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Der Wandertipp : Im Zeichen der roten Pyramide

  • -Aktualisiert am

Wo einst Weiden lagen, erstrecken sich jetzt naturgeschützte Röhrichtzonen und Feuchtbiotope. Bild: Thomas Klein

Auf der Regionalpark-Route geht es durch einen Querschnitt der Kulturlandschaft im Rhein-Main-Gebiet – beflügelt vom „Seelenvogel“ am Bruchsee.

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          Kies raus, Natur rein: Derart verkürzt könnte man den Beginn des zu einem Großprojekt herangewachsenen Regionalparks Rhein-Main beschreiben. In den neunziger Jahren gab die Renaturierung der verwilderten Kiesgruben im Flörsheimer Ortsteil Weilbach den Anstoß, räumlich und gedanklich ähnliche Projekte zu verknüpfen, und Freiflächen gleichermaßen für Natur- und Landschaftsschutz wie für Erholung und Kultur zu nutzen. Die Summe vieler Initiativen bildete – unter dem Dach des früheren Umlandverbands – die Basis, das Rhein-Main-Gebiet auch als ideellen Raum zu betrachten und in Grünzonen nicht nur Bauerwartungsland zu sehen. Allerdings war es ein steiniger Weg, ehe sich die Gesamtregion zusammenfand und 2011 die 190 Kilometer lange Regionalpark-Rundroute vollendete, die von 550 (am Ende 1200) Kilometer weiterer Wander-, Rad- und Themenwege ergänzt wird.

          An der Route entstanden zum Teil aufwändige Installationen, die mancher Kommune zum Wahrzeichen wurden. Eine ist der Egelsbacher „Seelenvogel“ von Kai Georg Wujanz, der auch den „Keltenzug“ bei Rödermark-Urberach schuf. Die Plastik eines geflügelten Mannes auf hohem Pfosten stellt den Bezug zum Flugplatz her, der zur Entlastung des Frankfurter Flughafens kleineren Maschinen vorbehalten ist. Eingebettet wurde die Arbeit in das Freizeitgelände am Bruchsee.

          Der Egelsbacher Raum, den die Regionalpark-Route nach Süden abschließt, bietet einen Querschnitt der typischen Kulturlandschaft des Rhein-Main-Gebietes mit Wäldern, Obstwiesen, Kleingärten, Feldern, Biotopen, Gewässern und Grünanlagen. Die 15 Quadratkilometer Gemeindefläche sind zwar überschaubar, doch zwei Drittel davon blieben unbebaut. Nimmt man noch die nördlich anschließenden Naturschutzgebiete der Kammereck- und Herchwiesen vor Langen hinzu, lässt sich eine facettenreiche Runde um den Ort im Zeichen der roten Regionalpark-Pyramide laufen.

          Wegbeschreibung:

          Wie vielerorts, ist auch in Egelsbach die Regionalpark-Route gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Gleich vor dem S-Bahnhof steht ihr Signet der dreigeteilten Pyramide bereit. Ihm folgt man nach links durch die Wolfsgartenstraße (auf ganzer Länge bietet sie viel Parkraum). Nach den Rechts-links-Kurven am Friedhof stößt man zu einem neu angelegten Verkehrskreisel, weshalb das Zeichen fehlt. Er wird rechtsseitig umgangen. Auf der anderen Seite geht es nach rechts auf den Feldweg gen Bruchsee.

          Nach dem Links-rechts-Schlenker 400 Meter weiter taucht das Zeichen der Pyramide wieder auf. Man nimmt nun den „Seelenvogel“ vor dem Gewässer gleichsam als Landmarke ins Visier. Die Anspielung auf den nahen Flugplatz ist nicht zu übersehen, dessen Gebrumme in Egelsbach zum Hintergrundrauschen gehört wie andernorts Straßen- oder Bahngeräusche.

          Ausgedehnte Gärtnereien

          Um den Bruchsee führt lediglich ein informeller Pfad. Daher führt das Zeichen noch davor nach rechts auf die Straße „Im Bruch“ und an ihrem Ende nach links „Auf der Trift“ in Richtung Schloss Wolfsgarten. Zwischen ausgedehnten Gärtnereien geht es dem Waldrand und dann rechts unter beeindruckenden Alteichen und -buchen dem Schlösschen entgegen. Vollständig von Bäumen und Rhododendren umgeben, entzieht sich die vom hessischen Fürstenhaus bewohnte Barockanlage fast den Blicken. Nur schemenhaft sind die roten Sandsteinmauern beim Weiterlaufen rechts durch die Wiesen eines Gewässergrabens erkennbar. Vorne quert man links, rechts die Landstraße, um auf der anderen Seite am Röhricht gefassten Naturschutzgebiet der Kammereckwiesen entlangzugehen.

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