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Wandertipp : So sandig wie sumpfig

  • -Aktualisiert am

Schick: Nach umfassender Renovierung präsentiert sich die benachbarte Försterei in neuem Glanz. Bild: Thomas Klein

Es gibt sie noch, kaum zersiedelte Naturreservate in Großstadtnähe – eines wie die Bulau bei Hanau. Den Kern bilden die Kinzig und Altarme des Mains.

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          Selbst im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet gibt es noch Gegenden, die ein Stück Urtümlichkeit bewahren. Die Bulau bei Hanau ist ein solches Areal, das sich trotz einiger Verkehrs- und Stromtrassen über rund 600 Hektar dank seines gleichermaßen sandigen wie sumpfigen Untergrunds der Urbarmachung entzog. Den Kern bilden die Kinzig und Altarme des Mains mit ihren Erlenbruchwäldern, wogegen auf den trockenen Böden der Randbereiche außer Kiefern und Eichen wenig wächst.

          Das morastige, aber baumärmere Terrain zog früh schon Menschen zum Jagen und Fischen an, und auch den unerschrockenen Römern konnte es kein ernsthaftes Hindernis sein. Zu günstig lag die Strecke zwischen Rückingen und Großkrotzenburg, um nicht hier den aus der Wetterau kommenden Limes an der südlichen Fortsetzung entlang des Mains anzudocken. Entsprechend waren die strategischen Punkte durch 500 Mann starke Kohortenkastelle gesichert, flankiert durch kleinere Militärlager wie Neuwirtshaus, dessen Reste im Dickicht zu finden sind.

          Ehedem ein Baustofflager

          Dringt man tiefer in den Wald, tauchen weitere Mauerreste und ein passabel erhaltener Turm auf. Dass es sich um Reste eines Klosters handelt, würde man kaum vermuten, informierte nicht eine großformatige Tafel. Demnach ging die kleine Servitenabtei aus einer von Erasmus Hasefus 1468 gestifteten Kapelle hervor, seines Zeichens Forstmeister in Diensten der Hanauer Grafen.

          Aber das Kloster stand unter keinem guten Stern. Zeitweilig wurde es wegen vermeintlich „unsittlichen“ Lebenswandels aufgehoben, ehe es im Bauernkrieg 1525 unterging. Die Reste dienten als Baustofflager, wobei sich mancher Stein im nahen Jagdschlösschen von 1715 wiederfinden dürfte. Heute dient es als Verwaltungssitz des mit 14 000 Hektar größten Forstbetrieb Hessens, dem eine bis 1826 zurückreichende Samendarre zur Gewinnung hochwertiger Baumkeimlinge angeschlossen ist.

          Wegbeschreibung

          Vom Großkrotzenburger Bahnhof – hier oder auch jenseits der Gleise an der Schule gibt es Parkgelegenheiten – beginnt man mit dem Limesweg. Sein schwarzes Wachtürmchen unterquert den Bahndamm und zielt geradeaus in den Forst. Für eine verkürzte Runde lässt sich das Straßendorf Neuwirtshaus an der B 8 nutzen. Dann mit mehreren Markierungen, etwa dem schwarzen B, 300 Meter zu dem Waldspielplatz neben einer Kreuzung. Die hochstämmigen Laubbäume unterbricht bald eine Wiese, unvermittelt in die urwaldartige Zone des 60 Hektar großen Naturschutzgebiet Schifflache überwechselnd. Das Brackwasser mit seinen bizarr verkeilten Stämmen bleibt nach Rechts-links-Schlenkern zurück, und weiter geradeaus, wobei die vielbefahrene B8 gequert wird. Auch der dortige Parkstreifen kann für den Einstieg genutzt werden.

          Ob kurz oder lang, die Varianten treffen an der 300 Meter entfernten Kreuzung mit dem Spiel- und Rastplatz vor auffallend mächtigen Eichen zusammen. Fürderhin bewegen wir uns fast genau auf oder am streckenweise verschliffenen Limes, wie weiß gestrichene Bäume anzeigen, außerdem verrät das Kleinkastell Neuwirtshaus seine Nähe. Im Bereich der nahen Linkskurve gelangen wir bei kurzem Abweichen zu dem 40-Mann-Lager in einer verstruppten Zone. Allerdings blieben kaum mehr als Gräben und ein podestartiger Schutthaufen.

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