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Der Wandertipp : Freiheits- und Bewegungsdrang

  • -Aktualisiert am

Fürs Weiterlaufen halten wir uns nahe dem Forsthaus rechts über einen Holzsteg unverändert in Wald, wonach wir schon mal das hinzugetretene schwarze Dreieck im Auge behalten. Ihm ist sich anzuschließen, wenn die drei Markierungen bald auseinanderstreben. Das ändert nichts am fast ebenen Weg durch luftigen Forst. Erst einsetzendes Bergab deutet auf einen Szenenwechsel.

Allenthalben Fachwerkgehöfte

Unvermittelt steht man vor dem fruchtbaren Übergangsgebiet von Wetterau und Hüttenberger Land, hinter dem sich wie ein Vulkankegel der Dünsberg erhebt. Im Vordergrund zieht uns Ebersgöns an, ein Ort, der mit abgeschlossenen Fachwerkgehöften kaum typischer für die Region sein könnte. Auch freistehende Gebäude sind in Holz gehalten, und selbst dem Pfarrkirchlein wurde eine hölzerne Außentreppe angesetzt.

Gerade haben wir es in der Straße Zum Weißen Stein passiert, heißt es sich auf einen Farbwechsel einstellen - das rote Dreieck löst das schwarze ab. Mit ihm verlassen wir rechts hinaus (Zur Pfingstweide) zwischen großzügigen Eigenheimen den Ort; zunächst durch Felder, dann erneut unter stattlichen Bäumen.

Verbund mit dem Limeswanderweg

Eine Weile ändert sich am Geradeaus wenig, ehe nahe einer Streuobstwiese rechts abgebogen wird. Das bedeutet noch etwas Hinan, ehe ab dem Linksknick 500 Meter weiter Gefälle bis zu den Neubauten am Rande Butzbachs einsetzt. Davor schwenkt das Dreieck im Verbund mit dem Limeswanderweg rechts ein und führt zwischen Wald- und Grundstücksrand entlang, um schließlich nach 700 Metern den gut sichtbaren Limes zu queren.

Die Zeichen umgehen ihn oberhalb; man kann und darf auch über die Wallkrone auf den Schrenzer steigen, endend vor einem bereits 1957 nachgebildeten Wachturm samt Palisade. Größe und Lehm-Reisig-Gefache entsprechen kaum mehr heutigem Erkenntnisstand, dennoch bleibt er unverändert, da als „wichtiges Zeugnis aus der Frühzeit archäologischer Rekonstruktion“ geltend, wie es auf einer Erläuterungstafel heißt.

An der großartigen Aussicht ändert diese Einschätzung ohnehin nichts. Quasi mit dem strategischen Blick der Römer über Wetterau und Vogelsberg laufen wir abwärts zum Gedenkstein für Friedrich Ludwig Weidig und rechts zu den Parkplätzen oder weiter die Kleebergstraße hinunter und rechts (Nussallee) gen Bahnhof. Es lässt sich natürlich auch wie gekommen in der Taunusstraße zurückkehren.

Sehenswert

Der Dreiklang aus Kirchen, Schloss und denkmalgeschützten Fachwerkbauten zeichnet Butzbach aus. Vom großzügigen Markplatz mit dem Alten Rathaus von 1560 und weiteren, teils reich gezierten Häusern erreicht man die Bauwerke ringsum. Etwas versetzt dahinter stehen die spätgotische Michaelskapelle, das einstige Beinhaus, und die im 15. Jahrhundert zur Hallenkirche geweitete St. Markus.

Ungewöhnlich sind die Schaugiebel und der Dreifachchor für den Orden der „Kugelherren“ sowie im Inneren Gruft und Grabmal des ersten und einzigen Landgrafen Hessen-Butzbachs, Philipp III. (1581 bis 1643).

Ferner stehen noch 150 Meter der Wehrmauer, die nach der Stadtrechtsverleihung 1321 errichtet wurde, und die ab 1440 erbaute, mit spätgotischem Altar ausgestattete Wendelinskapelle; eine der bedeutendsten Fachwerkkirchen Hessens. Oberhalb der Stadt, am Schrenzer, verlief der dort gut erhaltene römische Limes.

Daten

Länge: 13 km, ab Schrenzer 10 km (jeweils ohne Stadtrundgang)
Höhenmeter: 220
Karte: Hintertaunus Ost, Maßstab 1:25.000, Verlag NaturNavi

Anfahrt

Über die A 5 bis Ausfahrt Butzbach und zum zentrumsnahen Kreisel, ab dem Schrenzer und das dortige „Bad“ ausgeschildert sind. – Aus Richtung Frankfurt bestehen einstündig Bahnverbindungen, weitere bei Umsteigen in Friedberg.

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