https://www.faz.net/-gzl-9xwrt

Der Wandertipp für Rhein-Main : Die Größe der Natur

  • -Aktualisiert am

Die westliche Mönchbruchwiese ist ein Feuchtbiotop. Bild: Thomas Klein

Frankfurts Umgebung ist mehr als nur Autobahnen, Bahngleise und Deutschlands größter Flughafen. Denn wer die Natur genießen will, wird hier so manche grüne Perle finden.

          3 Min.

          Durch zwei der wichtigsten Nord-Süd-Autobahnen und Bahnstrecken geteilt, von mehreren Bundesstraßen geädert, und darüber die Lärmschleppe des Frankfurter Flughafens – wer so im Fadenkreuz der Verkehrsströme liegt, den kann man kaum für die heimliche Hauptstadt Hessens in Sachen Naturschutz halten. Doch tatsächlich ist rund ein Viertel der 44 Quadratkilometer großen Stadt Mörfelden-Walldorf geschütztes oder FFH-Gebiet. Hinzu kommen ausgedehnte Wälder und vorbildlich renaturierte Flächen wie die frühere Mülldeponie Oberwaldberg und ihre benachbarten Seen.

          Auf rund 100 Hektar belaufen sich die für ihre seltenen Pflanzen- und Insektenarten bekannten FFH-Sandtrockenrasen zwischen den beiden Stadtteilen, und mit dem Mönchbruch besitzt Mörfelden-Walldorf den Löwenanteil am zweitgrößten, rund 940 Hektar messenden Naturschutzgebiet Hessens. Nach einigen Erweiterungen seit 1954 erhielt es vor 25 Jahren seine heutige Dimension, wobei nicht nur mehrere urwaldartige Biotope dazukamen. Nun ist auch der mit über vier Kilometern längste durchgängige Wiesenzug des Landes geschlossen, bevölkert von einer vierhundertköpfigen Damwildschar.

          Die Nähe zum Flughafen scheint sie kaum zu stören, und Befürchtungen, das Areal könnte durch den Bau der Startbahn West versteppen, bewahrheiteten sich nicht. Im Gegenteil liegt der Wert des Mönchbruchs in seiner außerordentlichen Artenvielfalt, resultierend aus gleichermaßen trockenen wie feuchten Gebieten. Alleine rund 540 verschiedene Pflanzenarten, darunter 60 bestandsgefährdete, werden gezählt.

          Was heute geschützt und bewundert wird, ist letztlich auch Kulturlandschaft und nur mit des Menschen tätiger Hilfe in dieser Form zu bewahren. Insbesondere dem Verbuschen der ursprünglich für Jagdzwecke angelegten und später durch Torfabbau geschaffenen zentralen Wiese muss regelmäßiges Mähen entgegenwirken. Nicht alle Triebe mag das Damwild.

          Gleichwohl bewahrten Kargheit und Morast den Mönchbruch vor dem Roden und landwirtschaftlicher Nutzung. Für die 1699 durch Landgraf Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt in Walldorf angesiedelten Glaubensflüchtlinge aus den Savoyer Alpen war dies nur ödes Land und bewog die meisten weiterzuziehen.

          Gerade 15 Familien genügten jedoch, um aus dem „welschen Dorf“ eine blühende Stadt werden zu lassen. An die Anfänge erinnern noch eine Hofreite von 1717, das heutige Heimatmuseum, und das 1805 neu aufgeführte Kirchlein. Sie bildeten das Zentrum zwischen den einstöckigen Fachwerkhäuschen der unterdessen auf einen Kilometer angewachsenen Langstraße. Heute der direkte Weg vom Bahnhof zum Mönchbruch.

          Wegbeschreibung

          Bei Anfahrt mit der S-Bahn, Station Walldorf, findet man gegenüber den Zugang in die Langstraße. Die meisten Häuser stehen wie die frühen giebelseitig zur Fahrbahn. Fast zehn Minuten geht das so, ehe Waldenserkirche und das Heimatmuseum auftauchen.

          Begleitet von großformatigen Tafeln mit Episoden aus den Frühtagen der Kolonie läuft man weiter zum Ende der Straße vor einem Sportzentrum; dort finden Autofahrer viel Parkraum. Gleich danach erreichen wir auf breitem Weg den Wald, gekennzeichnet durch Radweg 8 und jetzt auch mit dem grünen Fraktur-L des Lutherwegs.

          Zwischen den Bäumen schimmert bald die Mönchbruchwiese, die am besten aus zwei Schutzhütten einsehbar ist. Die zweite, nach Genoveva benannt, überrascht mit Wohnzimmeratmosphäre: Bilder und Bücher an den Wänden, und von gepolsterten Sitzbänken lässt sich das Damwild bequem beobachten. Allerdings äst es mitunter so entfernt, dass es erst per Feldstecher näherrückt. Sumpfige Zonen meidet es ganz.

          Sie liegen vor allem westlich der Eichenallee, an der das Offenland gequert werden kann (derzeit gesperrt). Der weite Bogen über das Jagdschloss Mönchbruch ist freilich jeden Meter wert: Linkerhand säumen umgestürzte Bäume den Weg und rechts breiten sich nun Schilf, Seggen oder Knabenkraut aus.

          Selbst an der Bundesstraße 486 dominiert dieses Bild, wenn wir sie nach Durchschreiten eines Metallgitters auf dem Fußweg der anderen Fahrbahnseite rechts begleiten. Retour geht es in Höhe des (aktuell geschlossenen) Hotel-Restaurants gegenüber vom Fachwerk-Schlösschen Mönchbruch, eine der vielen jagdlichen Einrichtungen der Hessen-Darmstädter Landgrafen aus dem 18. Jahrhundert.

          Dahinter schließen wir abermals ein Metalltor und halten kurz danach rechts auf eine Aussichts-Plattform zu. Sie markiert den Beginn einer Kastanienallee über die Flachwasserzone zum nahen Forst. Auch dort bleibt das Altholz unter hohen Eichen liegen, bietet aber lichte Zonen für großflächige Bärlauchteppiche.

          Etwa 500 Meter nach dem Waldeintritt knickt man an der Kreuzung rechts in Richtung Stangenpyramide ab (Walldorf ist am Sockel angezeigt). Damit ändert sich wieder die Vegetation. Erste Kiefern und Birken deuten trocken-sandige Böden an, verdichtet seit der Hochspannungstrasse und dem Linksschwenk ein Stück weiter gen Startbahn West.

          Man umrundet die rechte vordere Ecke und folgt dem Zaun etwa 200 Meter, bis in die Schneise mit Radweg 6 rechts abgebogen wird. Schnurgerade stellt der streckenweise etwas holprige Weg über gut 1500 Meter die Verbindung zu einem idyllischen Angelteich her. An dessen linker Seite entlang, überwechselnd in das breite Wiesental des Gundbachs. Einige hundert Meter später über ein Holzbrückchen nach rechts, dem sich eine letzte Waldpartie anschließt, endend am Sportzentrum. Zur S-Bahn geht es retour wie gekommen.

          Weitere Themen

          Letzte Fragen zu den Bühnen

          Schauspiel und Oper Frankfurt : Letzte Fragen zu den Bühnen

          Offene Fragen zum Neubau der Städtischen Bühnen in Frankfurt soll nun die zuständige Stabsstelle beantworten. Die Koalition im Römer will auf dieser Grundlage über einen neuen Standort entscheiden.

          Aufbau, Anfang, Angst

          F.A.Z.-Hauptwache : Aufbau, Anfang, Angst

          Die Bauarbeiten am Frankfurt Goetheturm haben begonnen. Enrico Schleiff ist der neue Präsident der Goethe-Universität. Die Belegschaft von Karstadt an der Zeil kämpft um ihre Arbeitsplätze. Das, und was heute sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Topmeldungen

          In der Corona-Krise sind viele Unternehmen auf Hilfe vom Staat angewiesen.

          Gelder für Unternehmen : Das Risiko der Corona-Beihilfen

          Mit den Beihilfen für Unternehmen kam auch die Erleichterung bei vielen deutschen Geschäftsführern. Doch die Zahlungen sind an strenge Auflagen gebunden – vieles kann dabei schiefgehen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.