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Der Wandertipp : Kleiner statt Großer Feldberg

  • -Aktualisiert am

Über sieben Stationen eines künstlerisch gestalteten „Waldglasweges“ führt eine farbige Spur bis zur historischen Glashütte in der Emsbachschlucht Bild: Thomas Klein

Der kleinere der beiden Feldberge ist in gewisser Weise der größere: Ein kunstvoller Waldglasweg, eine Glashütte sowie römische Stätten bereichern die Tour. Von Thomas Klein

          4 Min.

          Wo es einen Großen Feldberg gibt, muss es auch einen Kleinen geben. Nur tut man ihm mit dieser Degradierung etwas Unrecht. Er ist bei 825 Metern nur 55 niedriger als sein großer Bruder, genug, um ihn zum zweithöchsten Taunus-Gipfel zu erheben. Dass er gleichwohl ein Unbekannter blieb, hat einen schlichten Grund – die Bergspitze ist Sperrgebiet. Sie beherbergt mehrere seismische, meteorologische und astronomische Einrichtungen, dazu Funkrelais für besonders sensiblen Datenverkehr.

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          Doch das allein unterscheidet den Kleinen nicht vom Großen Feldberg, er besitzt auch eine außergewöhnliche – frei zugängliche – Vegetation. Damit sich sukzessive ein Urwald entwickelt, bleiben abgestorbene oder umgestürzte Bäume seit einigen Jahren weitgehend unberührt. Schon jetzt wirkt es, als sollten die Technikstationen vom Gewirr der Äste und Stämme zusätzlich geschützt werden. Dennoch wurde das Terrain offener. Das kommt dem Wuchs sonnenliebender Pflanzen entgegen, und so darf man sich beim Gang um den natürlichen Wall an vielen Farben zwischen Ginster- und Erikablüte erfreuen.

          Es liegt nahe, einen weiteren, menschengemachten Wall aufzusuchen: Nur hundert Höhenmeter tiefer verläuft der Limes. Klug hatten die römischen Strategen den nordwestlichen Steilabfall des Feldberg-Massivs zur Vorfeldüberwachung einbezogen, mag es auch für die Soldaten einer Strafversetzung gleichgekommen sein, am höchstgelegenen Limesabschnitt Wache zu schieben. Kälte, Schnee, Nebel oder Regen herrschen dort zur Hälfte im Jahr vor.

          Inspiration für „Limes-Informationspavillon“

          Mehr Annehmlichkeit versprach das mit einer Therme ausgestattete Feldberg-Kastell zum Schutz des Passübergangs an der heutigen Straßengabelung Rotes Kreuz. Bedingt durch die lebenswichtige Weil-Quelle lag das 150-Mann-Lager allerdings etwas entfernt an einem abschüssigen Wiesengelände. Die gesamte Anlage ist seit Anerkennung des Limes als Unesco-Welterbe 2005 grundlegend gesichert und landschaftspflegerisch aufgewertet.

          Die Form eines Wachturms inspirierte nicht zuletzt die Gestaltung eines 2011 am Ortsrand von Glashütten gebauten „Limes-Informationspavillons“. Karten und großformatige Fotos zeigen die dichte Abfolge der Wachposten und Militärlager, daneben wird an ihre jahrhundertelange Erforschung erinnert. Bereits im 16. Jahrhundert hatte der Humanist Erasmus Alberus den „Pohlgraben“ als römisch erkannt und in einem Gedicht besungen.

          Zugleich führte er schon damals Klage – „derselbig grab vergeht nun sehr“ –, dieses einzigartige Monument sei bestandsgefährdet. Vielleicht dachte er an den Glashüttener Raum. Zwar ist dort der Limes über längere Strecken sichtbar, doch waren es spätmittelalterliche Glashütten, die ausgerechnet im einstigen Grenzgebiet ihrem brennstoffintensiven Gewerbe nachgingen. Auf Basis der Grabungen in den neunziger Jahren ließen sich die Fundamente von fünf Öfen der im Emsbachtal angesiedelten Hütte wieder aufmauern.

          Der dabei erbrachte Beleg, dass man neben der Produktion von Alltagsgeschirr auch mit der weitaus komplexeren Herstellung farbiger Fensterscheiben experimentierte, regte die Keramikerin Ines Nickchen zu einem „Waldglasweg“ an. Über sieben Stationen wird vom Ortsrand bis zum Emsbach eine farbenfrohe Spur gelegt. In massive Glasbänke sind beispielsweise Texte zu Geschichte und Technik auf blauen, roten oder grünen Scheiben eingearbeitet.

          Wegbeschreibung

          Der Limes-Informationspavillon liegt am nördlichen Ende Glashüttens, nicht weit von der Bundesstraße 8 und der Bushaltestelle Dornsweg. Dort auch ein Parkplatz, außerdem können sonntags die Freiflächen der benachbarten Supermärkte genutzt werden. Die Arbeit „Erwachen“ am Friedhof gegenüber zeigt den Beginn des Waldglasweges an.

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