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Wandertipp : Die überirdische Totenwelt Oppenheims

  • -Aktualisiert am

Der Kirchstraße folgen wir bis zur Rheinstraße, wo der gelbe Zubringer für den Rheinterrassenweg bereitsteht. Mit ihm rechts und gleich links in die Wingerte. Ein kurzer Anstieg stellt die Verbindung zum Fernweg Worms–Mainz her. Der Name verspricht nicht zu viel – bei großartigem Panorama über den Rhein bis Odenwald und Darmstadt laufen wir zwischen den terrassenartigen Rebzeilen, während voraus die Katharinenkirche mit jedem Schritt höher herausragt.

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Bei solchen Ausblicken nimmt man einen Wermutstropfen hin: alle Weinbergswege sind befestigt. Schlussendlich auch die Passage inmitten der Oppenheimer Lage Krötenbrunnen, hier versinnbildlicht durch eine künstlerisch gestaltete Riesenkröte an einer Sitzgruppe. Der Brunnen wurde nach den Verunreinigungen des Grundwassers Ende des 18. Jahrhunderts ergraben.

Dann schwenkt der Weg in weitem Rechtsbogen auf Oppenheim zu. Hinter dem Friedhof gelangt man durch das Gäutor in die Altstadt, oder man hängt noch die Schleife über die Burgruine Landskrone an. Ein Treppenweg führt zu ihr und der Michaelskapelle hinunter. Ein Kirchgarten mit biblischen Pflanzen vervollständigt den stadtbeherrschenden Sakralbezirk.

Für den Gang in die Ortsmitte nutzt man die Merianstraße bis zum Marktplatz und seinen Antipoden, dem Rathaus mit doppeltem Staffelgiebel und der gotischen Pfarrkirche St. Bartholomäus, einst zu einem Franziskanerkloster gehörend. Über die Mainzer Straße geht es weiter hinab zu Bahnhof und Fährstraße.

Daten

Länge: 12 km
Höhenmeter: 160
Karte: Rheinhessen, Maßstab 1:50.000, Landesamt für Vermessung Rheinland-Pfalz

Anfahrt

Über Mainz und die B 9 oder aus dem Hessischen Ried mit der Rheinfähre Gernsheim-Oppenheim. Öffentliche Verkehrsmittel: Halbstündliche Bahn-Verbindung ab Mainz Hauptbahnhof oder Römisches Theater.

Sehenswert

Über Oppenheim am Rhein erhebt sich die prachtvolle Katharinenkirche. Ihre reiche Schauseite hoher Fensterbahnen, „Rose“, Streben und Fialen reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, der das Langhaus überragende Westchor ins frühe 15. Jahrhundert. Die Originalverglasung ist teilweise erhalten, ergänzt um ständische und säkulare Arbeiten bis in jüngste Zeit. Die spätgotische Michaelskapelle dahinter birgt die Rarität eines Beinhauses. Belegt seit dem Spätmittelalter bis ins ausgehende 18. Jahrhundert mit rund 20.000 Skeletten, gilt es als größtes nördlich der Alpen; es ist frei einsehbar. Daneben ein Kirchgarten mit biblischen Pflanzen. Bemerkenswert auch die gotische Batholomäuskirche eines früheren Franziskanerklosters sowie ihr gegenüber stattliche Bürgerhäuser und das Rathaus mit doppeltem Treppengiebel (um 1700). Eine Besonderheit ist das bis ins Mittelalter reichende Gängesystem unter der gesamten Altstadt. Bislang sind mehr als 50 Kilometer über sieben Etagen bekannt; einige Abschnitte sind im Rahmen von Führungen zugänglich.

Die Katharinenkirche ist derzeit samstags und sonntags 13 bis 16 Uhr geöffnet, der Außenbereich mit der Michaelskapelle täglich 10 bis 16 Uhr; ebenso stehen die anderen Kirchen offen. Aktuell geschlossen sind Deutsches Weinbau- und Stadtmuseum sowie das Kellerlabyrinth.

Einkehren

Oppenheim hat ein belebtes Zentrum, in dem auch während Corona im Straßenverkauf Speisen und Getränke zu erwerben sind. In normalen Zeiten gibt es eine abwechslungsreiche Gastronomie.

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