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Der Wandertipp : Störche am Strom

  • -Aktualisiert am

Nur eines der rund 80 Tiere, die aktuell die größte Storchenkolonie Hessens bei Wiesbaden-Schierstein bevölkern. Der Nachwuchs noch nicht mitgezählt. Bild: Thomas Klein

Der Storch ist wieder da. Eine der Erfolgsgeschichten schreibt man am Rhein, wo die größte Kolonie des Landes erwuchs. Sehenswert sind auch Bauten und die „Blutlinde“ in Frauenstein.

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          Wer baut das höchstgelegene Nest? Selbst auf den 28 Meter hohen Strommasten am Rheinufer zwischen Walluf und Schierstein haben sich Weißstörche niedergelassen. Allerdings nicht zufällig. Die Leitungstrasse führt durch ein 110 Hektar großes Feuchtgebiet zur Gewinnung von Trinkwasser. Seit Mitte der siebziger Jahre lebt dort eine stetig wachsende Storchenkolonie, nachdem Naturschützer dem ausgebliebenen Kinderboten Nistplätze und Nahrung geboten hatten.

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          Bis heute betreuen die nun im Verein Storchengemeinschaft wirkenden Ehrenamtlichen die Vogelschar. Zugefüttert wird aber schon lange nicht mehr. Holzpodeste werden nach Bedarf aufgestellt. Die besiedelt Ciconia ciconia, so der lateinische Name der Weißstörche, nur bei starkem Andrang wie in diesem Jahr mit gut 40 Paaren. Lieber setzen die Vögel ihre wagenradgroßen Behausungen auf die Toppen der Gittermasten oder in die mächtigen Platanen und Pappeln ringsum. Einige liegen so dicht am Spazierweg, dass man bei Nestbau und Versorgung der Jungen zuschauen kann. Für das Beobachten des Binnengeländes empfiehlt sich allerdings ein Fernglas.

          Mehr als 3000 Tiere sind insgesamt dort schon geschlüpft, wovon gut ein Drittel beringt wurde zum Nachverfolgen der Zuggewohnheiten. Bis Südspanien und Westafrika geht die Reise, wobei entgegen landläufiger Vorstellung die Fluktuation hoch ist. Jedes Jahr tauchen neue Paare auf, und selbst in Frankreich und Holland scheinen Störche zu wittern, dass sich der Flugradius dank des üppigen Nahrungsangebotes in den Rheinauen (mit großer Reiherkolonie) sowie den insektizidfreien Wiesen beschränken lässt. In den Hanglagen der Wingerte und Streuobstwiesen der Umgebung würden Störche auch weniger fündig.

          Ein- und Aussichten vom Holzturm

          Zu Goethes Zeiten sah das Landschaftsbild nicht wesentlich anders aus. Seine Rheingau-Eloge der „hochgesegneten Gebreiten“ steht für die Eindrücke, die er während der Wiesbadener Kuraufenthalte 1814 und 1815 sammelte. Hochgestimmt werden mehrere Werke vollendet, er besucht das Sankt-Rochus-Fest in Bingen und die Brentanos in (Oestrich-)Winkel, und auf der Fahrt am 6. Juli 1815 nach Frauenstein erforscht er das Quarzit-Riff Spitzer Stein. Grund genug, dort anlässlich seines 100. Todestages 1932 eine dreiseitige Pyramide, genannt Goethestein, zu errichten.

          In Anlehnung an Goethes Lebensmotto sticht die dreiseitige „Pyramide“ auf dem Spitzen Stein 13 Meter in die Höhe. Sie erinnert an seinen Besuch 1815.
          In Anlehnung an Goethes Lebensmotto sticht die dreiseitige „Pyramide“ auf dem Spitzen Stein 13 Meter in die Höhe. Sie erinnert an seinen Besuch 1815. : Bild: Thomas Klein

          Noch besser sind die Ein- und Aussichten vom benachbarten Holzturm. Nun erkennt man das eng ins Tal gedrückte Frauenstein und seine Wahrzeichen kurmainzische Burgruine und spätgotische Georgskirche mit der legendenumwitterten „Blutlinde“ dazwischen. Niemand wagte es je, den etwa 600 Jahre alten Baum zu entfernen, da er einst als Sühne für ein Verbrechen gepflanzt worden sein soll. Bricht auch nur ein Ast ab, entströmt ihm Blut, heißt es. Vor realen Verletzungen wird die einstige Gerichtslinde jetzt mit allem geschützt und gestützt, was moderne Baumpflege vermag.

          Wegbeschreibung

          Mit Beginn am Schiersteiner Bahnhof geht man mit einem Zubringer des Rheinsteigs – gekennzeichnet von einem R auf gelbem Grund – 300 Meter entlang der Gleise bis zum Auftreten der (blauen) Hauptroute. Sie leitet sicher durch Seitenstraßen zur großen Kreuzung vor der Hafeneinfahrt (Kleinaustraße); an ihrem Ende findet sich ein Parkplatz, allerdings mit begrenzter Kapazität. Oder man läuft quer durch Schierstein. Nach Freudenberg- und Reichsapfelstraße gelangt man über die Bernhard-Schwarz-Straße im älteren Teil, vorbei an der hochaufragenden Christophoruskirche mit reicher Rokoko-Ausstattung, zum Rhein.

          Aus dem im 19. Jahrhundert entstandenen Fischer- und Industriehafen wurde längst ein Wohn- und Freizeitdorado, das ringsum begehbar ist. Der Rheinsteig führt rechtsseitig vorbei. Ihn verlässt man, wenn man auf den breiten Weg zwischen Uferbiotop und den Feuchtwiesen der Trinkwasser-Aufbereitungsanlage einbiegt.

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