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Der Wandertipp : Wein in besonderer Lage

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Die Trauben hängen und das nicht zu hoch: Ein Weinlehrpfad erläutert Hintergründe zum Weinbau an der Bergstraße. Bild: Frank Röth

Weit entfernt und doch verbunden – die „Odenwälder Weininsel“ trägt zum guten Ruf des Anbaugebietes Hessische Bergstraße bei. Ein Lehrpfad erläutert die Gründe, die im Traditionsbewusstsein wurzeln.

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          Als sich vor 50 Jahren das Weinbaugebiet Hessische Bergstraße von seinem badischen Teil löste, wusste man in Groß-Umstadt nicht so recht, wohin. Stolz nennt es sich schließlich Odenwälder Weininsel, weil ohne räumliche Bindung zu den nächstliegenden Anbaugebieten an Rhein und Main. Um nicht ins Hintertreffen gegen die damals entstehenden Großlagen zu geraten, wählten die Umstädter die 30 Kilometer entfernte Bergstraße. Dort sah man nach Qualität und Quantität („klein, aber fein“) den Eigenanspruch am Besten aufgehoben.

          Bei Wahrung einer gewissen Selbständigkeit ist man mit dieser Entscheidung wechselseitig offenkundig gut gefahren. Die Odenwälder Reben stellen etwa ein Siebtel der 440 Hektar Gesamtfläche der Hessischen Bergstraße, jedoch rund ein Viertel der prämierten Weine. Ihrer Qualität kommt der wärmespeichernde Untergrund aus Gneis oder Quarzporphyr mit mineralreicher Lössauflage zugute. Sie verleihen den Gewächsen eine kräftige Note, insbesondere Rotweine sind deshalb begehrt. Den Großteil machen aber noch immer Müller-Thurgau, Silvaner und bei knapp einem Drittel Riesling aus.

          Im Nebenerwerb tätige Winzer

          Ein aufwändiger Lehrpfad durch die mit 34 Hektar größte Lage Herrnberg an der Sonnenseite des 260 Meter hohen Hainrichsberg kennt die Zusammenhänge von Bodengüte und Ertrag, und er weiß die Arbeit der gut 100 überwiegend im Nebenerwerb tätigen Winzer zu würdigen. Dass die Ernte an die 1959 gegründete Winzergenossenschaft gehen kann, gibt ihnen das materielle Unterpfand für ein nicht zuletzt ideelles Bewusstsein, zum Erhalt eines seit den Römern nachweisbaren Kulturerbes beizutragen. Die 1968 unter der spätgotischen Stadtkirche entdeckte Villa Rustica barg eine vollplastische Traubendarstellung. Sie hängt heute im hinteren Langhaus.

          Trotz wechselvoller Geschichte, die Groß-Umstadt zwischen den Einflussgebieten von Hanau, Hessen und der Kurpfalz häufig Drangsale auferlegte, gelang es, den Weinbau aufrechtzuerhalten – sogar gegen eingeschleppte Schädlinge im späten 19. Jahrhundert. Zu ihrer Bekämpfung wurden, wie der Lehrpfad weiß, Wasserhäuschen errichtet, um in Zisternen Regenwasser für eine Lösung aus Kupfersulfat und Kalkmilch zu sammeln. Aus diesen Notbehelfen gingen die zum Markenzeichen gewordenen, individuellen Weinbergshäuschen hervor.

          Dies ist das Pfälzische Schloss. Wie die meisten war es ein Verwaltungssitz.
          Dies ist das Pfälzische Schloss. Wie die meisten war es ein Verwaltungssitz. : Bild: Thomas Klein

          Die unterschiedlichen Besitzverhältnisse früherer Tage schlugen sich in sieben Schlössern und Adelshöfen nieder. Sie sind überwiegend bewahrt und wie zuletzt das Wambolt‘sche Schloss aus dem 17. Jahrhundert prachtvoll saniert. Es erstrahlt ebenso in warmen Cremetönen wie das Renaissance-Rathaus am Marktplatz. Seine reiche Gestaltung zeugt von einer selbstbewussten Bürgerschaft, die nicht nur hinter den herrschaftlichen Bauten zurückstehen wollte. Sie signalisierte mit den Figuren Justitia, der Gerechtigkeit, und Prudentia, der Klugheit, am Dachfirst, dass hier auch unbestechlicher Geist waltet – wo er noch heute regiert.

          Wegbeschreibung

          Beim Start vom Bahnhof gelangt man durch die St.-Peray- und Carlo-Mierendorff- zur Realschulstraße, wahlweise dann mit Pfälzer- oder Curtigasse, vorbei am Wambolt‘schen Schloss, zum Marktplatz. Seine Weite lässt Stadtkirche und Rathaus nur noch beeindruckender wirken. Autofahrer finden keine zwei Gehminuten entfernt hinter dem Darmstädter Schloss einen großen Parkplatz.

          Mit dem Zeichen gelber Doppelstrich lässt man den Marktplatz durch die fachwerkgesäumte Untere Marktstraße zurück. Sie endet an einer Kreuzung, schräg gegenüber weiter in der Straße Am Steinborn, vorbei am Friedhof, übergehend in einen ansteigenden Hohlweg. Er leitet in die ersten Rebzeilen, nur unterbrochen vom südafrikanischen Restaurant Farmerhaus. Einige Schritte dahinter werden wir rechts in den Weinlehrpfad eingewiesen. Der befestigte Weg leitet per Linksbogen in den von bunter Sortenfolge geprägten Hang und dann geradeaus auf das nahe Wäldchen zu, vor dem man mit gelber Ziffer 4 rechts einschwenkt.

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