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Der Wandertipp : Rätsel um Bilder und Bäume

  • -Aktualisiert am

St. Katharina in Schöllkrippen: Im Chor ist die einzigartige Bildplatte aus dem Frühmittelalter angebracht, die germanische und christliche, sakrale und profane Zeichen vereint Bild: Thomas Klein

Im Kahlgrund stehen Abertausende Obstbäume. Kinder erraten deren Früchte auf einem Erlebnispfad, während eine mittelalterliche Bildplatte Fragen aufwirft.

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          Der Kahlgrund, dieses anmutige Tal im nordwestlichen Spessart, zeigt im Frühjahr und Herbst seine schönsten Seiten, wenn sich Abertausende Obstbäume entfalten, erst zur Blüte, dann zur Reife. Viele der rund 120 lokalen Fruchtsorten wurden eigens für die topographischen Gegebenheiten kultiviert. Sie sollten ergiebig und vor allem wegen der Hanglagen standfest sein. Im landwirtschaftlich besser geeigneten oberen Tal um Schöllkrippen mustern dagegen Apfel-, Birn- oder Kirschbäume optisch reizvoll Feldwege und Äcker. Selbst im Gelände eines „Streuobst-Erlebnispfades“ ist man fern jeden plantagenartigen Anbaus.

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          Zugunsten ihrer Bedeutung für die Artenvielfalt tritt bei älteren Beständen die gewerbliche Nutzung zurück. Lange vernachlässigt, schützt man nun aufwändig Wiesen und Bäume, damit Insekten bessere Bedingungen haben, von denen wiederum die in und auf den Stämmen nistenden Vögel leben. Einsichtig wird dies an einer der 14 kindgerecht gestalteten Stationen des gut zwei Kilometer langen Erlebnispfades. Statt zu tasten, zu lauschen oder zu rätseln soll hier zum Verständnis der Nahrungskette von Holzstange zu Holzstange gehangelt werden.

          Von achteckigem Turm gekrönt

          Früh schon war der Kahlgrund besiedelt und christianisiert. Das heißt, noch nicht ganz. Zumindest legt das eine Sandsteinplatte nahe, die 1958 bei Renovierungsarbeiten unter dem Altar der Pfarrkirche St. Katharina zum Vorschein kam. Auf dem gut einen Meter hohen Bildwerk fanden sich Runen, Radkreuze, Zierbänder, Dreiecke und selbst ein Mühlespiel. Nach jahrelanger Forschung nimmt man an, dass gleichrangig germanische und christliche, sakrale und profane Zeichen dargestellt sind. Doch Fragen bleiben, da nichts Verwandtes aus dem frühen Mittelalter bekannt ist.

          Zur Machtdemonstration geriet dann der Kirchenneubau um 1300. Wie bei einem romanischen Dom krönt ein achteckiger Turm die – nicht zur Ausführung gekommene – Vierung. Originalgetreu wurden die Querhäuser erst 1964 angefügt. Kaum minder wuchtig geriet die im 15. Jahrhundert erbaute Kirche St. Lukas. Ihr quadratischer Turm mit Auslug-Erkern und steinernem Dachaufsatz erinnert eher an den Bergfried einer Burg. Tatsächlich sollte er das damals von Kurmainz erbaute Schloss schützen.

          Von der Bedeutung des fruchtbaren Kahlgrundes zeugen auch die Kirchen, hier die gotische, später erweiterte St. Katharina bei Schöllkrippen
          Von der Bedeutung des fruchtbaren Kahlgrundes zeugen auch die Kirchen, hier die gotische, später erweiterte St. Katharina bei Schöllkrippen : Bild: Thomas Klein

          Ob das auch für den Ringwall am kegelartigen Reuschberg galt, musste trotz mehrerer Grabungen unbeantwortet bleiben. Die später Altenburg getaufte Feste gilt zwar als mittelalterlich, dürfte aber kaum zur Bewachung von Obstbäumen errichtet worden sein.

          Wegbeschreibung

          Schon nach wenigen Metern vom Bahnhof aus steht man im älterem, von der Lukaskirche dominierten Teil Schöllkrippens. Hier gibt es auch einen Parkplatz. Spätestens jetzt sichtet man die blaugelben Signets eines Spessart-Kulturweges. Hinter der Kirche führen sie in den Garten des Schlösschens (heute Rathaus), wobei sie eine Sammlung bis ins 17. Jahrhundert reichender Grenzsteine berühren.

          Soll die Schleife zur Katharinenkirche ausgelassen werden, geht man mit der Markierung S 2 noch davor auf die Lindenstraße und dann nach links (An der Hohle). Am Ortsausgang links, rechts und durch den Grünzug auf die Höhe. Die als Rundweg geführte Kombination gilt auch von St. Katharina an, nachdem es vom Schlossgarten weiterging: kurz in die Aschaffenburger Straße, dann nach links Am Gewann und rechts auf den Fußweg, überwechselnd zur Rosenstraße. Das Gotteshaus steht offen, der Bildstein ziert den zugänglichen Chor.

          Davor geht es mit besagtem S 2 etwas bergan und dann halblinks in offene Flur. Nach 700 Metern heißt es zweimal links, anschließend rechts zu der Landstraße voraus. Vereint mit den Abkürzenden wird gegenüber – ohne Zeichen – auf dem breiten Feldweg zum etwas unterhalb liegenden Startpunkt des Streuobstpfades gelaufen.

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