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Der Wandertipp für Rhein-Main : Bizarre Bäume, beste Aussichten

  • -Aktualisiert am

Kurioser Anblick: Ein Baum auf dem Weg zur Hallgarter Zange. Bild: Thomas Klein

Durch endlose Wälder im Naturpark Rhein-Taunus geht es hinauf zum höchsten Blickpunkt im Rheingau. Die Hallgarter Zange lockt nicht nur mit schöner Aussicht.

          4 Min.

          Wer sich durch die Büsche schlug, dem drohte die Todesstrafe. Schon das Sammeln von Früchten oder Holz wurde mit Geldbußen belegt. Jeglicher Frevel am sogenannten Rheingauer Gebück wurde streng geahndet, galt doch dieser bis zu 60 Meter breite Naturwall als Lebensversicherung der rechtsrheinischen Region unter Ägide der Mainzer Erzbischöfe.

          Tatsächlich gedieh der weingesegnete Landstrich im Schutz der undurchdringlichen Vegetationsmauer prächtig und ging den Kurmainzern nie verloren. Wahrscheinlich kamen sie im 13. Jahrhundert auf den Gedanken, ihre „Goldene Gans“ nach Vorbild von Landwehren zu schützen. Nur eben eine Nummer größer. Das Gerüst bildeten die Äste dicht gesetzter Buchen, die zum Boden gezogen („gebückt“) und miteinander verflochten waren. Dazwischen schlängelten sich dichte Ranken von Stechpalmen, Schlehen, Weißdorn, Hagebutten, Brom- oder Himbeeren. Der Dschungel konnte nur an wenigen Stellen für den kleinen Grenzverkehr passiert werden, so an der spätgotischen Mapper Schanze. Dahinter wächst seit 35 Jahren eine 50 Meter lange Nachpflanzung. Noch weit entfernt von der ursprünglichen Intention, lässt sie erahnen, dass Generationen bis zur vollen Entfaltung der grünen Mauer wirkten, von ständiger Hege und Pflege durch die – zwangsverpflichteten – Anrainer nicht zu reden.

          Und doch war es ein vergeblicher Aufwand. Mit zunehmender Feuerkraft büßte der Verhau an Bedeutung ein und wurde erstmals 1631 militärisch durchbrochen. Danach verwilderte er, ehe ihn die Erzbischöfe 1770 zur gefälligen Bedienung freigaben. Lediglich in entlegenen Ecken wie dem Naturschutzgebiet Wolfsrück bei Schlangenbad- Hausen überdauerten einige Baumveteranen; gut auszumachen am stelzen- oder harfenförmigen Wuchs, während andere zu bizarren Gebilden verschlungen sind.

          In gewisser Weise erfüllen die endlosen Wälder der Rhein-Taunus-Berge noch heute eine Schutzfunktion: Als Klimaregulator und Wasserspeicher bürgen sie für die Qualität der Rheingauer Weine. Einer der besten Punkte, um das Rebenmeer zu überschauen, ist die 580 Meter hohe Hallgarter Zange – bequemerweise mit Fahrstuhl, der in die sechste Etage eines Aussichtsturms trägt. Auch sonst tat sich viel Positives auf der Zange, nachdem das Anwesen fast 20 Jahre lang als Investitionsruine darniederlag. Ein tatkräftiges Gastronomenpaar erweckte nicht nur Turm und Einkehr, jetzt gibt es auch einen ausgedehnten Kletterpark mit langen Seilrutschen. Der Lift hält übrigens auch in der Etage Standesamt – selbst Heiraten darf man nun auf dem höchstgelegenen Wohnplatz im Rheingau.

          Wegbeschreibung

          Autofahrer finden von Kiedrich kommend vor dem Ort eine geräumige Stellfläche, benannt nach der Förster-Bitter-Eiche. Dort steht eine der 20 Begleittafeln des Gebückwegs, daran erinnernd, dass auch an diesem wichtigen Taunuspass der Naturzaun für ein Bollwerk unterbrochen war. Los geht es in westliche Richtung. Neben dem Gebückweg-Symbol schwarze, gegeneinander gebeugte Äste laufen verschiedene Zeichen mit, darunter das blaue X. Sie bleiben beim Rechtsschwenk des Gebückwegs nach gut einem Kilometer zurück; 250 Meter unterhalb geht es nach links und 300 Meter weiter nach rechts in das Schutzgebiet Wolfsrück.

          Als bildeten sie die phantasievolle Kulisse einer Theaterinszenierung, überziehen in lockerer Aufstellung verwachsene Bäume den Hang. Die schweren Stürme der vergangenen Jahre haben ihnen zugesetzt, aber noch widerstehen sie und einige Solitäre, wie zu erkennen ist, nachdem die Markierung vor der Schutzhütte rechts abbog und etwas tiefer links die Waldwiese kreuzte. (1)

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