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Der Wandertipp : Zwei Gesichter einer Stadt

  • -Aktualisiert am

Das Huttenschloss aus dem 16. Jahrhundert (später Amtsgericht). Bild: Thomas Klein

Zwei zusammengeführte Kommunen im Main-Kinzig-Kreis könnten unterschiedlicher nicht sein – auf der einen Seite das auf Salz gebaute Soden, auf der anderen das durch Klöster geprägte Salmünster.

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          Die Gebietsreform vereinte in den siebziger Jahren mit Bad Soden und Salmünster zwei Orte sehr ungleichen Werdegangs. Beide gehörten zwar über Jahrhunderte vorwiegend zur Fürstabtei Fulda, ihre Entwicklung aber hätte kaum unterschiedlicher sein können. Während man in den Kinzigauen von Soden seit altersher Salz gewann und damit der spätere Kurbetrieb vorgezeichnet war, galt Salmünster als das geistliche Aushängeschild Fuldas nach Westen, nachdem bereits im 9. Jahrhundert ein Mönch namens Salucho eine Klosterzelle begründet hatte.

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          An der berühmten Hohen oder Reiches Straße zwischen Frankfurt und Leipzig gelegen, wurde der Ort planmäßig zu einem knapp fünf Hektar großen Rechteck ausgebaut. Die vier Winkel sicherten Adelssitze wie der Schleifrashof und im Südwesten gar der massiv ausgeführte Turm der Stiftskirche einer Kommunität von Weltgeistlichen. Ihn ließ man auch – bis zum Einsturz im Jahr 1895 – stehen, als vor gut 275 Jahren eine vom Fuldaer Hofbaumeister Andrea Gallasini entworfene Saalkirche das alte Gotteshaus ersetzte.

          Selbst Franziskaner, die im Jahr 1650 an die Stelle der Kommunität traten, verlangte es nach repräsentativeren Baulichkeiten. Die Klostergebäude wurden erweitert, und die Peter und Paul geweihte Kirche mit ihrem gut 50 Meter hohen Turm durfte in barocker Opulenz erstrahlen.

          Unter Verputz trat manch Fachwerkkleinod hervor

           Dem Erhalt der prachtvollen Ausstattung fünf ikonographisch aufeinander bezogener Altäre kam zugute, dass es gelang, alle Wirren seit der napoleonischen Zeitenwende zu überstehen. Erst mangelnder Zuspruch zwang den Orden 2004 zur endgültigen Aufgabe Salmünsters, der bereits 1992 die Umwidmung der Anlage zu einer Bildungs- und Exerzitienstätte des Bistums Fulda vorausging.

          Sie ist wie die Altstadt umfassend saniert, wobei Bäume und strukturiertes Pflaster die Bedeutung der zentralen Frankfurter Straße unterstreichen. Der Fernverkehr brachte Wohlstand, nur erinnert an die zahlreichen Gasthöfe, Schänken oder Stallungen seit dem Niedergang vom frühen 19. Jahrhundert an kaum noch etwas. Bei der Generalüberholung verschwand alles Halbverfallene, und unter Verputz oder Schindeln trat manch Fachwerkkleinod hervor.

          Glücklicherweise wurde darauf verzichtet, alle Häuser zu entkleiden. Typisch waren durch die Nähe zum Spessart farbig angelegte Holzschindeln, die man jüngst bei der Renovierung des Rathauses ebenso erneuerte wie schon zuvor den bläulichgrauen Mauerbehang der einstigen, heute vom Sozialamt genutzten Synagoge. Als eines der wenigen Bethäuser des Landjudentums in Hessen ist es fast unverändert erhalten.

          Die Rundumsanierung reichte bis zu entlegenen Ortsteilen wie dem exponiert in gut 400 Meter Höhe liegenden Alsberg. Dort galt es, die einst von den Franziskanern betreute, barock ausgebaute Wallfahrtskirche Heilig Kreuz wetterfest zu machen. Schon der Weg hinauf kam einem Bußgang gleich. Den prachtvollen Laubwäldern im Nordspessart dürfte man unter säkularen Vorzeichen heute allerdings mehr Spiritualität zusprechen, als man dies früher verstanden hätte.

          Wegbeschreibung

          Beim Start am Bahnhof in Salmünster empfiehlt sich, einen Rundgang durch das historische Quartier für den Abschluss aufzuheben, da die Wanderrunde ohnehin dort ausläuft. Man verlässt rechtsseitig die Station, quert den Parkplatz und geht rechts kurz hinab bis zum Auftreten der Markierung rotes X. Günstiger liegt die Stellfläche links vom Bahnhof: Sie beginnt bereits ein Stück unterhalb, wo man ebenfalls das X sichtet. Damit unter den Gleisen durch und links.

          Ob von oben oder unten, das Zeichen weist in die Gutenbergstraße, an deren Ende wir Landstraße und Autobahn unterqueren und dahinter einige Gewerbebauten passieren. Bereits jetzt zieht es merklich an, bald, seit dem Rechtsknick auf den Wald zu, noch kräftiger. Unter Fichten flacht der Neigungswinkel dann etwas ab, und der Weg schwingt gemächlich aufwärts.

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