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Der Wandertipp : In der Höhle des Drachen

  • -Aktualisiert am

Ein versteinerter Drache? Bild: Thomas Klein

Bekämpfte Siegfried den Drachen im Nibelungenlied an der rußgeschwärzten Drachenfels-Höhle? Auf Antwortsuche geht es in die Tiefen des Pfälzerwaldes, um dann römische und mittelalterliche Spuren zu finden.

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          Noch ein Abenteuer ist mir von ihm bekannt: / Einen Linddrachen schlug des Helden Hand; / Als er (Siegfried) im Blut sich badete, ward hörnern; seine Haut / So versehrt ihn keine Waffe, das hat man oft an ihm geschaut.“ Fast beiläufig erwähnt das Nibelungenlied einen der berühmtesten Topoi deutschsprachiger Literatur – im Heldentum liegt die Tragik des Untergangs angelegt. Wo aber fand der Kampf mit dem Drachen statt, und wo wurde Siegfried trotz vermeintlicher Unverwundbarkeit vom heimtückischen Hagen niedergestreckt?

          In seiner Mischung aus Fakten und Fiktion lässt das hochmittelalterliche Versepos an einen realen Hintergrund denken, ist jedoch vage genug, der freihändigen Lokalisierung ein weites Feld zu eröffnen. Wenn schon Pfälzerwald und Odenwald als der edlen Recken liebstes Jagdrevier genannt werden, warum soll Siegfried dann nicht auch dort im Drachenblut gebadet und sich von seiner verletzlichsten Seite gezeigt haben?

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          So beanspruchen gleich vier Odenwald-Gemeinden den Mordort und wenigstens zwei im Pfälzerwald den Drachenkampf. Namentlich die Höhlung am Drachenfels westlich von Neustadt an der Weinstraße ist so recht dazu angetan, fauchende Ungeheuer und Helden mit magischen Schwertern zu imaginieren: Rußgeschwärzt zeigt sich die tief ausgewaschene Nische an der Ostseite des gewaltigen, in der Abendsonne blutrot glühenden Sandstein-Monolithen.

          Tiefe Brunnen

          Vielleicht suchten dort bereits Frühmenschen Schutz, gewiss aber Römer im unruhigen 4. Jahrhundert, als sie unter größten Anstrengungen das 13 Hektar große Plateau zu einer mauergesicherten Fliehburg ausbauten. Das machte den mit 570 Metern höchsten Felsrücken im Pfälzerwald faktisch uneinnehmbar, allerdings dürfte die schwierige Wasserversorgung eine dauerhafte Besiedlung verhindert haben.

          Schon bei gewöhnlichen Burgen mussten tiefe Brunnen gegraben werden, erst recht natürlich für die auf hohem Fels stehenden Pfälzer Gemäuer. Nicht anders bei Burg Neidenfels über dem engen Tal des Hochspeyerbachs, deren Wehrbauten regelrecht dem Untergrund zu erwachsen scheinen. Vergleichsweise spät um 1330 durch Kurpfalz errichtet, leistete man sich schon den Luxus eines runden Treppenhauses. Halbschalenförmig restauriert, schillert der sauber geglättete Sandstein so nuancenreich in allen Rottönen, dass sich Verputz erübrigte.

          Wegbeschreibung

          So tief Neidenfels in den Wäldern liegt, ist es infrastrukturell durch Bundesstraße und Bahn doch bestens angebunden. Selbst die S-Bahn stoppt dort. Von der Station gelangt man jenseits der Staatsstraße (B39) zum Bürgerhaus mit öffentlichem Parkplatz, an dem das Zeichen roter Strich links in die Kirchstraße aufgenommen wird.

          Vorbei am Namensgeber, den beiden erst im frühen 20. Jahrhundert erbauten Pfarrkirchen, dann rechts in die Vordertalstraße, weiter links durch Dorfstraße und Mühlweg und schließlich mit der Hintertalstraße rechts ansteigend zum letzten Gebäude, dem Vereinsheim der Neidenfelser Sektion des Pfälzerwald-Vereins.

          Die Aktiven nicht nur dieser Ortsgruppe haben bei der Modernisierung der pfälzischen Wanderwege in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Über die schon immer sehr gute Zeichensetzung per Pinsel hinaus, sind es nun häufig Plastikschildchen und aufwendige Richtungspfosten für Qualitätswege wie den Weinsteig, die angebracht und gepflegt sein wollen. Aktuell kam ein Hüttensteig hinzu.

          Parallel zum roten Strich verläuft er auf unserem ersten Wanderabschnitt munter bergan bis zur Pottaschhütte und wieder abwärts zur Schutzhütte an den Sieben Wegen. Dort verlassen wir beide zugunsten des blauen Strichs in Richtung Drachenfels. Auch er ist auf vielarmigen Pfosten mit metergenauen Entfernungsangaben angezeigt, schließlich gibt es einen weiteren neuen Pfad, der, wie könnte es anders sein, Drachenweg heißt.

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