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Der Wandertipp : Blüten, Buchen und Basalt in der Hohen Rhön

  • -Aktualisiert am

Über Felsen und umgestürzte Bäume sucht sich der wilde Elsbach seinen Weg. Bild: Thomas Klein

Seit 30 Jahren ist die Rhön Biosphärenreservat. Derzeit zeigt es sich vielleicht von seiner schönsten Seite, denn in der Hohen Rhön stehen Abermillionen Pflanzen in Blüte.

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          Das Landschaftsbild der Kernrhön ist geprägt durch fast baumlose Kuppen und Hochebenen. Und doch sah es dort ursprünglich ganz anders aus, bevor im Mittelalter Rodungen der Buche für Hausbrand und Holzkohle einsetzten. Der einstige Name Buchonia erinnert daran. Vom frühen 19. Jahrhundert an nutzte man das baumlose Gebiet zum mühsamen Heumachen. Selbst heute, obwohl kaum noch Bedarf an Winterfutter besteht, werden die Wiesen gemäht oder von Schafen kurz gehalten. Der Grund liegt im Status eines Biosphärenreservats, das nicht allein Naturschutz, sondern auch dem Bewahren gewachsener Kulturformen dienen soll.

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          Seit die UNESCO vor 30 Jahren das Prädikat der Rhön verlieh, verwendet die Region große Anstrengungen darauf, Landschaft und Landwirtschaft im Einklang zu halten. Nur ein kleiner Teil wie Moore oder Geotope der mehrfach auf gut 2400 Quadratkilometer vergrößerten Reservatsfläche bleibt dem menschlichen Zugriff entzogen. Bevor Anfang Juli die Mahd beginnt, zeigt die Hochrhön vielleicht ihre schönste Seite – besonders schön dank blumenbunter Borstgräser auf dem weiten Plateau der auf 3300 Hektar geschützten Langen Rhön zwischen Bischofsheim und Fladungen. Gelten auch Lupinen, Klee oder der buschige Knöterich als Zeichen für (früheres) Düngen, finden dort viele bedrohte Arten ideale Rückzugsräume: Arnika, Orchideen, Frauenmantel, Trollblumen oder das weiße Wollgras.

          An den Abhängen der Langen Rhön herrschen dagegen ausgedehnte Laubwälder vor. Beeindruckend verdichtet sich diese Szenerie am Gangolfsberg. Über dem tief eingeschnittenen Elsbach ziehen Blockschuttwälder bis auf die Höhe, wo sie für eine Wand waagrecht geschichteten Prismenbasalts zurücktreten – ein Relikt des Jahrmillionen aktiven Vulkanismus, dem die Rhön Entstehen und Gestalt verdankt.

          Wegbeschreibung

          Zum Biosphärenreservat gehört eine strenge Verkehrs- und Besucherlenkung. In der Langen Rhön dürfen die Wanderwege nicht verlassen und nur an wenigen Orten die Fahrzeuge abgestellt werden. Gut eignet sich der zentral liegende Parkplatz Schornhecke. Aus dem Angebot zahlreicher Markierungen genügt vorerst die Konzentration auf das rote H, einer Extratour des Hochrhöners. Es setzt über die Straße und führt zwischen Büschen hinan. Am höchsten Punkt der Wanderrunde trifft man auf das 915 Meter hoch liegende Ehrenmal, mit dem der Rhönklub seiner verstorbenen Mitglieder gedenkt. Den noch um zehn Meter höheren Heidelstein sparen wir dagegen aus, wenn der Weg dann links in die Freifläche schwenkt.

          Damit beginnt das weite Meer der blühenden Wiesen. Selbst in dem hohen Gras sind die vorbildlich angelegten Pfade problemlos erkennbar, auch bei der Straßenquerung und dem Abstieg zum ringsum eingewachsenen Basaltsee (mit Freiluft-Imbiss). Nicht zuletzt er und einige Mehrkantsäulen stehen für den Wandel der Rhön: Hier gähnte einst, wie an so vielen Orten, das Abraumloch eines Basaltbruchs. Jenseits des Teichs setzen wir den Weg fort, wobei aus dem breiteren links kurz hinauf ein Schlängelpfad wird, der dann einen Kilometer diesen bis zum erneuten Wechsel über eine Straße begleitet. Drüben besteht die Möglichkeit, unter Auslassen des Gangolfsbergs die Runde zu verkürzen. Die Variante ist angenehm zu gehen, freilich versäumt man das Naturschauspiel von Elsbach und Prismenwand. Die Führung obliegt nun dem schon länger hinzugetretenen roten Winkel. Er verläuft neben der Fahrbahn für etwa 400 Meter abwärts, ehe er kurz nach Waldbeginn links in den rutschigen Pfad einweist. Er endet unten an einem Holzsteg über den Elsbach, nur um drüben abermals anzusteigen. Trotz erhöhter Warte sieht man gut den wilden Gesellen bei seinem sprudelnden Ritt über Felsen und umgestürzte Bäume.

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