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Der Wandertipp : In den Schluchten des Spessart

  • -Aktualisiert am

Verwurzelt: Von Moosen und Flechten besiedelte Bäume nebst Steinen im Spessart Bild: Thomas Klein

Wo einst die Schlacht von Dettingen tobte, liegt der Zugang zur Rückersbacher Schlucht, der mit drei Kilometer längsten und geologisch bedeutendsten im Spessart.

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          Wenn ein Gestein für den Spessart steht, dann Buntsandstein. Als gewaltige, stellenweise mehrere hundert Meter dicke Decke liegt er über sehr alten Schichten von Gneis und Glimmerschiefer. Vor etwa 250 Millionen Jahren entstanden und seither recht gleichmäßig verwittert, formt der Stein das vorherrschende Bild sanftwelliger, überwiegend von Laubwald bewachsener Höhen. Es bedurfte schon der Gewalt reißenden Wassers, damit auch das darunter Liegende zum Vorschein kommen konnte. Insbesondere an der westlichen Abbruchkante haben Sturzbäche lange genug den Sandstein abgeschliffen und beeindruckende Formationen wie die Rückersbacher Schlucht bei Alzenau-Hörstein freigelegt. Auf rund drei Kilometer Länge hat die Sägearbeit des namengebenden Gewässers eine Kulisse fast senkrechter Flanken aus dem Glimmerschiefer herauspräpariert.

          Als willkommener Nebeneffekt eröffnet der mineralreiche Untergrund den Anbau von Wein. Auf 85 Hektar summieren sich die Reben der Alzenauer Ortsteile, ein kleines, aber feines Gebiet, dessen kräftig-spritzige Rieslinge nicht hinter denen des Rheingaus zurückstehen müssen.

          Die „Pragmatische Armee“

          Für Briten verbindet sich mit der Region einer ihrer glorreichen Siege. Derart verherrlichte ihn jedenfalls Georg Friedrich Händel in seinem für den Dankesgottesdienst komponierten „Dettinger Te Deum“. Im Namen klang der Ort des Geschehens an, wo die „Pragmatische Armee“ unter Führung des englischen Königs Georg II. am 27. Juni 1743 die Franzosen im Rahmen des Österreichischen Erbfolgekrieges niederrang. Hierzulande fast vergessen, erinnert ein Findling an die rund 7000 Opfer dieser Bataille in der Niederung zwischen der Rückersbacher Schlucht und den Gemeinden Dettingen und Hörstein.

          Wegbeschreibung

          Dem Naturwunder Rückersbacher Schlucht nähert man sich am besten von der Ebene ab Hörstein. Es hat eine gute Busanbindung, liegt autobahnnah und besitzt mit dem „Hofgut“ noch ein ansprechendes Weinlokal mit Verkauf, seitdem einige Traditionshäuser schlossen. Der Bus hält an der Station „Mitte“, von der es zur Räuschberghalle geht. Dort findet sich auch ein großer Parkplatz mit Direktzufahrt vom vorgelagerten Verkehrskreisel. Bei Sicht auf Weinberge folgt man dem breiten Asphaltweg in südliche Richtung gut einen Kilometer bis an den Waldrand. Nach rechts eröffnet ein Abstecher über 300 Meter den Weg gen „Friedensstein“ im Bereich des Schlachtfeldes. Auch die 1950 am Ausgangspunkt errichtete Mariengrotte versteht sich als Mahnerin zum Frieden.

          Davor nehmen wir das blaue M auf. Gegenüber schlüpft das für den Mainwanderweg stehende Zeichen in einen unscheinbaren Pfad, womit nun dem Asphalt ausgewichen wird. Allzulange hätte er nicht mehr gewährt, es sei denn, man läuft weiter geradeaus bis zur beliebten Einkehr „Schluchthof“ am Zugang der Rückersbacher Schlucht. Doch auch hier, wenn das M kurzzeitig auf das Sträßchen tritt, gibt es mit dem italienischen Gasthaus „Heißerackerhof“ eine Raststation.

          Wenige Meter dahinter schwenkt die Markierung links in den Wald, knapp 400Meter leicht bergan und dann rechts hinüber zur Schlucht. Damit erhält das rote X die Führung, ohne dass es seiner zunächst für den untrüglich durch die tiefe Klamm verlaufenden Weges bedarf. Auch der Hinweis auf Phonolith links davon ist nicht zu übersehen. Die eindrucksvollsten Felsformationen sind im oberen Bereich konzentriert.

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