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Der Wandertipp für Rhein-Main : Sonne, Mond und Steine

  • -Aktualisiert am

Auf dem Hintergrund des Turmes im Goldsteinpark beginnt die Planetenfolge mit dem geflügelten Merkur. Bild: Thomas Klein

Zum Durchwandern von Raum und Zeit besitzt die Kurstadt mit dem Planetenweg und der Erdzeituhr im Geogarten zwei bemerkenswerte Einrichtungen.

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          In diesen Tagen richten sich die Blicke oft zum Himmel. Stehen die Sterne nach astrologischem Verständnis in ungünstiger Konstellation und lassen weiteres Unheil befürchten? Oder sind sie nicht viel eher Herausforderung zu ihrem Erobern? Dass beides zusammenspielt, das Mythische und der Wissensdrang, dafür fand der vor zehn Jahren zur Landesgartenschau angelegte Planetenweg quer durch Bad Nauheim außergewöhnliche gestalterische Mittel.

          Der Fuldaer Bildhauer Rainer Landgraf hatte die Vision, die Planetennamen in freie, vollplastische Darstellungen umzusetzen. Da beflügelt der Götterbote Merkur den innersten Planeten, Venus baumelt lässig in ihrem halb geöffneten Himmelskörper, Mars steckt in einem rostroten Kampfwagen, auf Jupiter reitet der blitzeschleudernde Zeus. Dagegen lässt Landgraf keinen Zweifel, wer sich als das Höchste der Erde versteht – aus der Weltkugel schaut ein übergroßer Menschenkopf. Die Planeten sollen nicht maßstabgerecht sein, aber die zwei Kilometer lange Strecke schon, entsprechend pro Schritt 2,8 Millionen Kilometern im All. Zur Erde ist es nur ein Hüpfer, während man zu den äußeren Planeten – der 2006 degradierte Pluto fehlt nicht – schon eine halbe Stunde benötigt. Verlängert man die Tour bis Nieder-Mörlen erhält man zur kosmischen auch eine fassbare irdisch-zeitliche Dimension.

          Dort, versteckt hinter der Frauenwaldhalle, veranschaulicht im Geologischen Garten ein in 24 Segmente unterteilter Kreis die 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte als einen Tag. In den ersten 20Stunden zeigt der fiktive Zeiger nichts an, nur die letzten vier sind analog dem sich entfaltenden Leben seit 600 Millionen Jahren und entsprechend alter, teils Fossilien tragender Steine aufgefächert.

          Betrachtet man die Entwicklung regional, entstand der Taunus von 21.30 Uhr an, das Lebenselixier Bad Nauheims, seine permischen Zechsteinsalze, nach 22Uhr, und erst vor wenigen Minuten endete der mit Basaltsäulen angedeutete Vulkanismus im Vogelsberg.

          Wegbeschreibung

          Der Planetenweg zwischen Goldsteinturm und Johannisberg ist nicht ausgeschildert. Selbst am Bahnhof fehlt ein Hinweis, dass für den Startpunkt an der „Sonne“ – unter den Gleisen hindurch – ein Abstecher zum jenseitigen Goldsteinpark zu unternehmen ist (dort ein Parkplatz, wie es auch sonst nicht an Stellflächen und Tiefgaragen im Stadtgebiet mangelt).

          Auf das Zentralgestirn am Goldsteinturm folgen die vier inneren Planeten rasch hintereinander, ehe der schon ein Stück draußen liegende, von der Sonne rund 780 Millionen Kilometer entfernte Jupiter auftaucht. Damit geht es wie gehabt zurück, um jetzt vor den Bahnhof zu treten, wo der weitere 700 Millionen Kilometer entfernte Saturn übersehen werden könnte, da er halb im Marmorboden steckt und seine Ringe auf dem Belag nachgezeichnet sind.

          Eine Stele für den King

          Dann kommt erstmal länger nichts. Das heißt, am Ende der Bahnhofstraße begegnet man in Gestalt des einzigartigen Jugendstil-Sprudelhofs gleichsam Architektur von einem anderen Stern, jetzt, nach umfassender Sanierung beeindruckender denn je.

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