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Wachsam: Der im Rahmen eines Bildhauersymposions geschaffene „Riese Mils“ blickt auf seinen von Blockhalden gesäumten Berg. Bild: Thomas Klein

Der Wandertipp : Eines Herrschers würdig

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Ob der „schönste Berg Deutschlands“ oder nicht, gewiss ist sie nach Gestalt und Bedeutung aber einzigartig, die Milseburg in der Rhön. Wo schon Kelten siedelten, eröffnet sich ein grandioses Panorama über den halben Erdkreis.

          5 Min.

          Dem Landschaftsbild der Rhön wurden schon viele Kränze geflochten. Tatsächlich besticht das Gebirge mit einer unverwechselbaren Topographie kühner Auf- und Abschwünge vulkanisch geformter Berge, unter ihnen, wie es Wilhelm von Humboldt empfand, der „schönste Deutschlands“, die Milseburg. Solch hymnische Beschreibung der 835 Meter hohen Erhebung dürfte freilich weniger eine subjektive Wahrnehmung sein als eher – und so mag es auch Humboldt gemeint haben – eine Eloge auf ihre einzigartige Formgebung durch den nach Norden um 115 Meter abfallenden Gipfelgrat.

          Dieser Berg übte naturgemäß große Anziehungskraft auf Menschen aus, und es waren vorrangig Kelten, die hier vermutlich ohne Unterbrechung vom 6. bis 1. vorchristlichen Jahrhundert siedelten. Dabei kam ihnen das Lockergestein gewaltiger Blockmeere für eine vier Meter hohe und bis zu zwölf Meter tiefe Festungsmauer ebenso zugute wie die ausreichend Siedlungsraum bietende Hochebene an der wetterabgewandten Ostseite.

          Ungeachtet größerer Zerstörungen für den Bau einer Bahnstrecke 1889 erbrachten mehrere Grabungen den Nachweis des zuletzt 35 Hektar großen „Oppidums“. Bei den aufwendigsten Untersuchungen 2004 stellte man überraschend fest, dass die Steine der 1200 Meter langen Umfassungsmauer nicht wie sonst ein Balkenwerk zusammenhielt. Vielmehr dienten große, bis zu einer halben Tonne schwere Felsen als stabilisierendes Element.

          Wie man sich den Wall vorzustellen hat, veranschaulichen seither ein rekonstruierter Abschnitt und modellhaft das Vonderau-Museum in Fulda. Eine Sonderausstellung im Rahmen des Hessischen Keltenjahres 2022 zeigt zudem jüngste Eisenfunde, die einmal mehr den meisterhaften Umgang der Kelten mit dem Werkstoff unterstreichen. Für die dort ansässigen wird er das wichtigste Handelsgut gewesen sein.

          Der wiedererstandene Mauerabschnitt ist in einen archäologisch-naturkundlichen Rundweg um die Milseburg eingebunden, der nicht zuletzt terrassenartige Aussparungen einiger Wohnpodien berührt. Ob man auch am Gipfel siedelte, dort gar ein „Fürst“ residierte, muss der Lehrpfad offenlassen. Die tosenden Winde um die zerklüftete Spitze sprechen dagegen, doch fraglos ist das grandiose Panorama über den halben Erdkreis vom Taunus bis zum Thüringer Wald eines Herrschers würdig.

          Wegbeschreibung:

          Die Milseburg ist nur zu Fuß zu erobern, näher von Norden oder in weitem Bogen aus dem Süden. Hierbei umrundet man die markante Erhebung fast ganz und kann auch den naturgeschützten Stellberg sowie das „Malerdorf“ Kleinsassen und den touristisch umgewidmeten Milseburg-Bahntunnel einbeziehen. Als Ausgangspunkt eignet sich gut die Passhöhe Grabenhöfchen an der B 458. Sie bietet beiderseits viel Parkraum und wird auch per Bus von Fulda bedient.

          Hinaus geht es ab dem Gasthof mit der Ziffer 4 in Richtung „Kunstmeile“. Dahinter verbergen sich Bildhauerarbeiten, die bei Symposien 2003 und 2011 über einen Kilometer entlang des asphaltierten Feldwegs bis zum Fuldaer Haus Aufstellung fanden. Dort, in Sichtweite des bewirtschafteten Wanderheims, steht der sagenumwobene Riese Mils. Seinen Hausberg haben wir unverändert im Blick, nur kurz unterbrochen vom Wäldchen an der Maulkuppe.

          Mit dem zwischenzeitlich hinzugetretenen roten M durchmisst man eine offene Senke und schwenkt dann etwa 400 Meter danach links unter die Bäume des Stellbergs. Auf die Spitze des 726 Meter hohen Vulkankegels muss über Wurzelwerk und rutschiges Gestein kräftig gekraxelt werden. Als „Kernzone“ im Biosphärenreservat Rhön darf die Natur sich selbst überlassen bleiben, abgesehen von frei zu haltenden Pfaden wie hier auch ein linksseitig verlaufender, um der Kletterpartie auszuweichen.

          Beide Wege treffen nördlich der Kuppe zusammen, und weiter rechts leicht bergab mit dem M. Diese „Extratour Milseburg“ umrundet nach einem Jugend-Zeltplatz den mächtigen Hauenstein und kommt im Biebertal heraus, bald rechts über ein Brückchen (die Sperrung betrifft nur Fahrzeuge) und links hinter einer Freizeitanlage auf Kleinsassen zu. Das knapp davor scharf rechts abbiegende M kann dort verkürzend zur Milseburg genutzt werden.

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