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Wandertipp : Büffeljagd im Spessart

  • -Aktualisiert am

Ideale Bedingungen: Eine gut dreißigköpfige Herde Wasserbüffel hat in den Auen der Hafenlohr eine Heimat gefunden. Eigens wurden hierfür Fichten entfernt und Tümpel zum Schlammbaden angelegt. Bild: Thomas Klein

Die „kleinste Stadt Bayerns“ hat Großes zu bieten – stattliche Bürgerhäuser, eine bestens erhaltene Burg und nun auch Wasserbüffel im Hafenlohrtal. Bei einer Wanderung ist alles zu erleben.

          4 Min.

          Eine neue Spezies bevölkert seit einigen Jahren die deutschen Lande – Wasserbüffel. Man braucht nicht länger nach Asien oder Kampanien zu schauen, um die genügsamen Tiere beim Grasen und genussvollen Schlammbaden zu erleben. Allein in Südhessen stehen sie an drei Orten und avancierten zu Publikumslieblingen, und jetzt kann man ihnen selbst im Spessart begegnen, wenn sich auch empfiehlt, für die visuelle Jagd ein Fernglas mitzubringen. Auf gut einem Kilometer Länge bekam eine mittlerweile mehr als dreißigköpfige Herde den Unterlauf der kristallklaren Hafenlohr aufbereitet. Ohnehin nicht standortgemäße Fichten wurden gefällt und Feuchtwiesen und Wasserlöcher angelegt.

          Als öffentlichkeitswirksames Spektakel möchte der Initiator, der Naturpark Spessart, das Ganze ohnedies nicht verstanden wissen. In Zusammenarbeit mit dem Besitzer der Büffel, einem Schafzüchter in Bergrothenfels, wird untersucht, wie sich Großrinder auf Flora und Fauna auswirken, um mithin punktuell an Zeiten anzuknüpfen, als noch mächtige Paarhufer, etwa Wisente und Auerochsen, Wälder und Auen durchstreiften.

          Schon jetzt zeigen sich im Sinne wiedergewonnener Artenvielfalt erste Erfolge. Feuchtstellen und Vertritt fördern beispielsweise den seltenen Sumpffarn, was wiederum Amphibien, Libellen und fast ausgestorbene Schmetterlinge wie Großer Feuerfalter oder Ameisenbläuling anzieht. Daneben bildet das Büffel-Projekt eine Rückversicherung für die gesamte Hafenlohr. Zwar unterdessen ausgesetzt, ist das Vorhaben, das ökologisch intakte, kaum besiedelte Tal in einen Stausee zu verwandeln, noch immer in der Diskussion.

          Damit würde nicht zuletzt das Hinterland von Burg Rothenfels am Main verlorengehen. Sie zieht als Jugendherberge sowie Tagungs- und Rüstzeitstätte vor allem der reformkatholischen Quickbornbewegung viele Gäste an, erfreut sich jedoch auch bei Tagesbesuchern großen Zuspruchs. Wo sonst kann man eine derart gut erhaltene und jüngst grundauf sanierte hoch- und spätmittelalterliche Burg erleben? Große Teile der romanischen Mauern mit mächtigen Buckelquadern sind beim Gang um die Außenseite noch auszumachen. An der gefährdeten Front im Westen weitet sie sich zu einer Schildmauer von 32 Meter Länge, überragt vom besteigbaren Bergfried aus dem 12. Jahrhundert.

          Im Schatten der Burg gedieh die Gemeinde Rothenfels, mochte auch ein steiler Uferhang der Ausdehnung Grenzen setzen. So reihen sich auf engstem Raum die 1610 neu errichtete Pfarrkirche, hochgiebelige Patrizierhäuser und das bis heute genutzte Renaissance-Rathaus. Bereits seit 1342 besitzt der TausendSeelen-Ort die Rechte einer Stadt – der heute „kleinsten Bayerns“.

          Wegbeschreibung

          Trotz beengter Verhältnisse gibt es in Rothenfels ausreichend Parkplätze – entweder davor oder im Zentrum am Mainufer. Ab dort sind es nur wenige Schritte zu der hoch aufragenden Pfarrkirche. Gegenüber beginnt die mehr als 300 Stufen zählende Sandsteintreppe hinauf nach Bergrothenfels. Möchte man diese von Kreuzwegstationen begleitete Himmelsleiter auslassen, lässt sich auch oben starten. Parkplätze gibt es an der Seewiesenhalle oder etwas unterhalb der Burg (Zufahrt über die Straße An der Steige; die Stellfläche vor dem Tor dient Dauergästen). Welchen Einstieg man auch wählt, immer ist es die Markierung roter Strich, die den Wanderauftakt übernimmt. Vom Maintal kommend, quert sie das Burggelände und weiter auf ganzer Länge Bergrothenfels. (1)

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