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Der Wandertipp für Rhein-Main : Arm im Taunus

  • -Aktualisiert am

Ein Blick in die grüne Weite. Bild: Thomas Klein

Wie aus dem abgeschiedenen Dorf der Nagelschmieden ein beliebter Wohn- und Wanderort wurde. Die teils seilen Aufstiege belohnen mit einem prächtigen Blick.

          3 Min.

          Nicht ohne Stolz nennt sich die Taunusgemeinde Schmitten „Dorf der Nagelschmieden“. Das empfand man vor einiger Zeit noch anders. Die windschiefen Katen, in denen zehnköpfige Familien über engen Werkstätten lebten, konnten nach dem Ende handgefertigter Nagelherstellung gar nicht rasch genug abgeräumt und jede Erinnerung an die ärmliche Vergangenheit bis ins späte 19. Jahrhundert gelöscht werden. Landwirtschaft gab in den Höhen von mehr als 400 Metern wenig her, und nur dank Graf Casimir Waldbott von Bassenheims Initiative zur Wiederaufnahme des (Nagel-)Schmiedens um 1720 hatten die Menschen im abgelegenen Weiltal Arbeit.

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          Aus der Abgeschiedenheit erwuchs ein Fluchtpunkt. Seit der 1868 gegründete Taunusklub Wege und Infrastruktur bahnte, entdeckten die Städter eine noch weitgehend unberührte Landschaft mit sauberer Luft, Gasthöfe und Unterkünfte entstanden. Heutige Ausflügler sind üblicherweise Tagesgäste. Nach allen Seiten finden sie Ziele, gipfelnd im Großen Feldberg und dem Pferdskopf.

          Wegbeschreibung

          Von der Bushaltestelle „Kirche“ im Zentrum Schmittens geht es in die gegenüber abzweigende Schillerstraße und aus dieser rechts zur Seelenberger Straße. Dort nimmt man die Markierung schwarzer Punkt auf, womit durch eine kleine Anlage das Steigen beginnt. Autofahrer stoßen oberhalb davon hinzu, so sie die öffentliche Stellfläche am Rathaus nutzen (Zufahrt über Fresenius- und Parkstraße) oder auch sonntags vom zentralen Supermarkt-Parkplatz. Ohne Unterlass kraxeln wir zwischen Eigenheimen bergan – dabei einen abkürzenden Grasschlupf beachtend –, bis wir in verwilderten Obstgärten und dann im Wald per Serpentinen hinauf geleitet werden. Erst an der vielarmigen Kreuzung Weißer Stein mit Schutzhütte lässt sich verschnaufen. Dort wechselt man rechts zum schwarzen Ring. Ihm obliegt die Führung über einen Höhenweg. Nach gut 1500 Metern teilt sich der Weg. Für eine etwas kürzere, weniger steile Variante auf den Pferdskopf kann man beim Ring verbleiben; ansonsten links mit mehreren Naturpark-Zeichen, darunter braunes Eichhörnchen und grünes Eichenblatt. Sie begleiten ausgangs der felsgesäumten Passage hoher Buchen gut einen Kilometer später rechts allein weiter. Dabei tritt der Wald zurück zugunsten ungehinderter Blicke zum von der Burg gekrönten Altweilnau.

          Bevor der 1987 erstellte Holzturm auf dem Pferdskopf die Aussichten noch steigert, eröffnet nach 400 Metern der asphaltierte Weg links in die Wiesen einen Abstecher zu dem frei in 540 Meter Höhe liegenden Dörfchen Treisberg. Es besitzt zwei Gasthäuser und ein altes Fachwerk-Schulhaus. Zurück dann geradeaus mit dem schwarzen X bis zum Parkplatz am Waldrand, rechts und nach 200 Metern links in den Hang eingestiegen (spart man Treisberg aus, dort also rechts).

          Zwischen ausladenden Jungbäumen weist ein steiler Schlängelpfad auf den Pferdskopf. Das Gipfelglück machen aber erst die 150 Stufen zur Turmspitze perfekt. Nur sie überragt das Buchengrün und öffnet das großartige Panorama vom Großen Feldberg über den Hoherodskopf bis zum Dünsberg nahe Gießen.

          Das X führt dann links 500 Meter abwärts zu einem Querweg mit Richtungspfosten, an denen der schwarze Zeiger aufgenommen wird. Es sei denn, der Rückweg soll kürzer sein; dann bleibt das X maßgeblich. Mit dem Zeiger biegt es links ab, um sich gleich rechts davon zu lösen. In den teils dichten Wäldern verlässt es mehrfach die Forstwege, später fast nur noch über Schlängelpfade bis ins Weiltal.

          Der Hauptweg schwingt dagegen in weiten Bögen hinunter. Zu beachten ist nach gut einem Kilometer die scharfe Linkskehre und vor allem 300 Meter danach der Rechtsabzweig in einen holprigen Pfad. Er schließt über 700 Meter das letzte Stück zum gehobeneren Außenbereich von Brombach. An der mächtigen, zu Luthers 400. Geburtstag 1883 gepflanzten Eiche queren wir die Weiltalstraße und kurz dahinter rechts weiter.

          Bald schon werden die nächste Landstraße und der Aubach gekreuzt und leicht links am Wiesenrand entlang, ehe wir nach wenigen Metern spitzwinklig rechts den Zeiger verlassen und der Ausschilderung nach Dorfweil folgen. Mit dem hinzugetretenen weißen L läuft man unterhalb der hochaufragenden Pfarrkirche quer durch den Ort (Ringstraße) und dann nochmals in Wald am Steilhang des Schellenbergs. Unvermittelt stehen wir schließlich vor der Schutzhütte am Wiegerfels.

          Zur Erinnerung an den verdienstvollen Arzt, der 1883 einen Kurverein gründete, hätte man keinen besseren Platz für einen Gedenkstein finden können: Fast über das gesamte, weit die Hänge hinaufgekletterte Schmitten reicht die Sicht. An der vorgelagerten Pfarrkirche im neugotischen Stil kommen wir nach raschem Schlussabstieg unmittelbar vorbei. Rechts an der Ausfallstraße gen Dorfweil blieben einige später veränderte Häuschen der Nagelschmiede erhalten.

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