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Der Wandertipp : Feuchtgebiet ohne Torf

  • -Aktualisiert am

Seit der vollständigen Austorfung erholt sich das Heftricher Moor langsam wieder: Das Sumpfgelände zwischen Glashütten und Idstein wurde 1981 auf gut einem Hektar geschützt. Bild: Thomas Klein

Kein schauriger, aber ein schöner Ort: das einzige Moor im Taunus. Das kleine Biotop bei Schloßborn ist in das viel größere Naturschutzgebiet des Dattenbachtals bei Glashütten eingebunden.

          4 Min.

          Taunus und Moor ist eine Paarung wie Wüste und Wasser – selten, aber vorhanden. Nur dass es mehr Oasen als morastige Areale in dem Mittelgebirge gibt. Davon ist nur eines vorhanden. Und selbst das, genannt Heftricher Moor, entspricht kaum der Vorstellung eines schaurigen Ortes, an dem Nebelschwaden über bedrohlich schwankendem Untergrund wabern. Dazu wurde das Feuchtgebiet zwischen Glashütten und Idstein zu gründlich für den Bad Schwalbacher Kurbetrieb ausgetorft. Erst 1981 wurde es auf neun Hektar unter Schutz gestellt.

          Immerhin, seither gilt es wieder als „sauer“ genug, um ihm moorähnliche Ansätze zuzusprechen. Einige Baumgerippe im Zentrum und am Rand lassen den Sauerstoffmangel im Grund erkennen, ohne schon Torfbildung zu ermöglichen. Vorherrschend sind dichte Hecken- und Schilfgürtel, davon setzen sich die dunkelgrünen Flächen der Seggen und Riedgräser reizvoll ab.

          Eine Form der Selbstvergewisserung

          Der Wasserreichtum an den Nordwesthängen des Taunus begünstigt das Entstehen von Biotopen. Ihr ökologischer Wert schlägt sich inzwischen in großräumigen Schutzzonen nieder. Auch das Quellgebiet des Silberbachs und das lang gestreckte Dattenbachtal, in dessen Einzug das Heftricher Moor liegt, genießen seit 30 Jahren den Status von Unberührbarem.

          Der auf einer Länge von zwölf Kilometern, oder 90 Hektar, geschützte Dattenbach zwischen Kröftel und Vockenhausen repräsentiert alle Vegetationsstufen, die hiesige Gewässer bilden können. Auf offene Wiesenlandschaften folgen ein ausgedehnter Saum Auenwald und schließlich ein Biotop mit der Besonderheit rahmender Douglasien. Als großer Erfolg gilt die Rückkehr von Steinkrebs, Lachs oder Neunauge, und darüber werden wieder Eisvogel, Wasseramsel, Kormorane und Graureiher gesichtet.

          Zwischen dem Silber- und dem Dattenbachtal sitzt Schloßborn auf einem Hochplateau. Schon die Römer erkannten die Landwirtschaft ermöglichende Lage und bezogen den Raum in ihr Imperium ein. Später rangelten verschiedene Regionalgeschlechter um den kleinen Ort, sodass er, ungewöhnlich für den Hochtaunus, im 15. Jahrhundert eine Schutzmauer erhielt, die hochsymbolisch mit sieben Türmen versehen wurde. An jeder Ecke steht einer. Zuletzt besannen sich die vor 50 Jahren gegen ihren Willen nach Glashütten eingemeindeten Schloßborner der Mauer und erneuerten bis 2015 die Befestigung. Die Reste und der intakte Südturm wurden saniert und mit einem Mauerrundweg kenntlich gemacht. Auch eine Form der Selbstvergewisserung.

          Wegbeschreibung

          Der Startpunkt liegt am nördlichen Ortsausgang Glashüttens, an der Limburger Straße (B 8), Bushaltestelle „Dornsweg“. Etwas oberhalb – und sonntags vor den Großmärkten – gibt es zahlreiche Parkplätze. Dort, in den Fußweg zwischen rechtsseitigem Supermarkt und Friedhof, biegt man mit dem „Taunussteig“ und weiteren Markierungen wie blaues X ein.

          Sie führen am Häuserrand entlang, kurz zum Wald und zurück an Eigenheimen links hinab zur Limburger Straße. Auf der anderen Seite geht es nach rechts und vor der barocken Heilig-Geist-Kirche nach links in den Schloßborner Weg und wieder links zur Gartenstraße, überwechselnd in den Idsteiner Weg. Ausgangs teilen sich die Zeichen. Man hält sich nach rechts und folgt allein dem Taunussteig, vorbei an Tennisplätzen, bis man im Wald steht.

          Angenehmen Weges ist in gut 20 Minuten Schloßborn erreicht, wo man sich gegenüber vom (funktionslosen) Umspannwerk nach rechts zu Kirche und Museum einweisen lässt. Der Pfad endet vor dem gedrungenen, einzig bewahrten Turm der Befestigung. Mehrere Schautafeln neben dem Treppenabsatz geben Auskunft über Bauweise und Bauherren, weitere finden sich am früheren Rat- und Schulhaus mit dem Heimatmuseum und schließlich unten, wenn dahinter die Burgstraße hinabgelaufen wurde.

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