. Nur wird seit dem Ankauf des 300 Hektar großen Areals durch die Stadt Heusenstamm 1970 auf ökologischen Anbau geachtet, dessen Erzeugnisse im Hofladen zu erstehen sind. In der warmen Jahreszeit öffnet ein Freiluftlokal. Der Name Schönborn prägt auch sonst Heusenstamm. Der legendäre „bauwurmb“, also die Bauwut, dieses ehrgeizigen Geschlechtes, dem so großartige Barockbauten wie die Würzburger Residenz zu verdanken sind, wirkte auch im Dreieichforst.

          Als erster kam Philipp Erwein von Schönborn in die Wälder, als er 1661 den Stammsitz ortsansässiger Ritter erwarb und in ein unvollendetes Renaissance-Schloss verwandelte (heute Rathaus). Zur Erinnerung an den mehrtägigen Aufenthalt Kaiser Franz I. 1764 entstand zudem durch Graf Eugen Erwein ein an antiken Vorbildern orientierter Torbau und schon 25 Jahre früher die als Grablege vorgesehene Kirche St. Cäcilia nach Plänen Balthasar Neumanns.

          Wegbeschreibung

          Seit Heusenstamm an das S-Bahnnetz angeschlossen ist, hat sich viel am Bahnhof getan – die Station saniert, der Vorplatz großzügig geweitet, und beiderseits viel Parkraum geschaffen. Einige Schritte nach links kommt man zu der auf das Schloss zielenden Lindenallee. Die Achse setzt sich unter dem Westflügel über den Innenhof zum Bannturm der mittelalterlichen Wasserburg fort.

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