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Der Wandertipp : Jüdisches Erbe verpflichtet

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Gut 1000 Gräber: Der jüdische Friedhof von Hemsbach. Bild: Thomas Klein

Dunkle Vergangenheit und heiteres Landschaftsbild müssen sich nicht ausschließen. Den jüdischen Gedenkstätten in Hemsbach an der Bergstraße steht die herbstliche Farbenfreude von Weinbergen und Wäldern an der Bergstraße gegenüber.

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          Sie hießen Ludwig Mai, Jettchen Apfelbaum oder Selma Mayer. Drei von 22 Namen auf den in das Pflaster von Hemsbach an der Bergstraße eingelassenen Stolpersteine, mit denen der Künstler Gunter Demnig bundesweit an deportierte Juden erinnert. Auffallend ist hier der gleichlautende Zielort – das südfranzösische Lager Gurs, in das am 22. Oktober 1940 mehr als 6500 badische und saarpfälzische Juden verschleppt wurden. So sie die Fahrt- und Haftstrapazen überlebten, kamen sie später in den Vernichtungslagern um.

          Es waren die letzten biographisch nachverfolgbaren Hemsbacher Juden, einer blühenden Gemeinde von gut 100 Mitgliedern im 19. Jahrhundert. Dass man sich ihrer erinnert, hat auch mit dem materiellen Erbe zu tun. So überdauerten der außergewöhnlich große Friedhof und die spätklassizistische Synagoge von 1847, diese aber nur, weil Anwohner während der Pogromnacht am 9. November 1938 ein Übergreifen der Flammen fürchteten. Die Ausstattung ging vollständig verloren.

          Die Rettung der zunehmend ruinösen, lange zweckentfremdeten Synagoge verdankt sich der Zusammenarbeit von Kommune und einem privaten Förderkreis. Ihm obliegt es, das städtischerseits von 1984 an sanierte Gebäude, wobei auch Frauenempore und Mikwe wiederhergestellt wurden, als Gedenk- und Begegnungsstätte zu unterhalten.

          Rothschild im toskanischen Stil

          In normalen Zeiten gibt es Vorträge und Führungen, auch über den außerhalb angesiedelten Jüdischen Friedhof mit gut 1000 Gräbern. Durch die Hanglage ist er aber auch so gut einsehbar. Auf ganzer Länge begleitet ihn ein Fußweg, von oben, den jüngeren, teils aus Marmor bestehenden Steinen zu den ältesten, halb im Erdreich versunkenen. Das letzte Grab datiert vom 15. April 1941, die früheste Inschrift von 1682.

          Überregionales Gewicht erlangte das Gräberfeld vor gut 300 Jahren mit der Aufwertung zum Verbandsfriedhof elf umliegender Gemeinden. Nun musste man nicht mehr nach Worms, mochte der Weg auch steil und beschwerlich sein. Unter den Toten sind bekannte Namen wie Oppenheimer und Mannheimer, nur Rothschild fehlt, obwohl ein Mitglied der weitverzweigten Finanzdynastie die augenfälligsten Spuren hinterließ.

          Der 1788 in Frankfurt geborene und später in Neapel ansässige Carl Mayer Rothschild hatte 1839 die Blesen-Villa erworben und im toskanischen Stil samt Park schlossartig erweitert. Großzügig unterstützte er den Bau der Synagoge und half bedürftigen christlichen Kindern, wofür ihm Hemsbach die Ehrenbürgerschaft verlieh. Über den Tag hinaus bewahrt die Stadt sein Erbe, seit sie das Schloss 1925 kaufte und generalüberholt zum Rathaus machte.

          Wegbeschreibung

          Vom Hemsbacher Bahnhof gelangt man mit dem gelben Punkt und der Bachgasse in den historischen Kern. Abweichend berührt ein Schlenker durch Rück- und Schlossgasse das Rothschild-Schloss mit der Stadtverwaltung. Dort wie am Bahnhof gibt es Parkplätze. Weiter in der Schlossgasse findet die Quergasse zur Rückseite der Synagoge. Ein ungleichmäßiges Dreieck formend, bilden die barocke Pfarrkirche und das Alte Rathaus die Antipoden.

          Ausgangs der Bachgasse wechseln wir über die ampelgeregelte Landstraße (B 3) in den Mühlweg und steigen etwa 100 Meter hinan bis zum Auftreten des gelben B; mit ihm links in die Weinberge. Das ist wie häufig an der Bergstraße ein kurzweiligeres Laufen als in reinen Reblagen. Ständig lösen Obstgewächse, Hecken und Bauminseln einander ab, belassen freilich noch viel Raum für changierende Panoramen der Rheinebene.

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