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Der Wandertipp : Auf Kirchgang im Bachgau

  • -Aktualisiert am

Die Johanneskirche in Mosbach von 1907; das rechte Querhaus entstammt noch aus der gotischen Johanniter-Kommende. Bild: Thomas Klein

Im Bachgau gibt es zahlreiche Sakralbauten zu bestaunen. Den besten Blick hat man bei einer Wanderung aber von einem Wartturm.

          4 Min.

          Eine stille Region will im linksseitigen Untermaingebiet entdeckt werden. Der sogenannte Bachgau ist ein offener Landstrich, der vom Gersprenztal zum nordöstlichen Odenwald in eine bewegte Topographie übergeht. Zwischen den Erdfalten finden sich Orte, deren Kleinteiligkeit die jahrhundertelange bäuerliche Prägung bewahrt haben. Noch heute werden die fruchtbaren Böden weiträumig beackert.

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          Die bis zur fränkischen Landnahme reichende, ursprünglich doppelt so große Verwaltungseinheit war stets begehrt und umstritten. Die Auseinandersetzungen finden ihren Nachhall in der seit der Napoleonischen Ära vertikal zwischen Hessen(-Darmstadt) und Bayern geteilten Region, die ungefähr der vorausgegangenen Grenzziehung entsprach. Quer hindurch sicherte Kurmainz sein Territorium mit einer gut 20 Kilometer messenden Landwehr, woran als letzter Zeuge der exponiert aufragende Wartturm aus dem späten 15. Jahrhundert erinnert. Er ist zugänglich und öffnet ein weites Sichtfeld vom Spessart bis zu den Frankfurter Hochhaustürmen.

          Ende von Kurmainz

          Entlang dieser Linie verlief später auch die konfessionelle Spaltung. Westlich davon waren die Darmstädter Gemeinden wie Schaafheim protestantisch, südöstlich blieben sie katholisch, nicht ohne seit dem Ende von Kurmainz durch die jetzige hessisch-bayerische Grenze in Konkurrenz zu stehen. Wie es die Zeit erforderte, drückten sich Rivalität und kommunales Selbstbewusstsein im Neubau der Kirchen aus.

          Sieht man von der schon 1840 nach Plänen Georg Mollers geschaffenen klassizistischen Pfarrkirche in Schaafheim ab, machte das bayerische Wenigumstadt den Anfang, das die nach dem Dreißigjährigen Krieg von wallonischen Zuwanderern erbaute Barockkirche nun als eng und unpassend empfand. Nur die spätere Umwandlung zur Feuerwehrstation rettete ihre Außenmauern, wobei man den Turm in Leichtmetall nachbildete und besteigbar machte. Auch das ursprüngliche Kapellchen der Wallonen steht noch.

          Ostentativ setzten die Wenigumstädter ihr 1903 dem heiligen Sebastian geweihte Kirche im neugotischen Sandsteingewand an die Grenze zum hessischen Mosbach. Dessen Antwort ließ nicht lange auf sich warten und kostete es das romanisch-gotische Kleinod der 1806 aufgelösten Johanniter-Kommende. Gegen den Einspruch der Denkmalpflege entstand 1907 die Johanneskirche im historisierenden Gewand neu und – wie bei den Nachbargemeinden – viel zu groß.

          Wenigstens beließ man den zum rechten Querhaus mutierten Chorbereich. Das Doppelgeschoss verrät noch die Besonderheit einer Spitalkirche. Unten wurde gepredigt, und darüber erlaubten Deckenöffnungen den Bettlägerigen die akustische Teilhabe. Schlussendlich wollte auch Pflaumheim nicht abseitsstehen. Dort lehnte man sich 1914 mit einer mächtigen Halle stilistisch an den barocken Vorgänger St. Lucia an, später (1930) gekrönt durch einen im hiesigen Raum ungewöhnlichen Turmaufsatz in Zwiebelform.

          Wegbeschreibung

          Start ist im Ortskern von Mosbach an der Bushaltestelle Raiffeisenbank. Autofahrer haben gegenüber in der Grabenstraße ausreichend Platz. Dieser folgt man, so nicht der Abstecher zur Johanneskirche vorausgeht. Dann rechts und die Obergasse leicht hinan; sehenswert auch das spätbarocke Pfarrhaus und sein hohes Mansarddach.

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