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Der Wandertipp : Zwischen Felsen und Moor

  • -Aktualisiert am

Er bietet eines der besten Kletterreviere im Odenwald. Bild: Thomas Klein

Es nennt sich zwar so, ist aber keins: Das naturgeschützte Schannenbacher Moor zwischen den von beeindruckenden Felsen und Gesteinshalden überzogenen Bergflanken im Odenwald.

          5 Min.

          Moore sind selten geworden. Noch rarer sind sie im Odenwald. In dem forst- und landwirtschaftlich stark genutzten Mittelgebirge blieben lediglich Restbestände, und selbst das Wenige, Schannenbacher Moor und Rotes Wasser bei Grasellenbach, überdauert nur dank Einsicht und Hilfe des Menschen. Wie zur Wiedergutmachung sind die Biotope jetzt nicht nur geschützt, sukzessive werden auch artfremde Gewächse herausgenommen und so dem Verbuschen vorgebeugt.

          Im Fall des Schannenbacher Moores westlich vom Krehberg in der Großgemeinde Lautertal ist man allerdings weit entfernt von einem „klassischen“ Moor mit gurgelnden Wassertrichtern über einer dicken Torfschicht. Seit einer Regulierungsaktion fehlt dem ursprünglichen Niedermoor ausreichender Zufluss. Da die Wiesen extensiv bewirtschaftet werden, haben sich seltene Pflanze, etwa Fieberklee oder Wiesenknopf, gehalten, die wiederum bestandsgefährdete Schmetterlingsarten wie Ameisenbläuling oder Schachbrettfalter anzogen. Deeshalb beließ man es bei der 1975 erfolgten Ausweisung als Naturschutzgebiet, die unterdessen aufgewertet wurde durch Einbinden in das Europäische Schutzprogramm Natura 2000.

          Das Naturschutzgebiet in 500 Meter Höhe schließt auf gut einem Viertel seiner 16 Hektar großen Fläche sogenannte Schlucht- und Blockschuttwälder ein. Die vorherrschenden Laubbäume Ahorn, Ulme oder Esche sind eher untypisch für den Odenwald, ihr felsiger Untergrund aber nicht. Der gesamte Raum beiderseits der Lauter wirkt wie ein einziges Freiluftlapidarium, keineswegs nur durch das berühmte Felsenmeer rechts davon, sondern auch großzügig ausgebreitet über die linksseitigen Hänge vom Knodener Kopf bis zu dem fast vollständig bedeckten Heiligenberg etwas dahinter.

          Granite magmatischen Ursprungs

          Die Gesteinsfelder treten nicht ganz so massiert auf wie im trogartigen Felsenmeer, sind aber als 350 bis 280 Millionen Jahre alte Granite magmatischen Ursprungs geologisch eng verwandt. Auch bei Erosion wirkten die gleichen Kräfte. An einigen Stellen lässt sich der seit den Eiszeiten beschleunigte Prozess regelrecht mitverfolgen. Tiefe Risse in der Gesteinsdecke bilden Vorboten jener über Jahrtausende währenden Sprengarbeit durch gefrierendes Wasser, an deren Ende sauber geformte Rundlinge wie im Felsenmeer stehen.

          Beeindruckend zeigt sich die Erosion am Hohenstein oberhalb von Reichenbach, einem der größten Monolithe der Region. Spalten, Überhänge und Löcher lassen den 50 Meter langen und 17 Meter hohen Block so fragil erscheinen, dass man um seine Standfestigkeit fürchtet. Die Anziehungskraft für Kletterer mit Haken und Seil kann das nur steigern. Neben einer Wand bei Breuberg bietet der Hohenstein die besten Grate im Odenwald.

          Wegbeschreibung

          Der Gang zwischen Moor und Felsen beginnt an der Bushaltestelle Markt in Reichenbach vor der Pfarrkirche. Man läuft einige Schritte in Fahrtrichtung entlang der auch Parkmöglichkeit bietenden Nibelungenstraße (B 47) und biegt der Markierungen gelbes Quadrat und rotes N folgend nach rechts auf die Knodener Straße. Sie führt geradeaus durch ein Eigenheimviertel und dann links den Hang hinauf. Außerhalb zieht es noch stärker an, ehe man in einem Waldstück plötzlich vor der gewaltigen Wand des Hohensteins steht.

          Hernach darf es etwas moderater weitergehen. Zunächst – allein mit dem N – im Rechtsbogen oberhalb einer aussichtsreichen Wiesensenke, und auf der anderen Seite wieder unter Buchen und Eichen etwas ansteigend um den Berg Köppel. Die ausgestreuten Brocken geben eine Vorahnung der bizarren Felsenwelt am Knodener Kopf, dem man seit einem Rechtsabzweig näherkommt (dort tritt der blaue Strich hinzu).

          Übergang in einen Wiesengrund

          Als sollte kein Stein ausgelassen werden, umkurvt der Pfad die geologischen Zeugen einer Zeit, da das heutige Odenwaldgebiet in Äquatornähe lag – erst mit ausholendem Rechtsbogen, dann, nach scharfem Linksknick, mit weiterer Rechtsschleife bis vor eingesenkte Viehweiden. Sie querend steuert man den Weiler Knoden an, geht nach links hinein und rechts über die Kuppe zu Streuobstwiesen in Hanglage, denen sich etwas unterhalb ein „Stich“ links zwischen Bäumen anschließt. Ausgangs tauchen die vereinzelten Häuser des Bergdörfchens Schannenbach auf. Etwas nach links abweichend, erwartet den Wanderer mit dem Gasthaus „Zum Odenwald“ eine zünftige Einkehr, in der es zur Zeit allerdings nur am Wochenende Selbstgebackenes und kleine Speisen zum Mitnehmen gibt.

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