https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/wandertipps/der-wandertipp-sucht-am-butzbacher-hausberg-misteln-fuer-miraculix-17759045.html

Der Wandertipp : Misteln für Miraculix

  • -Aktualisiert am

Auf der Suche nach der schönen Aussicht: Auf dem Butzbacher Hausberg. Bild: Thomas Klein

Das hessische „Keltenjahr“ 2022 bietet Gelegenheit, auch weniger bekannte Bodendenkmäler bei Butzbach zu entdecken. Die Ringwälle am aussichtsreichen Hausberg sind solch eine Attraktion.

          4 Min.

          Nach 20 Jahren ruft Hessen anno 2022 abermals ein „Keltenjahr“ aus. Wenn es auch keinen spektakulären Anlass wie damals mit den erstmalig öffentlich präsentierten Funden vom Glauberg gibt, wollen Sonderausstellungen, Exkursionen und Veranstaltungen neuere Forschungsergebnisse vorstellen, aber auch an die Geschichte der Forschung erinnern. Mehrere Museen, etwa am Glauberg und in Oberursel, überarbeiten deswegen ihre Sammlungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im (Wieder-)Entdecken der großflächigen Geländedenkmale, die zum Keltenjahr 2002 mit Rekonstruktionen und Lehrpfaden aufbereitet wurden. Manches davon ist selbst schon wieder historisch, was Anschauung und Zugänglichkeit nicht entgegensteht.

          So auch das Doppel von Haus- und Brülerberg am Taunusrand bei Butzbach, das seither ein (verblasster) „Kulturgeschichtlicher Wanderweg“ erschließt. Er begleitet den Aufgang des 485 Meter hohen Hausbergs, an dem wallartige Terrassen auf eine von zwei Ringmauern gesicherte Festung verweisen – die äußere wahrscheinlich ein Erdwerk, die innere eine hohe Wand, wobei die Steine ein kastenartiges Balkenwerk zusammenhielt.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Das ist eine der wenigen Gewissheiten. Die einzige, aber unzureichende Untersuchung um 1911 erbrachte nur vage Hinweise auf die Erbauungszeit im 5. oder 4. Jahrhundert vor Christus. Ob die Mauern ein Heiligtum schützten oder als Herrschaftssitz und Fliehburg dienten, ist ebenso unklar wie die Funktion fast aller Keltenburgen. Selbst bei weitaus größeren wie am Dünsberg bei Gießen oder dem Glauberg zieht jede Grabung neue Fragen nach sich.

          Der „Keltenweg“ führt auch unterhalb der Erhebung entlang und berührt eine Streuobstwiese. Kann es Zufall sein, dass dort zur Bekräftigung keltischer Mythen in den Bäumen große Mistelbüsche hängen? Wer denkt nicht an die keltisch-gallische Verehrung der Pflanze, popularisiert von „Asterix“, wonach Druiden wie Miraculix in die Baumkronen klettern, um Misteln zu schneiden?

          Wo schon Kelten siedelten, brauchten Römer das Werk nur fortzusetzen. Sie hatten den Hausberg aber nicht in ihr Imperium einverleibt. Als Aussichtsbastion bevorzugten die Grenztruppen den oberhalb Butzbachs liegenden Schrenzer. Erstaunlich mächtige Limesreste und ein nachgebildeter Wachturm erinnern dort an die römische Präsenz vor 1800 Jahren.

          Wegbeschreibung:

          Bahnbenutzer unterqueren die Gleise und laufen die Taunusstraße hinan. Autofahrer können dort oder auf dem Schrenzer parken. Sie kommen aus der Linkskurve geradeaus in den Waldpfad mit dem schwarzen Punkt. Es geht 400 Meter bergab, bis zum blauen X und dem schwarzen T, damit scharf rechts, respektive geradeaus von der Taunusstraße.

          Der Weg wird bald ebener und kreuzt den mannshohen Limeswall. Prachtvolle Eichen und Buchen, wie sie das Bild prägen, dürften damals kaum das Sichtfeld beeinträchtigt haben. Aus dem Wald geht es diagonal über die Hangwiese auf die Gemeinde zu und durch die Straße Im Alten Dorf links und rechts mit der Obergasse wieder hinaus, Auftakt zur nächsthöheren Geländestufe mit der Siedlung Oes über einen steilen Pfad unter Bäumen.

          Verschnaufen können wir am Wanderparkplatz, ab dem wir den Hausberg in Angriff nehmen. Sein geglättetes Plateau ist aber nicht prähistorisch, es wurde US-Streitkräften für eine Radarstation planiert. Nach dem Abzug konnte der Gipfel wieder betreten und 2008 der hölzerne Aussichtsturm errichtet werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Aufgegeben: Ukrainische Kämpfer tragen einen Verwundeten vom „Asowstal“-Gelände.

          „Asowstal“-Kämpfer : Die Helden von Mariupol in Moskaus Fängen

          Die Ukraine hofft auf den Austausch der Kämpfer vom „Asowstal“-Gelände. Doch Moskaus Propaganda hat offenbar andere Pläne – die Ideen reichen bis hin zu einem großen Prozess gegen die ukrainischen „Nazis“.
          Ist es Anlegern egal, wenn ihre Goldbarren im Schließfach an Wert verlieren - solange sie diese nicht verkaufen?

          Zinswende : „Finger weg vom Gold!“

          In der Zinswende hat der Goldpreis es schwer, warnen Fachleute. Doch die Fans kaufen das Edelmetall aus ganz anderen Gründen – und lästern über Bitcoin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Frankfurt Jobs
          Jobs in Frankfurt finden
          Immobilienmarkt
          Immobilien kaufen, mieten und anbieten
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis